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Aus der Finsternis ins Licht

Wer es bisher noch nicht auf dem Schirm hat, dem sei gesagt, dass am kommenden Montag Halloween ist. Ein Fest, das vor einigen Jahren aus den USA zu uns herüber geschwappt ist und sich, wie es scheint, immer größerer Beliebtheit erfreut.

Stand bisher der Reformationstag, der 31. Oktober, für ein Datum, an dem es in einer finsteren Zeit Licht wurde, so feiern heute an diesem Tag viele begeistert die Finsternis. Nichts ist da mit Prinzesschenkleidchen und Cowboykostüm! Säbelkrallen und Totenmasken, seelenlose Zombies und sadistische Krankenschwestern sind die Gäste, wenn die Vampire zum Tanz bitten. Und alle sind Dank der entsprechenden Effektenshops mit reichlich Blut bespritzt.

Nun lässt sich ja bekanntlich über Geschmack streiten. Trotzdem sei doch die Frage erlaubt, wieso es Freude macht, sich als Tod und Teufel zu verkleiden? Vielleicht sollte man einmal darüber nachdenken, dass das Böse unter Umständen schon vor dem Haus lauert und der Tod jeden Augenblick zur Tür hereinkommen kann. Was ist, wenn von heut auf morgen durch einen schweren Unfall aus dem Theaterblut echtes Blut wird oder gar ein lieber Angehöriger oder Freund vom realen Tod weggerafft wird? Spätestens dann ist nämlich Schluss mit lustig. Dann legt selbst der schrecklichste Horrorclown die Kettensäge aus der Hand und wird zum traurigen Clown. Kann sein, dass da so mancher über sein Tun ins Grübeln kommt oder gar Reue empfindet.

Sollte das so sein, dann besteht Hoffung. Denn so wie die Kinder den traurigen Clown trösten, damit er sich wieder freuen und lachen kann, so verspricht uns Gott: "Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben." (Matthäus 11,28). Nein, Gott sagt nicht: Ich will euch neuen Gaudi geben, damit ihr schnell über eure Trauer hinwegkommt. Sondern er verspricht, dass wir im Leid zur Ruhe kommen und so neu anfangen können. Natürlich nicht da, wo man aufgehört hat. Nämlich als böser Clown, der Spaß daran hat, Menschen zu Tode zu erschrecken, sondern als jemand, der mit anderen trauern oder sich freuen kann, anstatt Angst und Schrecken zu verbreiten. Natürlich braucht man dazu mehr Kraft, denn als Wehrwolf rumzulaufen. Aber mit Gottes Hilfe wird dies gelingen. Und es lohnt sich! Denn es ist der Schritt von der Finsternis ins Licht.

*Pfarrer Evangelisch-Freikirch- liche Gemeinde Weißwasser