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| 18:03 Uhr

Tourismusstrategie für Sachsens größten See
Fortschreibung einer Erfolgsgeschichte

 Der Bärwalder See aus der Vogelperspektive im Jahr 2018. Im Vordergrund das Kraftwerk Boxberg sowie der Tagebau Nochten.
Der Bärwalder See aus der Vogelperspektive im Jahr 2018. Im Vordergrund das Kraftwerk Boxberg sowie der Tagebau Nochten. FOTO: Christian Köhler
Boxberg. Der Boxberger Rat hat die Tourismusstrategie für den Bärwalder See abgesegnet. Ein Konzept hatte der Kreis gefordert. Von Christian Köhler

Von Christian Köhler

Der Gemeinderat in Boxberg hat am Montagabend bei einer Enthaltung das Strategiepapier für die touristische Entwicklung des Bärwalder Sees bis 2025 verabschiedet. Der Landkreis Görlitz hatte darauf gedrungen, so berichtet Boxbergs Bürgermeister Achim Junker (CDU), dass der Gemeinderat in einem Strategiekonzept festschreibt, wohin die Reise an Sachsens größtem See in touristischer Hinsicht gehen soll. Immerhin wird damit das 2004 erarbeitete Konzept „Landschaftspark Bärwalder See“ fortgeschrieben.

Gleich mehrere Räte haben das Konzept für „gut“ bis „sehr gut“ eingeschätzt. Obwohl vor dem eigentlichen Beschluss die Öffentlichkeit auf Antrag von Gemeinderat Hendryk Balko für eine kurze Zeit ausgeschlossen wurde, weil es offenbar noch Klärungsbedarf gegeben hatte. Der Nochtener Ortschaftsratsvorsitzende Mario Weier ist dennoch froh, dass nun eine Strategie festgeschrieben ist, „die nur bis 2025 reicht“. Denn immerhin könne sich noch so maches ändern, sagt er. Der positiven Einschätzung schließt sich auch Horst Jannack (Linke) an: „Ich halte es für ein gelungenes Konzept.“ Es könne mit dem Papier auch einiges angegangen werden, was „möglicherweise in der Vergangenheit vernachlässigt wurde“.

Was aber steht nun drin? Dafür zeigt sich Tourismusexperte Matthias Wedepohl vom Büro „Projekt M“ verantwortlich, der den Plan nach einer Ausschreibung am Montag vorstellt. Er und sein Büro haben bereits für das gesamte Lausitzer Seenland das Marketingkonzept entwickelt. „Und für das Seenland ist der Bärwalder See definitiv ein Leuchtturm“, richtet sich der Experte an die Gemeinderäte. Allerdings liege für die touristische Erschließung noch „ein langer und beschwerlicher Weg“ vor der Gemeinde Boxberg. Das sei auch das Ergebnis eines Workshops gewesen, an dem mehrere Gemeinde- und Ortschaftsräte mitgewirkt haben. Denn die Gemeinde müsse „den Rahmen und die Entwicklungsrichtung vorgeben, auch wenn später vieles im privatwirtschaftlichen Bereich realisiert wird“, so Wedepohl weiter.

 Matthias Wedepohl vom "Projekt M".
Matthias Wedepohl vom "Projekt M". FOTO: Christian Köhler
 Matthias Wedepohl vom "Projekt M".
Matthias Wedepohl vom "Projekt M". FOTO: Christian Köhler

Mit dem beschlossenen Konzept hat sich die Gemeinde auf mehrere Ziele verständigt: Etwa müsse der Fokus der touristischen Entwicklung auf dem gesamten See gelegt werden, „und nicht auf bestimmte Teilbereiche“, so Matthias Wedepohl. Es sei nämlich nicht sinnvoll, überall Häfen zu errichten, „sondern Sie haben eine tolle Marina in Klitten. Stärken Sie den Standort.“ Ferner müsse klar sein, dass die Gemeinde dauerhaft eine leistungsfähige Bewirtschaftungsstruktur aufrecht erhalten muss. Das, so der Experte, „haben Sie mit Roman Krautz und seinem Team schon“. Darüber hinaus müsse in den nächsten Jahren der Schwerpunkt bei der Entwicklung auf die Belebung der Vor- und Nachsaison gelegt werden. „Bislang haben Sie sich richtiger Weise auf den Tagestourismus konzentriert“, stellt der Tourismusfachmann fest, „aber nun geht es darum, ganzjährige Ausflugsgastronomie sowie Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen“. Auch die konsequente Integration des Sees unter die Dachmarke Lausitzer Seenland müsse stärker fokussiert werden.

