Was den gebürtigen Weißwasseraner Maler Hans Klei mit dem Dorf Tzschelln verbindet? Eine ganze Menge. Insbesondere während der Nachkriegszeit. "Damals holten wir aus den Wäldern bei Tzschelln Holz, Beeren und Pilze. Und ich bin mit's Rad an die Spree gefahren und angelte aus dem glasklaren Wasser Fische", berichtet der inzwischen 76-jährige Maler.

Aktuell befasst er sich erneut intensiv mit dem bereits Ende der 1970er-Jahre für den Tagebau Nochten vernichteten Ort. "Ich habe nämlich vom Tzschellner Heimatverein den Auftrag bekommen, 16 Ansichten des Dorfes auf die Leinwand zu zaubern", sagt der Künstler schmunzelnd. Neun Bilder seien bereits vollendet. Rund ein halbes Dutzend kann schon von jedermann bewundert werden. Und zwar als Teil der Ausstellung "Pückler und Landschaft im Wandel" in der Galerie Kunstschmiede in der Weißwasseraner Tourist-Information.

Zu sehen sind unter anderem das Tzschellner "Riesengebirge" ein Hügel hinter der historischen Fachwerkkirche, das Gotteshaus selbst, sowie weitere Gehöfte. Hans Klei sagt, dass ihm alte Fotos als Vorlage dienten, die der Rohner Fotograf Rudi Krauz mit allerlei Geschick wiederhergestellt habe. Die ehemaligen Tzschellner hätten bei den Bildern ein Mitspracherecht besessen. "Sie sind sehr penibel", weiß Klei aus Erfahrung. So musste beispielsweise aus einem Apfelbaum eben ein Birnbaum werden.

Derzeit malt der 76-Jährige gerade den alten Tzschellner Soldatenfriedhof, auf dem nach 1945 knapp fünfzig Armeeangehörige ihre letzte Ruhe gefunden hatten. Darüber hinaus sollen in den kommenden Wochen und Monaten die Grützemühle, die alte Försterei sowie eine Partie an der Spree neu entstehen.

Schließlich werden die Werke mittelfristig im "Tzschelln-Museum" als optische Illustration des bereits existierenden großen Dorfmodells zu sehen sein. Die Einrichtung könnte, wenn alles wie am Schnürchen laufe, im November in einer umzusetzenden historischen Schrotholzscheune neben der Nochtener Kirche vollendet sein. Damit würde, so Klei, ein großer Wunsch der früheren Einwohner in Erfüllung gehen. Schließlich dürfe der Ort nie in Vergessenheit geraten, auch wenn die Zerstörung bereits 40 Jahre zurückliegt.

Neben den künftigen Tzschellner Museumsbildern präsentiert die neue Ausstellung in der Galerie Kunstschmiede Ansichten des Muskauer Parks in einem "morbiden Stadium", wie es der Künstler ausdrückt. Und zwar aus der Zeit vor dem Wendejahr 1989, als das Ensemble mehr und mehr überalterte. "Die meisten Bäume, die auf meinen Bildern zu sehen sind, gibt es heute nicht mehr", weiß der Maler.

Die dritte Gruppe bilden Motive aus dem Tiergarten. Wenn Hans Klei an dessen Vernichtung, wiederum durch den Tagebau Nochten, denkt, steige die Verzweiflung in ihm hoch: "Ich halte die Abbaggerung für Barbarei. Auch wenn ich mit dieser Meinung öfter anecke." Mehr noch: "Es darf künftig einfach nicht mehr passieren, dass für die Energieerzeugung ganze Landschaften vernichtet werden." Und ausgerechnet solche prächtigen, unwiederbringlichen Wälder wie im Tiergarten südlich von Weißwasser. Denn bereits 200 Jahre zuvor hatte der damalige Muskauer Standesherr, Fürst von Pückler, einem Holzhändler kurzerhand die Erlaubnis, im Tiergarten Bäume zu fällen, entzogen. Trotz klammer Kassen war Pückler bestrebt, gerade diesen Schatz der Natur dauerhaft zu erhalten. So hat es Autor Lutz Stucka in seinem Buch "Ein uralter Wald" niedergeschrieben. Zwei Jahrhunderte später habe dann aber der schnöde Mammon in Form eines Bergbaukonzerns über Natur und Vernunft gesiegt.

Trotz seines hohen Alters wolle Hans Klei den Pinsel noch lange nicht aus der Hand legen. Neben den Tzschellner Motiven halte er weitere Landschaftsbilder aus der Heimat mittels Ölfarben fest.

Die nächste Ausstellung in Reichenbach werfe bereits ihren Schatten voraus. "Meine Frau schimpft deswegen schon mit mir", erklärt der Künstler augenzwinkernd. Doch in Wirklichkeit sei sie mächtig stolz auf ihn.

Die Weißwasseraner Ausstellung ist nach Angaben von Claudia Müller von der Galerie Kunstschmiede bis zum 30.April zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen.