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| 02:53 Uhr

Aus der Drogenszene Absprung offenbar gelungen

Weißwasser. Zur Hauptverhandlung vor dem Schöffengericht in Weißwasser musste die 35-jährige Martina K.* aus Berlin noch einmal in ihr "altes Leben" zurückkehren. mtk1

Die Staatsanwaltschaft Görlitz hatte sie angeklagt, im Frühjahr 2014 in zwei Fällen mit Betäubungsmitteln gehandelt und in einem Fall diese erworben zu haben. Damals lebte die Frau in Weißwasser und gehörte der Drogenszene an.

In ihrer Aussage bekannte sie sich schuldig und erklärte dem Gericht, dass sie seit ihrem 18. Lebensjahr der Droge Crystal verfallen war. Der Drogenkonsum kostete sie Geld und dieses hatte sie nicht. Im Jahr 2013 war sie von Cottbus wieder nach Weißwasser gezogen, um einen Neuanfang ohne Crystal zu starten. Sie machte ihren Führerschein und eine Qualifizierung zur Altenpflegehelferin, fand aber nicht die gewünschte Arbeit. Sie lebte wieder von Hartz IV und bekam recht bald erneut Geldsorgen.

In Weißwasser begegnete sie ihrem Freund Kurt P.* aus der Drogenszene wieder. "P. wusste, dass ich nichts im Kühlschrank hatte und dass ich Geld brauchte", erklärte sie dem Gericht. Da suchten sie nach einer Idee, wie die junge Frau zu Geld kommen kann. P. gab ihr einmal 100 Pillen Ecstasy sowie einige Zeit später 30 Gramm Crystal, die sie verkaufen sollte. Vom Verkaufserlös durfte K. etwas für sich behalten. Davon kaufte sie dann zwei Gramm Crystal von P. zum Eigenbedarf.

Im August 2015 begann Martina K. erneut einen Selbstentzug. Nach einer Entwöhnungstherapie und der anschließenden Betreuung in einer Einrichtung für Suchtkranke fand sie die Kraft, ihr Leben neu zu ordnen. "Ich habe mir eine Wohnung in Berlin gesucht, wo ich niemanden kenne und ich möchte wieder ins Berufsleben einsteigen", machte sie ihren Lebenswandel deutlich und sieht in ihrer neuen Umgebung gute Chancen dafür. Zurzeit leistet sie Arbeitsstunden ab, die aus einer vorherigen Verurteilung stammen. Unter Tränen gestand sie abschließend: "Es tut mir leid um die ganzen Jahre, die ich in der Szene vergeudet habe."

Das Schöffengericht verurteilte Martina K. zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zu einer Bewährung für drei Jahre ausgesetzt wird. Im Urteil erhält sie die Auflage 600 Stunden gemeinnützige Arbeit innerhalb von acht Monaten abzuleisten. Für die Dauer von zwei Jahren wird sie der Bewährungshilfe unterstellt.

Durch den Verzicht auf Rechtsmittel durch K. ist das Urteil rechtskräftig. *Namen geändert