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Bäume fällen kann teuer werden

Zum Schutz der Straßennutzer wurden entlang der L 55 zwischen Boblitz und der Autobahn-Anschlussstelle mehrere Bäume gefällt. Bis Ende Februar müssen Autofahrer mit solchen Arbeiten rechnen.
Zum Schutz der Straßennutzer wurden entlang der L 55 zwischen Boblitz und der Autobahn-Anschlussstelle mehrere Bäume gefällt. Bis Ende Februar müssen Autofahrer mit solchen Arbeiten rechnen. FOTO: Preikschat
Weißwasser. Der Weißwasseraner Stadtrat hat eine neue Gehölzschutzsatzung beschlossen. Räte folgen dabei dem Antrag der SPD-Fraktion. Künftig sollen sich Ersatzpflanzungen nach dem Stammumfang des gefällten Baumes richten. Christian Köhler

Grundstückseigentümer in Weißwasser müssen künftig für gefällte Laubbäume - ab einem Stammumfang von mehr als 100 Zentimetern - Ersatzpflanzungen vornehmen. Das wird in der neuen Gehölzschutzsatzung geregelt, die der Stadtrat in Weißwasser während seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat. Streitpunkt dabei war jedoch die Frage, wie viele Ersatzpflanzungen für einen gefällten Baum vorgenommen werden sollen. Immerhin, so betonte CDU-Stadtrat Thomas Krause, komme für den Kauf von neuen Bäumen "schon ein ganze Stange Geld zusammen, die Bürger aufbringen müssen". Weil man sich bereits im Januar nicht darauf verständigen konnte, hatten die Räte die Diskussion in den Februar verschoben.

"Wir müssen über die Staffelung von Ersatzpflanzungen noch einmal reden", begann Kathrin Jung (SPD) die Diskussion. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) hatte nämlich zuvor betont, die Verwaltung bleibe bei ihrem Vorschlag vom Januar. Der sah vor, für einen gefällten Baum fünf neue pflanzen zu lassen. Und zwar für gefällte Bäume ab einem Stammumfang ab 30 Zentimetern.

"Wir müssen die Kirche auch einmal im Dorf lassen", entgegnete Kathrin Jung und schlug vor, für einen gefällten Baum ab einem Umfang von 100 Zentimetern auch nur eine Ersatzpflanzung vorzunehmen. Ab einem Stammumfang von 120 Zentimetern müssten zwei Gehölze, ab 150 Zentimeter drei Gehölze gepflanzt werden. "Der Stammumfang des als Ersatz zu pflanzenden Baumes soll mindestens 14 bis 16 Zentimeter betragen", ergänzte Kathrin Jung ihren Vorschlag. Sollte zudem eine Neupflanzung nicht möglich sein, so könne ein Ausgleichsbetrag in doppelter Höhe der Kosten gezahlt werden. Den wiederum würde die Stadt im Rahmen von Baumaßnahmen für Neupflanzungen einsetzen.

Dem Antrag der SPD folgte bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung die Mehrheit des Rates. Bei dem nun anstehenden Beschluss blieb bei Bernd Frommelt (KJiK) doch noch eine Frage offen: "Wenn jemand auf seinem Grundstück bereits im Vorfeld einen Baum gepflanzt hat, bevor er einen fällt, wird dieser als Ersatzpflanzung angerechnet?" Immerhin, so Frommelt weiter, "soll es ja Leute geben, die Bäume pflanzen, ohne damit das Ziel zu verfolgen, einen abzuholzen." Karsten Kliebisch vom Bauamt der Stadtverwaltung entgegnete, dass dies "nicht vorgesehen ist".

Bauchschmerzen mit einer Ausgleichzahlung dagegen hatte Thomas Krause. Er würde es gut finden, wenn ein fester Betrag angesetzt würde, der für alle gilt. Aber auch das funktioniere nicht, argumentierte Kliebisch. Die Preise für Ersatzpflanzungen richten sich nach der Baumart sowie nach jeweiligen Pflegemaßnahmen nach der Pflanzung. Schließlich stimmten die Räte bei einer Enthaltung für den SPD-Vorschlag.

Dass es überhaupt zu einer Überarbeitung der Gehölzschutzsatzung gekommen war, hat zwei Gründe: Einerseits hat der Freistaat Sachsen 2013 das Naturschutzgesetz geändert und darauf hatte andererseits der Weißwasseraner Olaf Schober aufmerksam gemacht.

Zum Thema:
Kosten für Baumfällung entstehen nur Grundstücksbesitzern. Das zulässige Fällen eines Baumes hängt von der Baumart und von dem Stammumfang ab. Nadelgehölze, Birken, Pappeln und Weiden können unabhängig vom Stammumfang gefällt werden. Für alle anderen Gehölze, die einen Stammumfang von mehr als einem Meter haben, muss eine Fällgenehmigung bei der Stadt beantragt werden. Waldbesitzer und Kleingärtner sind von der Satzung nicht betroffen. Kosten entstehen dann durch die Baumanschaffung und dessen Pflege.