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| 13:12 Uhr

Bad Muskau berät über seine Zukunft
Bad Muskau beginnt mit Leitbild-Debatte

 Dr. Karl-Ludwig Resch will zusammen mit Bad Muskauern das Leitbild 2030 für die Parkstadt entwickeln.
Dr. Karl-Ludwig Resch will zusammen mit Bad Muskauern das Leitbild 2030 für die Parkstadt entwickeln. FOTO: Christian Köhler
Bad Muskau. Allerdings haben sich zur Auftaktveranstaltung nur wenige Einwohner und Unternehmer eingefunden. Von Christian Köhler

Anfang der 2000er-Jahre ist es gewisser Maßen Usus gewesen, sich ein Leitbild zu geben. Sätze wie „Der Gast ist König“ oder „Wir sind Dienstleister für unsere Gäste“ sind in Tourismuszentren Land auf, Land ab zu hören gewesen. „Solche Leitbilder hatten das Ziel, nach außen für sich zu werben“, erklärt Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch.

Er sowie die Stadtverwaltung Bad Muskau haben am Donnerstagabend die Einwohner ins Kaffee König geladen, um mit der Entwicklung eines eigenen, neuen Leitbildes für die Parkstadt bis zum Jahr 2030 zu beginnen. Tatsächlich vor Ort sind allerdings nur wenige Bürger, eher Stadträte, ohnehin aktive Einwohner und auch beide Bürgermeisterkandidaten.

Dabei, das betonen Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) sowie Karl-Ludwig Resch, geht es bei dem neuen Leitbild nicht um eine Außendarstellung der Stadt. „Das Leitbild muss niemand anderen außer die Bad Muskauer interessieren“, sagt Resch. Gemeinsam müsse es darum gehen, die Stadt für die Bewohner attraktiver zu machen, erst dann würden auch die Gäste etwas davon haben. Und die Chance, dass aus dem Leitbild tatsächlich etwas entspringt, sei groß, meint der Professor.

Und das aus zweierlei Gründen: Einerseits braucht es ein Leitbild, damit Bad Muskau Fördermittel für den Ausbau der Kurangebote akquirieren kann. „Das ist eine Forderung des Freistaates“, erklärt Professor Resch. Auf der anderen Seite ergeben sich mit den angekündigten Milliarden der Bundesregierung im Zuge des Kohleausstieges große Möglichkeiten, Anträge für Projekte zu stellen. Dabei allerdings steht Bad Muskau in Konkurrenz zu anderen Städten und Gemeinden. „Wir können mit der Leitbilddebatte aber Argumente sammeln, um diese Anträge zu untermauern und sie in ein Gesamtkonzept einzubauen“, erläutert Karl-Ludwig Resch. Wenn in einigen Jahren die Mittel fließen und man im Gegensatz zu anderen Kommunen „handfeste Pläne hat und keine Schnellschüsse, dann sehe ich große Chancen für die Stadt“.

Dazu allerdings müssten alle mitmachen: „Alle Bürger, alle Schichten, Vereine und Initiativen sind aufgerufen, sich einzubringen“, appelliert Andreas Bänder. Es gehe darum, die Stadt für alle, die darin leben, attraktiv zu machen. „Es geht schlicht und einfach darum, herauszufinden, was für alle wichtig ist“, pflichtet der Professor dem Bürgermeister bei. Und dazu hat die Parkstadt bis zum Frühjahr 2020 Zeit. Schon jetzt sind mehrere weitere Treffen, zu der alle Bürger eingeladen sind, angesetzt. Das nächste findet bereits in der zweiten Augusthälfte statt.

Die Grundidee des Leitbildes ist: Zunächst sollen alle Themen, die in der Stadt vorherrschen und die die Einwohner beschäftigen, gesammelt werden. Es gehe dabei um Bad Muskau, das ganze Stadtgebiet, nicht um das große Umland. „Wir wollen uns über das Wohnen, über die Arbeit und bessere Lebensverhältnisse unterhalten“, so Karl-Ludwig Resch. Mit der entstehen Liste soll es dann in kleinere Gruppen gehen, die über Detailfragen beraten. „Dort können sich dann die jeweiligen Experten einbringen“, kündigt der Professor an. Anschließend wird eine Rangfolge erstellt, „aus der hervorgehen soll, wo bei den Muskauern das Herz schlägt“.

Dazu braucht es jedoch die Experten der Stadt. „Ich frage aber, wo sind die Apotheker, die Ärzte, die Unternehmer?“, wirft Stadträtin Heidi Knoop (Linke) ein. Als sie sich am Donnerstagabend umsieht, sieht sie hauptsächlich vertraute Gesichter. Unternehmer und Einwohner, die sie gern gesehen hätte, sind nicht anwesend. Sie meint, die Bürger müssten sensibilisiert dafür werden, auch mitzumachen. „Und ich finde es nicht gut, dass das Leitbild das Umland außer Acht lässt“, sagt die Rätin und fügt an: „Krauschwitz hat das Bad und Gablenz gehört auch dazu.“

Parkleiter Cord Panning pflichtet ihr bei: „Leknica muss mit einbezogen werden. Es macht keinen Sinn, nur für sich zu planen, denn wenn Leknica ähnliches vorhat und Bad Muskau das nicht weiß, ergeben sich keine Synergieeffekte.“ Der Parkdirektor gießt auch noch etwas „Wasser in den Wein“ des Leitbildes und erinnert an die Finanzierbarkeit. „Die sollte bei der Themen- und Ideensuche berücksichtigt werden.“

Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Thomas Krahl (CDU) würde gern viel mehr jüngere Bürger, etwa aus der Grundschule einbeziehen. Moderator und Bürgermeisterkandidat Frank Budszuhn sagt, auf Unternehmer und Touristiker müsste man zugehen.

Am Ende der ersten Runde der Leitbilddebatte hoffen die Initiatoren aber vor allem, dass grundsätzlich mehr Bürger ein Interesse entwickeln, über die Zukunft ihrer Stadt zu sprechen und zu diskutieren.

 Dr. Karl-Ludwig Resch will zusammen mit Bad Muskauern das Leitbild 2030 für die Parkstadt entwicklen.
Dr. Karl-Ludwig Resch will zusammen mit Bad Muskauern das Leitbild 2030 für die Parkstadt entwicklen. FOTO: Christian Köhler