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| 16:05 Uhr

Brückenfest
Erst Bahnbrücke, dann Radbrücke, jetzt Festbrücke

Für Unterhaltung beim Brückenfest sorgte trotz des Regens auch das Pracowni Teatru Tanca, zu Deutsch Tanz- und Theaterstudio, aus Zielona Góra/Grünberg.
Für Unterhaltung beim Brückenfest sorgte trotz des Regens auch das Pracowni Teatru Tanca, zu Deutsch Tanz- und Theaterstudio, aus Zielona Góra/Grünberg. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Bad Muskau. Vor 120 Jahren ist die Muskauer Neiße-Überführung eröffnet worden. Das Jubiläum wurde jetzt auf polnischer Seite gefeiert. Von Torsten Richter-Zippack

Wer sich am Sonnabend über die frühere Muskauer Bahnbrücke nach Polen begeben hat, ist mit einer süßen Überraschung begrüßt worden. Denn mitten auf der Neiße-Überführung befand sich ein Pavillon mit frisch gebackenem Kuchen. Und direkt unterhalb der Brücke gab es Musik, Theater und weitere Attraktionen. Grund für das Fest bildet ein Jubiläum. Denn im Sommer 1898, vor genau 120 Jahren, ist die Muskauer Eisenbahnbrücke in Betrieb gegangen. Sie gehörte zur gut 40 Kilometer langen Bahnstrecke, die einst Lubsko (Sommerfeld) und Bad Muskau miteinander verband. Das 186 Meter lange Bauwerk gilt von Beginn an aufgrund seiner geschwungenen Form als architektonische Glanzleistung, ist bereits in zeitgenössischen Quellen vermerkt. Von Bad Muskau ging die Bahn weiter ins rund acht Kilometer entfernte Weißwasser. Dort bestand Anschluss an die Hauptbahn Berlin - Görlitz.

Obwohl es auf der Strecke auch Personenverkehr gab, stand der Gütertransport im Vordergrund. Insbesondere die Triebeler Glashütte und die Lugknitzer Braunkohlengruben erfordern den Bahnanschluss.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Strecke aufgrund der neuen deutsch-polnischen Grenze unterbrochen. Die stark beschädigte Neißebrücke erfuhr ihren Wiederaufbau. Doch bis zum Beitritt Polens zum Schengen-Raum blieb das Bauwerk gesperrt. Darüber hinaus wurde die alte Bahntrasse außer Dienst gestellt und ab dem Jahr 2006 abgebaut. Unweit der Brücke befinden sich eigenen Recherchen zufolge noch gestapelte Gleisreste.

Vor ein paar Jahren erhielt die Neiße-Überführung eine neue Funktion. Sie wurde zur Radfahrer- und Fußgängerbrücke umgebaut. Am 9. Mai 2015 erfolgte die Eröffnung. Das Bauwerk ist in kräftigem Pückler-Blau gehalten als Avance an den berühmten Parkbegründer. Daher ist in Bad Muskau im Volksmund vom „Blauen Wunder“ die Rede. Es gehört zum Kreis der Neiße-Radfahrerbrücken. Die nächste Flussquerung nur für Unmotorisierte befindet sich in Zelz/Siedlec.