Die Strategie für den gesamten See sieht nun vor, dass in allen vier Anliegerorten spezielle Bereiche ausgebildet werden sollen, die wiederum den Bärwalder See als Ganzes attraktiver machen. Übergreifend bleibe man bei dem 2004 erarbeiteten Motto: „sportlich – natürlich – kunstvoll“, jedoch müssten Schwerpunkte gebildet werden. Boxberg als Hauptort etwa soll das „Urlaubszentrum am Bärwalder See“ werden. Eine Ansiedelung von Ferieneinrichtungen, die ganzjährig nutzbar sind, sei hier unabdingbar. „Gerade eine Überdachung vom „Theater im Ohr“ macht Sie nicht so sehr abhängig von äußeren Einflüssen“, zeigt Matthias Wedepohl auf.

Der Standort Klitten soll zum Wassersportzentrum werden. Hier sollen einerseits stärker auf den Sportboothafen gesetzt werden. Andererseits solle am Hafen Klitten eine Fläche für Freiluftveranstaltungen zur Verfügung gestellt werden.

In Uhyst müsse das Potenzial der ländlichen Idylle stärker vermarktet und umgesetzt werden. Durch Schaffung von Übernachtungsmöglichkeiten etwa oder die stärkere Einbeziehung der „Wild-Safarie“ ließen sich Touristen auf diese Seite des Sees locken.

Der Bereich Merzdorf soll nach den Vorstellungen des Konzeptes für jüngere Urlauber ausgebaut werden. So kann sich Matthias Wedepohl durchaus vorstellen, hier den Standort für den Wohnmobiltourismus zu etablieren und Angebote für jüngere Zielgruppen zu etablieren. Dazu allerdings müsse die wasserseitige Erschließung durch die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Bergbausanierer LMBV vorangetrieben werden.

Insgesamt stellt der Experte der Gemeinde allerdings ein positives Zeugnis für die bisherige Arbeit an Sachsens größtem See aus: „Ich möchte ausdrücklich loben, dass Sie sich bislang noch nichts verbaut haben“, sagt er. An anderen Seen im Lausitzer Seenland etwa gebe es durch Gemeinderatsbeschlüsse mehrere Schwierigkeiten, etwa dann, wenn neue Gebäude errichtet werden sollen. Trotz einiger Probleme – wie etwa der Verschlammung der Häfen oder dem teuren WC-Haus am Klittener Hafen, was wohl noch eine Weile auf sich warten lässt – sei man auf einem guten Weg. „Der Bärwalder See ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Matthias Wedepohl. Die Transformation nämlich von einem Tagebau hin zu einem touristischen Ziel sei gelungen. Nun gelte es, „diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben“. Dabei rät Matthias Wedepohl das zu erhalten, was den See besonders macht. „Allein, dass man um den gesamten See herumlaufen und fahren kann sowie dabei über den See blicken kann, ist etwas Besonderes.“

Armin Hoffmann (WV Kringelsdorf) merkt an, dass es aus seiner Sicht wichtig sei, „eine vernünftige Beschilderung“ hinzubekommen. Ein Leitsystem für die Touristen sei unerlässlich, „sonst sind sie schon vor der Ankunft frustriert“. Mario Weier dagegen wünscht sich, dass „die Gemeinde den Blick auf die Anbindung des Sees in Richtung Cottbus nicht aus den Augen verliert“. Gerade in Sachen Infrastruktur müsse weiter an einem Ausbau der Spreestraße in Richtung Mulkwitz gearbeitet werden. „Das Konzept ist nicht abgeschlossen“, räumt Matthias Wedepohl ein. Er betont: „Tourismusentwicklung ist und bleibt ein ständiger Prozess.“