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Bärwalder rodeln auch ohne Schnee

Paul Schöbel (l.) und Richard Krause waren die ersten beiden Starter während des Neujahresrodelns 2017 in Bärwalde.
Paul Schöbel (l.) und Richard Krause waren die ersten beiden Starter während des Neujahresrodelns 2017 in Bärwalde. FOTO: amz1
Bärwalde. Normalerweise erleben die meisten Menschen den Neujahrstag eher ruhig und entspannt. Anders dagegen in Bärwalde: Dort hat der gleichnamige Verein zum traditionellen Neujahrsrodeln geladen. amz1

Rund 40 Gäste, darunter zahlreiche Kinder, wollten sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Und das, obwohl noch gar kein Schnee liegt. "Das macht gar nichts, gerodelt wird trotzdem", stellt Manuela Mickel vom Bärwalde-Verein gleich mal klar. Zunächst treffen sich die Teilnehmer in der Ortsmitte, dann geht es mit Fackeln und Lampions über die Spree und den Hünlich-Hügel hinauf.

Auf der Düne oberhalb der Spree befindet sich das Grab des ehemaligen Spirituosen-Fabrikanten und Bärwalder Schlossbesitzers Rudolf Hünlich, daher der Name. Ein Großteil der 22 Vereinsmitglieder hat Bänke hinaufgetragen, ebenso den Glühwein-Pott. Zudem wurde an zwei alten Buchen eine Lichterkette mit bunten Farben befestigt. Der erforderliche Strom kommt aus dem extra herangeschafften Dieselgenerator.

Dann geht es los. Zu Beginn sind zwei Schlitten am Start. Der eine gehört Familie Krause, der andere den Schöbels. Thomas Krause, der im Dorf als "Musikmann" bekannt ist, hat tatsächlich seine Anlage auf die ehemalige Europalette, die nunmehr von vier Rädern getragen wird, geladen. So ging es zunächst mit flotten Sommerhits vom Dorfgemeinschaftshaus den Hügel hinauf.

Dort übernimmt dann Sohn Richard Krause das Kommando. Ohne Sturzhelm geht es für den Zwölfjährigen nicht auf die Piste. Platz nimmt er auf einem ehemaligen Treckersitz, der auf der früheren Europalette befestigt wurde. Anschließend rollt das Gefährt den steilen Hang hinunter. Dann ist Paul Schöbel an der Reihe. Er nennt einen mit vier Rädern ausgestatteten Schlitten inklusive Weihnachtsbaum und drei Plüschtieren sein Eigen. Gemeinsam mit Nilpferd, Elch und Marienkäfer rast der 15-Jährige den Hang hinunter. Das reichlich erschienene Publikum feuert die Fahrer an.

Tatsächlich Schnee habe es bei einem Neujahrsrodeln vielleicht ein-, maximal zweimal, gegeben, erinnert sich Vereinschef Eckhard Zschippang. Seine Premiere feierte die Veranstaltung im Jahr 2002. Damals, so erzählt Manuela Mickel, habe sich eine illustre Runde am Neujahrstag getroffen. "Jemand hatte spontan die Idee, dass wir doch ein Nachtrodeln auf die Beine stellen könnten."

Gesagt, getan: Noch am Abend desselben Tages ging es am Hünlich-Hügel, der auch sonst von den Bärwaldern zum Rodeln genutzt wird, auf die Piste. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Nachricht im 260-Einwohner-Dorf verbreitet. In den Jahren danach wurden teilweise bis zu knapp 100 Besucher gezählt, nicht wenige auch aus den umliegenden Orten. Seitdem seien die kuriosesten Gefährte, egal ob mit oder ohne Schnee, den Hang hinunter gebrettert. Darunter befanden sich unter anderem Badewannen und Toilettenhäuschen. Im Laufe der Jahre habe sich ein richtiges Volksfest entwickelt, das die Bärwalder nicht mehr missen möchten.

Inzwischen zähle das Neujahrsrodeln neben dem Dorffest Anfang August zu den Jahreshöhepunkten im Boxberger Ortsteil. Das nächste Spektakel stehe indes bereits in den Startlöchern: "Am 18. Februar wird bei uns gezampert", kündigt Eckhard Zschippang an. Bis dahin solle auch eine Attraktion in Bärwalde wieder komplett sein. Nämlich die insgesamt sieben Täfelchen zur Ortshistorie, die im Steg an der Spree in unmittelbarer Nähe der Brücke zum Verweilen einladen. Derzeit, so erklärt Ostvorsteher Frank Zschippang, würden die kleinen Kunstwerke restauriert. Die Folien hätten unter Wind und Wetter gelitten. Darüber hinaus, so gibt es erste Überlegungen im Ortschaftsrat, könnte im Jahr 2017 ein kleiner Bebauungsplan für Bärwalde aufgestellt werden. Und zwar für Leute mit Ambitionen auf ein eigenes Heim. Frank Zschippang schwebt der Boxberger Weg vor. Aber dieser Prozess befinde sich erst in den Kinderschuhen, betont der Kommunalpolitiker.