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| 13:25 Uhr

Ausstellung
Jacob Böhme kehrt nach Görlitz zurück

Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt soll zum Görlitzer „Jacob-Böhme-Zentrum“ werden.
Die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt soll zum Görlitzer „Jacob-Böhme-Zentrum“ werden. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz. Nachdem die Ausstellung über den Philosophen erfolgreich in Dresden lief – am 18. und 19. November ist sie dort noch einmal zu sehen –, soll sie jetzt dauerhaft in seine Heimatstadt wechseln. Das „Wo“ ist klar, das „Wann“ und „Wie“ noch nicht. Von Uwe Menschner

Was gilt der Prophet im eigenen Land? Nicht viel, wenn man der Spruchweisheit glauben will. Über viele Jahrzehnte traf dies auch auf den in Görlitz geborenen Schuhmacher und Philosophen Jacob Böhme (1575 bis 1624) zu, dessen Wirken und Bedeutung bestenfalls speziell Interessierten bekannt war. Dabei gibt es bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten Überlegungen, wie die Persönlichkeit Jacob Böhmes in Görlitz im einer Ausstellung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

„Der generelle Mangel an originalen Exponaten zu Leben und Werk Jakob Böhmes und die daraus resultierende Textlastigkeit des Überlieferten stellen für ein solches Vorhaben allerdings hohe Hürden dar“, formulierte der für Kultur zuständige Bürgermeister der Stadt Görlitz, Michael Wieler (parteilos), bereits im Juni 2016 in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat. Damals war das Vorhaben der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bekannt geworden, sich Jacob Böhme mit einer zeitweisen Ausstellung anzunähern. Warum, so fragte man sich in Görlitz, sollen nicht auch wir an diesem Projekt partizipieren? Und so trug die Stadtspitze das Anliegen an die SKD heran, die temporär an anderem Ort gezeigte Exposition „dauerhaft in Görlitz zu präsentieren und in geeigneter Weise zu einem Zentrum der Böhme-Rezeption zu entwickeln“.

Zwischenzeitlich ist die Jacob-Böhme-Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen mit großem Erfolg in der Schlosskapelle des Dresdner Residenzschlosses gezeigt worden. An diesem Wochenende besteht noch einmal die Möglichkeit, sie samstags und sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege nahm in der vergangenen Woche diese Gelegenheit wahr und zeigte sich begeistert: „Die Ausstellung ‚Alles in allem. Die Gedankenwelt des mystischen Philosophen Jacob Böhme‘ beeindruckt aufgrund des Arrangements und der Klarheit der Aussagen zur Ideenwelt und Philosophie von Jacob Böhme. Für Görlitz und Zgorzelec ist es wichtig, Jacob Böhmes Werk und die Bedeutung der Philosophie dieses Denkers weiter herauszuarbeiten und würdig zu präsentieren.“ Die Kombination mit Görlitz-Fotos im Vorraum der Schlosskapelle passe sehr gut und lade Besucher in die Europastadt beiderseits der Neiße ein.

Doch wie weit sind die Vorbereitungen für die dauerhafte Böhme-Schau in Görlitz mittlerweile tatsächlich gediehen? Immerhin liegt die letzte Debatte im Stadtrat, die mit einem Grundsatzbeschluss endete, schon wieder fast eineinhalb Jahre zurück. Seitdem verliefen die Bemühungen hauptsächlich im Hintergrund. Klar ist, dass die Dreifaltigkeitskirche am Obermarkt den Standort bilden wird: „Gespräche mit der Evangelischen Innenstadtgemeinde zur konkreten Nutzung des Kirchengebäudes haben stattgefunden. Beide Partner sind sich über die Grundsätze einer zukünftigen gemeinsamen Nutzung einig geworden. Jetzt geht es an die Feinabstimmung. Außerdem gab es kürzlich ein erstes Treffen mit Vertretern des Landes und des Bundes zu Fragen der Finanzierung und zum Projektablauf“, fasst Bürgermeister Michael Wieler den aktuellen Stand zusammen, ohne bereits konkrete Termine zu nennen.

Die Dreifaltigkeitskirche bildet laut Wieler „einen authentischen Ort, den Böhme mit Sicherheit kannte und der somit Teil seiner Lebenswelt war. Zudem sollen die Themen Kulturerbe und touristischer Empfangsort in der Kirche mit berücksichtigt werden. Dafür ist die Kirche nicht nur räumlich, sondern in hervorragender Weise auch inhaltlich geeignet, weil sie gewissermaßen selbst einen Leitfaden durch das Kulturerbe der Stadt darstellt.“

Wer mit Interesse und offenen Augen durch Görlitz geht, kann aber auch jetzt schon zahlreiche Anklänge an Jacob Böhme finden. So beherbergt sein Wohnhaus am Neißeufer von Zgorzelec eine kleine Ausstellung über den laut Hegel „ersten Philosophen Deutschlands“. Am Untermarkt steht noch die Schusterbank, an der er eigenhändig seine Schuhe verkaufte. Und das Restaurant Vino e Cultura hat seltene Erst- und Gesamtausgaben zu einer Sammlung zusammengestellt.