ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:09 Uhr

Lausitzer Seenland
Bärwalder See - keine einfache Baustelle

 Die Nachfrage nach Liegeplätzen am Klittener Hafen ist sehr gut in dieser Saison. Doch mehr Nutzer heißt auch, dass Infrastruktur gebraucht wird. Deshalb wartet Boxberg dringend auf den Bau des Funktionsgebäudes.
Die Nachfrage nach Liegeplätzen am Klittener Hafen ist sehr gut in dieser Saison. Doch mehr Nutzer heißt auch, dass Infrastruktur gebraucht wird. Deshalb wartet Boxberg dringend auf den Bau des Funktionsgebäudes. FOTO: Regina Weiß
Klitten . Bauen auf und im Wasser hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Das sorgt bei manchen Boxberger Gemeinderäten am Montag für Kopfschütteln. Von Regina Weiß

Das Niedrigwasser auf der Elbe hat auch Folgen für den Bärwalder See. Nicht, dass beide Gewässer miteinander verbunden sind. Doch so mancher Freizeit­kapitän aus Dresden oder Pirna trägt sich mit dem Gedanken, sein Boot an Sachsens größten See zu bringen. Der Hafen in Klitten ist natürlich endlich, wobei Hafenmeister Gerhard Stübner sehr froh darüber ist, dass die Erweiterung der Liegeplätze 2018 möglich wurde. 92 Prozent Auslastung sprechen für sich. Doch die gute Nachfrage hat auch Folgen. Mehr Segler oder Motorbootbesitzer bedeuten auch mehr Nachfrage nach Infrastruktur. Deshalb ist seit Längerem geplant, im Hafen Klitten ein Funktionsgebäude zu errichten. Darin untergebracht werden ein Familien- und Behinderten-WC, das Hafenmeister­büro, Damen- und Herrentoiletten sowie entsprechende Duschkapazitäten. Anstelle eines Aufenthaltsraums hat man sich nun laut Planer Helmut Perk von der Sweco GmbH für eine Außenterrasse entschieden. Hintergrund ist, das es funktional und vor allem kostensparend ist. Deshalb soll das Gebäude, was auf einem schon vorhandenen Ponton im Hafen installiert werden soll, in Containerbauweise entstehen. Eine Holzbeplankung soll die Ähnlichkeit zu den schwimmenden Häusern am See nahelegen.

Gebaut wird das Haus im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) über Paragraf-4-Mittel. Es ist der zweite Anlauf dafür. Nummer eins war an den Kosten sowie den nicht vorhandenen Baufirmen gescheitert. Es hatten für so wichtige Dinge wie die Baustelleneinrichtung keine Firmen ein Gebot abgegeben. Zudem sorgten Baukosten von rund 580 000 Euro – anfangs war von 350 000 Euro die Rede gewesen – für erhebliche Bauchschmerzen bei den Gemeinderäten. Es erfolgte eine Umplanung.

Und nicht nur das, ein Provisorium musste her. Bei der gestiegenen Nachfrage war die sanitäre Situa­tion am Hafen Klitten im wahrsten Wortsinn erheblich unter Druck geraten. Eine Toilette dort und die öffentlichen WC am Rundweg waren nicht mehr ausreichend. Der dringendste Engpass ist mit einem Mietcontainer bis zum 30. September behoben worden, sagt Amtsleiter Roman Krautz.

Er findet die nun gewählte Variante des neuen Multifunktionsbaus zweckmäßig. „Ob es passt, muss die Ausschreibung zeigen. Wir haben jedenfalls die große Hoffnung, dass es nach drei Jahren Anlaufzeit gelingt“, so Krautz weiter. Klar, dass die Gemeinde genau auf das Geld guckt. Auch wenn der Freistaat 90 Prozent übernimmt, bleiben bei voraussichtlichen Kosten von rund 450 900 Euro rund 45 000 Euro bei Boxberg. Die entsprechende Abschluss- und Finanzierungsvereinbarung kann der Bürgermeister nun mit der LMBV unterzeichnen. Der Gemeinderat hat dazu einstimmig Ja gesagt.

Gebaut wird wahrscheinlich ab dem dritten Quartal 2020. Das ist selbst noch mal eine Herausforderung. Denn der Ponton liegt im Wasser. Ihn lösen? Oder die Container per Schubboot bringen? Es bleibt spannend.

Anderes dauert noch länger. „Ich weiß nicht, warum man sich bei allem am Berliner Flughafen ein Beispiel nehmen muss. Jetzt reden wir von Ende 2021. Unglaublich!“, so Gemeinderat Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf) mit Blick auf die Anlanderampen für das Fahrgastschiff. Drei und eine Helling soll es insgesamt geben. Die Anlegestelle auf Klittener Seite ist fast fertig gestellt. In Boxberg entsteht vorerst ein Provisorium, weil der Baugrund nicht ohne ist. Nicht nur auf dem Wasser bauen ist kompliziert am Bärwalder See, auch unter der Wasseroberfläche. „Wir sind hier in einem ehemaligen Bergbaugebiet“, erklärt Perk der RUNDSCHAU auf Nachfrage. Auf der Boxberger Seite heißt das, dass der Untergrund instabil ist. Laut Böschungs-Sachverständigem betreffe das die Staulamelle von 121 Metern. Wollte man dort bauen, würde es unverhältnismäßig teuer, so Perk. Das ist das eine Problem, Wind und Wellen das nächste. So kann sich das Wasser bis zu 1,50 Meter aufschaukeln. Die Kraft sorge dafür, dass auch der Sand Spielball wird. So in Uhyst: An der einen Stelle gibt es Abbrüche, an der anderen Ablagerungen. Hier musste Planer Sweco auf die Aussagen eines weiteren Planungsbüros warten, die sich dem Problemfall Uhyster Ufer angenommen haben. Ein Lösungsvorschlag liege nun vor. Wahrscheinlich werden zwei Molen gebaut. „An eine davon wollen wir den Schiffsanleger andocken“, so Perk. Für Boxberg sind aus vormals elf Varianten nur noch zwei vorhanden. Der Gemeinderat, so Perk, müsse dann die Entscheidung treffen. Diese sollen aber trotzdem wohl überlegt sein, findet Roman Krautz. Zeitdruck ist da nicht unbedingt gut, wenn er auf den neuen Gemeinderat guckt. Schließlich müssen auch die neuen Abgeordneten bei dieser Entscheidung mitgenommen werden.

 An der linken Bildkante ist die Pontonfläche zu erkennen, auf der das neue Gebäude installiert werden soll.
An der linken Bildkante ist die Pontonfläche zu erkennen, auf der das neue Gebäude installiert werden soll. FOTO: Regina Weiß

Gemeinderat Gunna Sock treibt bei allem noch ein ganz anderes Problem um. Auch die Slipstelle der Feuerwehr am Boxberger Ufer ist den Kräften des Wassers ausgesetzt. „Wir bringen 400 Leute auf das Wasser und können vielleicht nicht helfen“, stellt sich der Gemeinderat, der viele Jahre Gemeindewehrleiter war, die Frage zum Sicherheitskonzept des Bärwalder Sees. Könnte nicht eine Schüttung helfen? Durchaus denkbar, aber nicht Bestandteil der Paragraf-4-Maßnahmen (Braunkohlesanierung/touristische Folgenutzungen), unterstreicht Holger Üibrig von der LMBV. Da es Steuergelder sind, müsse man sich an die Regularien halten. „Diese kosten viel Zeit.“ Die LMBV ist bei Anlanderampen und Helling ebenfalls der Projektträger.