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| 16:44 Uhr

Skerbersdorf
Ausgeflippte „Omas“ auf der Schanze

Die beiden Altenpflegerinnen Madeleine Schneider und Denise Sticherling sind im Schwimmbad des Freizeitzentrums Skerbersdorf in diesem Jahr die strahlenden Siegerinnen des Gaudi-Schanzenspringens.
Die beiden Altenpflegerinnen Madeleine Schneider und Denise Sticherling sind im Schwimmbad des Freizeitzentrums Skerbersdorf in diesem Jahr die strahlenden Siegerinnen des Gaudi-Schanzenspringens. FOTO: Ingolf Tschätsch
Skerbersdorf. Wer von Skerbersdorf spricht, denkt sofort ans Freibad und das Gaudi-Schanzenspringen. Am Sonnabend war es wieder soweit. Die Auflage Nummer elf des Spaß-Events lockte Hunderte in das Neißedorf. Von Ingolf Tschätsch

Omas – alt, gebrechlich, auf den Rollator angewiesen. Doch das muss nicht so sein. Sie können auch gehörig aus der Art schlagen, einfach anders sein – richtig ausflippen. Sie stehen oben auf der Schanze eines Freibades, tanzen dort aufreizend nach Rockrhythmen, werfen dann ihre Gehhilfen hinunter, reißen sich die Kleider vom Leibe und stürzen sich im Badeanzug auf der frisch bezogenen Matratze unter dem Jubel der Zuschauer todesmutig in die Fluten. So geschehen am Sonnabend im Freizeitzentrum Skerbersdorf. Diese beiden verrückten „Omas“ sind die Altenpflegerinnen Madeleine Schneider aus Skerbersdorf und ihre Freundin Denise Sticherling aus Weißwasser. Die beiden sind an diesem Sonnabendabend soeben von der Jury zum Siegerpaar des Gaudi-Schanzenspringens im Freibad gekürt worden. Sie kennen sich übrigens als berufliche Altenpflegerinnen mit Senioren bestens aus, weshalb ihre Nummer auch als Altenpflege-Gang angekündigt worden ist.

Skerbersdorf statt Baikonur: Helmut und Maik Vogel aus Pechern schießen mit der Rakete die Schanze hinunter und klatschen ins Wasser.
Skerbersdorf statt Baikonur: Helmut und Maik Vogel aus Pechern schießen mit der Rakete die Schanze hinunter und klatschen ins Wasser. FOTO: Ingolf Tschätsch

Im dicht gefüllten Freizeitzentrum erleben Hunderte das Spaß-Event mit. Das kleine Neißedorf ist stolz auf sein Schmuckstück, das nun schon seit 2003 von Einwohnern des Ortes aus eigener Kraft, mit Unterstützung der Gemeinde Krauschwitz, betrieben wird. Und das elfte Jahr in Folge hat dieser Verein mit seinem Vorsitzenden Tristan Mühl nun dieses Gaudi-Schanzenspringen organisiert. Zwölf Starter sind diesmal auf der Schanze gewesen.

Die Region ist auch bei dieser elften Folge am Sonnabend präsent. So hat es Bergsteiger Reinhold Messner alias Tristan Mühl nach Skerbersdorf gezogen, weil er von imposanten Gipfeln gehört hat: den Krauschwitzer Kletterfelsen. Der Beifall will kein Ende nehmen, als Messner mit dem Yeti, dem Schneemenschen (Robert Preuß), sich auf eine Runde durch die Menschenmenge begibt. Platz zwei gibt es für diese Darbietung. Bauer Sebastian – Sebastian Kliemann aus Skerbersdorf – stürzt sich gleich mit einer mit Stroh gepolsterten Karre ins kühle Nass. Er wird als der jüngste Bauer weit und breit und als Vertreter der Galloway-Rinderzucht im Ort den Zuschauern vorgestellt. Der Lohn für seine Idee: Platz drei.

Reinhold Messner alias Vereinsvorsitzender Tristan Mühl genießt mit seinem Yeti das Bad in der Skerbersdorfer Menge.
Reinhold Messner alias Vereinsvorsitzender Tristan Mühl genießt mit seinem Yeti das Bad in der Skerbersdorfer Menge. FOTO: Ingolf Tschätsch

Unser Fliegerkosmonaut Sigmund Jähn, – oder ist es das US-Space Shuttle? – startet oben auf der Schanze. Dahinter verbergen sich Helmut und Maik Vogel aus Pechern. Die Band Scooter (Max und Maximilian Lennert aus Pechern) hat vor ihrem Auftritt bei den Filmnächten am Dresdener Elbufer mal schnell einen Abstecher nach Skerbersdorf gemacht und Maik Lehnigk, ebenfalls aus Pechern (bereits das zehnte Mal dabei), kommt den Dörflern und ihren Gästen als waschechter Römer.

Die Leute sind begeistert „Wir sind heute überhaupt das erste Mal hier und erstaunt über dieses schöne Bad. Toll, was dieses kleine Dorf auf die Beine stellt. Das Schanzenspringen gefällt uns super“, sagen Edda und Heinbert Grosser aus Gablenz. Auch Hans-Albert Kliemann kann am Ende wiederum ein erfolgreiches Resümee dieser Veranstaltung ziehen, zu der auch ein kleines Kinder-Rahmenprogramm gehört.

Noch bevor die Münchener Gruppe „Bauch, Beine, Po“ am Abend musikalisch den Schlusspunkt unter das Ganze setzt, würdigt Tristan Mühl den Einsatz seiner Mitstreiter. „Seit vorigem Sonnabend war eigentlich unser ganzer Verein auf den Beinen, um dieses Event vorzubereiten. Einige haben – so wie jedes Jahr – dafür extra Urlaub genommen“, erzählt er. 55 Mitglieder habe die Truppe mittlerweile, in der Regel junge Leute Ende 20, Anfang 30. Will heißen: Die jüngere Generation des Neißedorfes hat dafür gesorgt, dass dieses schöne, kleine Freibad nicht den Bach runterging. Auch zukünftig soll diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden. So berichtet Mühl, dass mit der Gemeinde Krauschwitz ein neuer Betreibervertrag mit einer Laufzeit von zwölf Jahren abgeschlossen wurde. Als nächstes hat der Verein den Bau einer Schutzhütte für Radler und Pflasterarbeiten ins Auge gefasst.

Auch das beliebte Gaudi-Schanzenspringen soll fortgeführt werden. 2019 ruft bereits Auflage Nummer zwölf.