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| 19:33 Uhr

Lausitzer Seenland
Baden und Leuchtturm sind vorerst tabu

Antje Lukas und Roman Krautz von der Gemeindeverwaltung Boxberg begutachten die neuen Hinweistafeln mit aktuellen Karten, die jetzt am Bärwalder See stehen.
Antje Lukas und Roman Krautz von der Gemeindeverwaltung Boxberg begutachten die neuen Hinweistafeln mit aktuellen Karten, die jetzt am Bärwalder See stehen. FOTO: Joachim Rehle
Boxberg. Touristiker und Gastronomen am Bärwalder See stehen für die neue Saison in den Startlöchern.

Das Thermometer klettert auf knapp 25 Grad, die Sonne strahlt. So zeigt sich seit mehreren Tagen das Wetter, und so soll es sich laut dem Deutschen Wetterdienst auch am Wochenende präsentieren. Bestes Badewetter könnte man meinen. Doch daraus wird zumindest am Bärwalder See bis zum 14. Mai nichts. Zum einen beträgt die Wassertemperatur nach Angaben des Klittener Hafenmeisters Gerhard Stübner aktuell acht Grad Celsius. Zum anderen beginnt die offizielle Badesaison erst am 15. Mai. „Erst dann sind die Rettungskräfte am See im Einsatz“, begründet Stübner. Also müssen sich Badelustige noch dreieinhalb Wochen gedulden. „Gäste, die sich ein führerscheinfreies Boot bis 15 PS ausleihen wollen, können dies auch erst ab Anfang Mai tun“, ergänzt der Hafenmeister. Denn ohne Rettungskräfte vor Ort dürfte sich die Bergung eines havarierten Wasserfahrzeuges nicht ganz unkompliziert gestalten.

Ansonsten treffen jetzt nach und nach die privaten Boote im Klittener Hafen ein. 20 Exemplare befinden sich bereits im See, 120 Festliegeplätze stehen zur Verfügung. Insgesamt sind es laut Gerhard Stübner 170 Liegeplätze. „Wir halten genügend Ankerorte für unsere zeitweiligen Gäste vor.“ Ohnehin scheine sich der Bärwalder See immer mehr herum zu sprechen. So hätten beispielsweise mehrere Sportler des Bautzener Segelklubs die Absicht, nach Klitten umzuziehen. Denn im Gegensatz zur Talsperre Bautzen werde Sachsens größtes Gewässer nie so drastisch abgesenkt. Wenn alles klappt wie geplant, könne noch in diesem Jahr der aktuell in der Ausschreibung befindliche Sanitärkomplex im Klittener Hafen in Betrieb gehen. Übrigens: Die erste Regatta dieses Jahres findet am 28. April innerhalb der Seenlandtage statt. Als Veranstalter fungiert der Lausitzer Segelklub.

Einen Wermutstropfen müssen die Gäste der Klittener Marina voraussichtlich über die gesamte Saison schlucken. „Der Leuchtturm ist nicht zugänglich“, erklärt Gerhard Stübner. Denn zwischen dem Bauwerk und dem Steg gebe es derzeit keine Landverbindung. Im Zuge der Herbst- und Winterstürme war der Leuchtturm havariert. Jetzt müsse die Anlage repariert werden. Das gehe nicht von heute auf morgen. Immerhin: Touristen können auf dem Leuchtturm-Steg dennoch ein ganzes langes Stück flanieren. Zudem ist auch das dortige Leuchtturm-Bistro geöffnet.

Die Touristiker und Gastronomen sehen sich für die ersten Tage des Jahres über 25 Grad Celsius gut gerüstet. Das bestätigt auch Annett Müller vom Imbiss „Seeperle“ am Uhyster Strand. „Es kehren schon viele Radfahrer ein. Nicht wenige kommen aus Dresden oder dem direkten Umland“, hat die junge Frau beobachtet. Neben deftigen Speisen gebe es auch Kuchen und Eis. Und demnächst zusätzlichen Platz, ergänzt Mike Keller, Geschäftsführer der Uhyster Landfleischerei, die die „Seeperle“ betreibt. „Noch im April stellen wir zwei Bänke für insgesamt 40 Personen auf. Insgesamt verfügen wir dann bis zu 70 Sitzplätze.“ Keller beurteilt den Umsatz an den Frühlingswochenenden als gut. Doch während der Woche sei noch zu wenig los. „Das ändert sich, sobald es richtig heiß wird“, sagt der Unternehmer. Zudem betreibe die Landfleischerei auch den Imbiss oberhalb des Klittener Hafens.

An den sonnigen April-Wochenenden herrsche auf dem Seeradweg Hochbetrieb. Gerhard Stübner hat allein am 14./15. April rund 1000 Radler und Skater gezählt. „Manchmal war ein Fahren nur in Kolonne möglich“, sagt der 67-Jährige. Die rund 24 Kilometer lange Piste sei ohne Einschränkungen befahrbar. Besonders beeindruckend sei der Blick übers Wasser hinüber zur Silhouette des Kraftwerkes.

Diese beeindruckt auch Familie Balzer. „Meine Frau ist in Hoyerswerda als Chefärztin tätig, jetzt wohnen wir in Uhyst, nur einen Steinwurf vom See entfernt“, erzählt Jürgen Balzer, der aus Thüringen kommt. An diesem Tag ist er mit seinem Vater Harry Balzer am Ufer unterwegs und zeigt ihm stolz die neue Heimat. „Der Blick auf das Kraftwerk hat schon was“, sagt der 85-Jährige.

Auch am Boxberger Ufer herrscht geschäftiges Treiben. Beispielsweise auf dem Campingplatz Sternencamp. „Die ersten Gäste sind schon da“, sagt Pächter Ludwig Müller. Kollegin Carola Müller ergänzt, dass sich der Kalender jeden Tag mehr fülle. „Besonders begehrt sind die kommenden Feiertage.“ 104 Plätze warten auf Caravan- und Wohnmobilgäste sowie auf Zeltcamper. Der neue Kinderspielplatz ist erst vor Ostern eröffnet worden.

Mit Stand 18. April haben sich in der Boxberger Touristinformation in diesem Jahr bereits fast 550 Menschen Tipps und Infos geholt, rechnen die Mitarbeiter vor. Im April 2017 waren es nur 410. Während der gesamten Saison 2017 begehrten rund 7850 Menschen Auskunft. „Die Leute fragen vor allem, ob der Radweg frei ist“, sagt Touristikerin Ines Mattiza. Die Einrichtung sei derzeit mittwochs bis sonntags geöffnet.

Neues gibt es auch vom Bärwalder Ufer, besser bekannt als Kite-Strand. Die namensgebende Sportart ist laut dem Boxberger See-Amtsleiter Roman Krautz seit 1. April wieder möglich. Zudem wurde die bisher arg lädierte Zufahrt von der B 156/Abzweig Bärwalde instandgesetzt. Ansonsten, so Krautz, betreibe, pflege und warte permanent sein fleißiges Seeteam alle kommunalen Anlagen, so Schwimmstege, Grünanlagen, Rad- und Gehwege, Strände und Gebäude. Anders gesagt: Die Gemeinde Boxberg sieht sich für die Saison 2018 am Bärwalder See bestens gerüstet.

Der Leuchtturm an der Klittener Marina steht Gästen für längere Zeit nicht zur Verfügung.
Der Leuchtturm an der Klittener Marina steht Gästen für längere Zeit nicht zur Verfügung. FOTO: Torsten Richter-Zippack