Ganz neu ist dem 13-jährigen Eduard die Arbeit nicht. „Ich hab' Zuhause schon mal meinem Opa geholfen“, erzählt er, während er aus Steinen eine Ecke setzt. Dass die Fugen exakt einen Zentimeter auseinander sind, darauf achtet Ausbilder Wolfgang Kühn genau. „Es ist anstrengend, macht aber Spaߓ, sagt Eduard. Zwar will der Siebtklässler beruflich eher in Richtung Wirtschaft gehen, das Ausprobieren macht ihm aber Spaß. Und deshalb hat er sich für den zweiten Wochenteil das Berufsfeld „Koch“ ausgesucht.

„Wir wollen Wege aufzeigen und Erfahrungen ermöglichen“, erklärt Manfred Dahms vom Nestor Bildungsinstitut die Idee. Insgesamt vier von zehn Berufsfeldern darf jeder Jugendliche im Verlauf von zwei Jahren bei Nestor austesten. Angeboten werden unter anderem die Bereiche Hauswirtschaft, Wirtschaft/Verwaltung, Holz, Garten- und Landschaftsbau, Elektrotechnik und Handel/Lager.

Ergänzend wird mit den Schülern - auch in Zusammenarbeit mit dem Berufsberater der Arbeitsagentur - ein Kompetenzprofil erstellt und ein Test zur Berufswahl gemacht. Nicht zuletzt mit dem Ziel, dass die Schüler zielgerichteter Bewerbungen schreiben und Praktikumsplätze suchen können. „Den Schülern soll der Übergang in die Berufsausbildung erleichtert werden“, sagt auch Wolfgang Mann, der die Nestor-Niederlassung in Weißwasser leitet.

Und noch etwas hebt Manfred Dahms hervor: „Wir versprechen uns auch einen Motivationsschub für die Schüler.“ Denn es könne durchaus sein, dass sich der eine oder andere Berufswunsch als nicht realisierbar herausstellt, weil etwa die Noten nicht stimmen. „Das kann ja auch in der Schule nochmal anspornen“, so Dahms.

Vorerst läuft das Berufsorientierungsprogramm, das vom Bildungsministerium gefördert wird, für zwei Jahre bis 2010. „Danach hoffen wir, dass es weitergeht“, betont Mann. Landrat Bernd Lange, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, sicherte Hilfe bei der Suche nach Unterstützern in Politik und Wirtschaft zu.

Sofort zu begeistern für das Projekt seien die Schulleiter der Mittelschulen in der Region gewesen, berichtet Manfred Dahms. „Da haben wir offene Türen eingerannt“. Auch die Eltern, mit denen die Nestor-Leute bei Elternabenden Kontakt suchten, seien offen gewesen.

Ebenfalls begeistert ist Nestor-Ausbilderin Brigitte Mertens. Im Übungslager der Firma macht sie ihre Schützlinge mit dem Abc von Lager und Handel bekannt. An diesem Morgen müssen die Siebtklässler Präsentkörbe für Kunden packen. „Ich bin total überrascht, was für Ambitionen und welche Teamfähigkeit die Schüler hier in der Kürze entwickeln“, sagt sie. Auch der 13-Jährige Vitalij ist zufrieden. „Der Bereich war eine gute Wahl.“