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| 19:24 Uhr

Oberlausitz
B 178 bleibt noch über Jahre unvollendet

Weißenberg/Region. Eine durchgängig befahrbare (mindestens) dreispurige B 178 von Zittau bis zur Autobahn 4 bleibt noch lange Zukunftsmusik.

Das Aufatmen war förmlich mit Händen zu greifen, als die Nachricht bekannt wurde: Für den nördlichsten Streckenabschnitt der B 178 neu ist kein erneutes Linienbestimmungsverfahren erforderlich.

Von Euphorie kann dennoch keine Rede sein, denn auch so steht noch ein großes Stück Arbeit vor den Planern. Die RUNDSCHAU fasst die wichtigsten Fakten zusammen.

Was war die Ausgangslage?

„Gegenwärtig existiert im östlichen Teil von Sachsen keine durchgängige leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung.“ Das hatte die bundeseigene Planungsgesellschaft Deges bereits in den frühen 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts festgestellt. Abhilfe sollte eine neu trassierte Bundesstraße 178 schaffen.

Mittlerweile ist diese Straße weitgehend vorhanden; nur bei zwei Abschnitten „klemmt“ es noch: Zwischen Niederoderwitz und Oberseifersdorf (unmittelbar nördlich von Zittau) sowie zwischen Nostitz und der Bundesautobahn 4. Bei demletztgenanntem Abschnitt kam ein Verkehrsgutachten zu dem Ergebnis, dass anstelle des ursprünglich geplanten vierspurigen auch ein dreispuriger Ausbau genügen würde.

Daraufhin überarbeitete der Freistaat Sachsen die Planungen. Das Ergebnis: Die dreispurige B 178 (neu) bindet  an der bisherigen Autobahnanschlussstelle Weißenberg an die BAB 4 an. Dadurch verändert sich die Linienführung im Vergleich zu den bisherigen Planungen nur geringfügig. Mittlerweile hat der Bund sein „okay“ dafür gegeben.

Wie geht es jetzt weiter?

 Dass der Bund kein neues Linienbestimmungsverfahren fordert, bedeutet noch lange nicht, dass es jetzt zeitnah mit dem Bau losgehen kann. Denn um ein Planfeststellungsverfahren kommt der Freistaat Sachsen nicht herum.

Und auch das kann dauern: Ein solches Verfahren beinhaltet eine umfangreiche Beteiligung der Öffentlichkeit, die ihre Anregungen und Bedenken – ähnlich wie bei einem kommunalen Bebauungsplanverfahren – einbringen kann. Sollten diese nach Ansicht der Einreicher nicht ausreichend berücksichtigt worden sein, steht der Klageweg offen.

Wie hoch ist das Risiko?

 Das lässt sich vorab schwer einschätzen. Fakt ist, dass es wie wohl bei jedem größeren Straßenbauvorhaben Widerstände und Befürchtungen gibt. So erfordert die jetzt bestätigte Trasse den Bau einer großen Talbrücke über das Löbauer Wasser bei Wasserkretscham. Auch macht sich zwischen Buchholz und Weißenberg ein Verkehrsknotenpunkt zwischen der neuen B 178 und der Staatsstraße 111 erforderlich, der mit dem Verlust landwirtschaftlich genutzter Fläche einhergeht.

All dieses birgt genügend Konfliktpotenzial im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Verfahren. Hinzu kommen Befürchtungen zu vermehrt anfallendem Oberflächenwasser und zu Lärm in den umliegenden Orten. Deshalb ist eine Prognose, wann den nun tatsächlich die Bagger anrollen werden, zum jetzigen Zeitpunkt so gut wie unmöglich.

Was ist mit dem anderen fehlenden Abschnitt?

 Der Abschnitt  zwischen Niederoderwitz und Oberseifersdorf befindet sich im Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen. Von April bis Mai 2017 lagen die überarbeiteten Unterlagen  zur Einsichtnahme aus. Erneut wurden 78 Einwendungen gegenüber der Planfeststellungsbehörde vorgetragen.

Diese wurden durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr umfänglich geprüft und bearbeitet. Vom 23. bis 26. April findet ein Erörterungstermin in Löbau statt, zu dem alle Einwender eingeladen sind. Ein Abschluss des Verfahrens ist noch nicht absehbar.

Was sagt der Ministerpräsident?

 Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) äußerte sich unlängst beim Sachsengespräch in Niesky (RUNDSCHAU berichtete) auf Anfrage eines Bürgers zur B 178. „Keiner von uns“ - damit meinte er sich und seine Ministerriege - „kann irgendetwas tun, dass sie auch nur einen Tag eher gebaut wird.“

Auf dem Abschnitt zwischen Oderwitz und Oberseifersdorf rollen laut Ministerpräsident Kretschmer „wahrscheinlich im nächsten Jahr“ die Bagger, zwischen Nostitz und Weißenberg „vielleicht in vier Jahren.“