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| 17:46 Uhr

Weißwasser
Bärwalder See wird Trinkwasserspeicher

Durch diese Leitungen fließt das Wasser nach Weißwasser. Sie wurden im Horizontalspülbohrverfahren verlegt.
Durch diese Leitungen fließt das Wasser nach Weißwasser. Sie wurden im Horizontalspülbohrverfahren verlegt. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Weißwasser benötigt einen neuen Wasserlieferanten. Dazu muss eine Leitung gebaut werden. Von Torsten Richter-Zippack

Der Bärwalder See dient künftig nicht mehr nur als Wasserspeicher und Erholungsgebiet. Aus dem mit rund 1300 Hektar größten Gewässer Sachsens will die Stadt Weißwasser mittelfristig ihr Trinkwasser gewinnen, informiert Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Laut den neuesten Untersuchungen weist das dafür avisierte Uferfiltrat eine sehr gute Qualität auf. Daher gebe es schon länger entsprechende Überlegungen. „Das Wasser würde aus dem östlichen See gewonnen und müsste dann über eine neu zu bauende Leitung zum Wasserwerk Boxberg transportiert werden“, erklärt Pötzsch. Zunächst gelte es zu klären, wo genau die Standorte der jeweiligen Brunnen installiert werden. Neben dem Neubau der Leitung warte das Boxberger Wasserwerk auf seine Ertüchtigung.

Die 20 Kilometer lange Wasserleitung von Boxberg nach Weißwasser parallel zur Bundesstraße B 156 wurde bereits im vergangenen Jahr vollendet und Ende Januar 2018 in Betrieb genommen. Seitdem fließen pro Tag rund 800 Kubikmeter Wasser in Richtung der Glasmacherstadt und weiterer Kommunen. In diesen ersten Bauabschnitt hat der damalige Bergbau- und Energiekonzern Vattenfall Europe rund fünf Millionen Euro investiert. Für sieben Millionen Euro wurde letztlich gebaut, acht Millionen waren geplant, sagt Torsten Pötzsch vor.

Mit dem Baubeginn der nächsten Etappe rechnet der Oberbürgermeister bereits im Jahr 2019. Anfang der 2020er-Jahre soll alles fertig sein. Jetzt müsse noch die Finanzierung geklärt werden. Pötzsch fordert, dass sich auch die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) an den Kosten beteiligt. Schließlich sei die Bergbausaniererin noch immer Eigentümerin des Bärwalder Sees, der aus dem Tagebau Bärwalde hervorgeht. Wichtig sei darüber hinaus, dass der künftige Wasserpreis um maximal fünf Cent je Kubikmeter steige. Das sei das politisch erklärte Ziel. Derzeit bewegt sich der Arbeitspreis für Trinkwasser nach Angaben der Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) bei brutto 1,58 Euro je Kubikmeter.

Die Preise in der Zukunft für die Nutzer moderat zu halten, ist auch das Ziel der Vorsitzenden der SWW-Geschäftsführung, Katrin Bartsch. „Hinter diesem Ziel stehen wir“, stellt sie klar. Jeder Weißwasseraner verbrauche pro Tag rund 80 Liter Trinkwasser. Der bundesweite Schnitt bewege sich bei 120 Litern.

Über das Leitungsvorhaben zwischen der Mitte und dem Norden des Landkreises wird bereits seit über  neun Jahren diskutiert. Hintergrund bildet der Ausstieg des Bergbau- und Energiekonzerns Leag aus dem jetzigen Vertrag mit der Stadt Weißwasser. Im Zuge der tagebaubedingten Devastierung des alten Weißwasseraner Wasserwerkes wurde das Nass fortan aus dem Wasserwerk Schwarze Pumpe geliefert. Allerdings laufen die entsprechenden Verträge im Jahr 2021 aus, sodass nach Alternativen gesucht werden muss. Nicht zuletzt, so erklärt Katrin Bartsch, reiche die Qualität des Pumpschen Wassers nicht mehr aus.

Neben dem Bärwalder See war auch eine Wasserleitung zwischen Boxberg und Sdier nördlich von Bautzen in der Diskussion, um die dortige Wasserfassung anzapfen zu können. Allerdings würde ein solches Vorhaben locker mit 24 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Wassernutzung aus dem Bärwalder See sei bereits für rund sieben Millionen Euro zu haben. Wichtig ist auch, sagt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch, dass die Weißwasseraner ihr Trinkwasser künftig  bergbauunabhängig beziehen. Das Vorhaben Sdier - Boxberg sei also vom Tisch, der Fokus richte sich jetzt komplett auf den Bärwalder See.