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| 14:59 Uhr

Aufgeschnappt
Der Schmuggel ist verjährt

Schulleiter Ralph Berthold und Schüler Johannes erinnern mit einem Gedicht von Otto Reutter an den Hausbau - eine kleine humorvolle Einlage.
Schulleiter Ralph Berthold und Schüler Johannes erinnern mit einem Gedicht von Otto Reutter an den Hausbau - eine kleine humorvolle Einlage. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Was den Journalisten in dieser Woche wieder Besonderes aufgefallen ist.

Dass in dieser Woche der Technische Ausschuss in Rietschen wegen Renovierungsarbeiten nicht im Versammlungsraum des Gemeindeamtes sondern im Trauzimmer tagte, wertete Rietschens Bürgermeister Ralf Brehmer (parteilos) als gutes Zeichen: „Hier wird in der Regel „Ja“ gesagt“, richtete er sich an den Ausschuss, „und ich möchte doch hoffen, dass das auch auf die heutigen Beschlüsse zutrifft.“

 

Gemeinderat Gerd Wenzel (Freie Wähler) hat während der Sitzung des Ausschusses in Rietschen argumentiert, man müsse sich nicht jede Aufgabe als Gemeinde an Land ziehen. Schließlich sinken die Einwohnerzahlen jährlich. „Und noch etwas“, nimmt der Gemeinderat richtig an Fahrt auf, „ich frage mich, warum man eigentlich eine Friedhofsmauer braucht. Ich habe noch von niemanden gehört, dass er vom Friedhof wieder weggekommen ist. Und die, die draußen sind, wollen doch eigentlich auch nicht dort rein.“

 

Wer hätte gedacht, richtete sich der Arbeitsamtschef aus Zary, Jósef Tarniowy, beim 20-jährigen Jubiläum der deutsch-polnischen Initiative der Arbeitsämter an die Gäste im Neuen Schloss Bad Muskau, „dass wir heute Arbeitslose in Leknica suchen müssen“. Immerhin seien nach seinen Angaben im Oktober lediglich 20 Arbeitslose in Bad Muskaus Nachbargemeinde gemeldet. Das war in den 1990er-Jahren nicht so. „Wegen der damaligen Massenarbeitslosigkeit haben wir das Programm aus dem Boden gestampft“, erklärt Jósef Tarniowy.

 

Kaum zu glauben, aber wahr: Parkleiter Cord Panning hat geschmuggelt. „Ich habe diese Geschichte bereits mit dem Zoll diskutiert und sie ist verjährt“, berichtet er schmunzelnd. Als nämlich in den 1990er-Jahren die deutsch-polnische Initiative der beiden Arbeitsämter Weißwasser und Zary startete, existierte noch eine Grenze, die sich mitten durch den Fürst-Pückler-Park Bad Muskau zog. Polen gehörte außerdem noch nicht zur EU. „Damals haben wir uns mit unseren Gerätschaften, die wir im Park auf der polnischen Seite benötigten, noch in die Schlange des Grenzverkehrs einreihen müssen“, erinnert sich auch der damalige Arbeitsamtschef Weißwassers, Roland Richter. Diesen Grenzverkehr hatte Parkleiter Panning ausgenutzt, um „Granitsteinblöcke auf die polnische Seite zu bringen“, erzählt er. „Wie sonst hätten wir die neuen Bänke, die jetzt schon mehrere Jahre auf der polnischen Seite stehen, dort hinbringen können? Ich glaube, damals hat man die Steine unter Decken und unter irgendwelchen Gerätschaften versteckt. Ich weiß gar nicht, ob man die hätte verzollen müssen. Aber mir hat man gesagt, dass sei jetzt schon verjährt.“

 

Frank Budzuhn, Moderator und Bad Muskauer, hat sich am Ende der Einwohnerversammlung zur Gemeindeehe der Stadt mit Krauschwitz an den Bürgermeister gewandt. „Ich habe noch eine der wichtigsten Fragen an Sie, Herr Bänder“, sagt Budzuhn und holt tief Luft: „Wird es in diesem Jahr in Bad Muskau einen Weihnachtsbaum geben?“ Da konnten viele der Bad Muskauer nur schmunzeln. Auch ihnen war nicht verborgen geblieben, dass die Stadt Weißwasser zunächst beabsichtigte, keine Bäume aufzustellen. „Da kann ich Sie beruhigen“, entgegnet Andreas Bänder (CDU), „ich habe eine Liste von Bäumen, die die nächsten sieben Jahre abdeckt.“

 

Stadtrat Andreas Friebel (Klartext) ist Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) eigentlich immer zur Seite gesprungen. Aber als der OB in der jüngsten Ratssitzung in dieser Woche das mehrseitige Schreiben des Görlitzer Kommunalamtes zu den Haushaltswidersprüchen vorlas, hielt es Friebel nicht im Sitz. „Ich denke, für meine Ratskollegen sprechen zu dürfen und würde gern einen Vorschlag machen“, richtet sich Friebel an Pötzsch, als der lange und komplizierte Schachtelsätze und jede Menge Paragraphen vortrug. „Lassen sich die einzelnen Punkte nicht zusammenfassen und sagen, was rausgekommen ist?“ Torsten Pötzsch indes konnte das gar nicht verstehen. „Die Argumentation des Amtes ist doch wichtig. Aber gut, ich bemühe mich.“ Ob nach den Bemühungen des Oberbürgermeisters dann jedem Stadtrat sowie auch den Zuhörern eindeutig klar war, was nun unter dem Strich rausgekommen ist, blieb auch nach der „Übersetzung“ ein wenig offen.

 

Der Ratssaal von Bad Muskau wird derzeit auch als Abstellfläche genutzt. Dort sind Möbel aus dem Büro von Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) eingelagert. Sein Büro wird nämlich derzeit renoviert. „Ich sitze in einem Behelfsbüro“, formuliert das Stadtoberhaupt. Andere sagen Besenkammer dazu. Egal wie, der Bürgermeister muss damit eine Herausforderung meistern. „Ich suche den ganzen Tag nur Unterlagen“, hatte Bänder die Lacher auf seiner Seite. Er ist froher Hoffnung, wenn er Ende des Jahres wieder sein angestammtes Zimmer beziehen kann, „dass ich dann die Übersicht über die Kartons habe.“

 

Auf der Baustelle des deutsch-sorbischen Schulkomplexes in Schleife herrscht rege Betriebsamkeit. Das übrigens nicht nur von Bauleuten. Auch als „Ausflugsstätte“ ist die Baustelle beliebt. Allein im Oktober gab es laut Bauamtsleiter Steffen Seidlich drei Führungen. Die Handballer aus Schleife, Vertreter der Leag sowie Landtagsabgeordnete haben vorbeigeschaut und sich informieren lassen.

Da Improvisieren während der Sanierungsarbeiten im Schulgebäude der Freien Schule Boxberg eine Hauptaufgabe war, gab Schulleiter Ralph Berthold eine improvisierte Rede zur Eröffnung des Begegnungszentrums zum Besten. Dabei griff er auf eine Gedicht von Otto Reutter zurück. „Zu jeder Sache brauchen wir ’ne Menge Zeit und viel Papier. Ob Republik, ob Monarchie, der Schlendrian verlässt uns nie“, hieß es da. Die Zeilen stammen aus dem Couplet „Der gewissenhafte Maurer“. Dieser wurde von Schüler Johannes bestens dargestellt (siehe Bild). Den Gästen gefiel es. (ckx/rw)

(ckx/rw)