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| 01:39 Uhr

Auf Schusters Rappen die Einheit finden

Jan und Hannah durchqueren auf dem „Einheitswanderweg“ derzeit die Oberlausitz. Foto: ume1
Jan und Hannah durchqueren auf dem „Einheitswanderweg“ derzeit die Oberlausitz. Foto: ume1 FOTO: ume1
Görlitz/Kirschau. In Görlitz und in Aachen ist jeweils ein zweiköpfiges Wanderteam gestartet, um sich bis zum 3. Oktober auf dem Wanderweg der Deutschen Einheit entgegenzuwandern. Von Uwe Menschner

Was braucht man zum Wandern? Ganz klar: Ausreichend T-Shirts, Socken und Unterhosen, feste und hohe Schnürschuhe, ein wenig Proviant, Karte und Kompass, Laptop und Aufnahmegerät... Wie bitte? Wozu bitte schön das?

Jan Schilling schmunzelt. “Unsere Rucksäcke bringen etwa 15 Kilogramm auf die Waage. Die schleppen wir etwa dreißig Tage lang jeweils über 20 bis 25 Kilometer.„

“Wir„ - das ist neben Jan Schilling noch Hannah Kappes. Beide sind Redakteure des Leipziger Universitätsradios Mephisto 97.6 und haben sich aufgemacht, den Wanderweg der Deutschen Einheit unter die Stiefel zu nehmen. Gestartet sind sie am 1. September in Görlitz, dem östlichen Start- oder (je nach Perspektive) Endpunkt der symbolträchtigen Route. Gleichzeitig machten sich zwei weitere Kollegen von Aachen aus in entgegengesetzter Richtung auf den Weg. “Am 3. Oktober, dem Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung, wollen wir uns am Turm der Deutschen Einheit im hessischen Heldra treffen„, verrät Hannah Kappes.

Wie es sich für ordentliche Redakteure gehört, wollen sie jedoch nicht immer nur stur geradeaus gehen. “Unser Ziel ist es, möglichst viele Geschichten rund um den bevorstehenden 20. Jahrestag der Wiedervereinigung zu sammeln„, erklärt Jan Schilling. Und dafür haben die insgesamt vier “Einheitswanderer„ ihr technisches Equipment dabei: Das Aufnahmegerät benötigen sie zum Führen von Interviews, den Laptop zum Verfassen des täglichen Blogeintrages auf der Website www.Einheitswandern.de. Ausgestattet mit einem täglichen Reisebudget von zehn Euro starten Jan und Hannah früh gegen Neun von ihrer jeweiligen Unterkunft - außer in Görlitz haben sie bisher in Sohland am Rotstein, Kleindehsa und Kirschau übernachtet - und wandern bis zum Mittag durch, um gegen Eins ein kleines Picknick mit Verpflegung aus dem Rucksack einzuschieben. “Gottseidank hat sich das Wetter gebessert, sodass man auch einmal auf einer Wiese lagern kann„, freut sich Hannah.

Gegen 16 Uhr treffen die Beiden in ihrer durch den Sender vorgebuchten (kostenlosen) Unterkunft ein - mal in einer Jugendherberge, mal in einem Privathaus, einer Turnhalle oder - wie in Kirschau - in einer großen Villa. “Dabei handelt es sich um das Domizil des ObArt-Vereins, der versucht, die Gegend um Kirschau mit Kultur zu beleben„, wie Jan Schilling erklärt. Ein, wie er findet, “interessantes Projekt, dem wir ein paar Zeilen widmen wollen.„

Wenn für den “normalen„ Wanderer das Tagesprogramm beendet ist, geht es für Jan und Hannah erst richtig los. Das Mikrofon im Anschlag begeben sie sich auf die Suche nach Menschen, die ihnen interessante Geschichten zum Thema “Wiedervereinigung„ erzählen können. “Dabei bekommen wir durchaus sehr unterschiedliche Meinungen zu hören - von anhaltender Euphorie bis hin zu totaler Enttäuschung„, berichtet Hannah Kappes. Zwei Eigenschaften jedoch hätten alle Angesprochenen gemeinsam: Freundlichkeit und Stolz auf ihre Heimat: “Das fällt wirklich auf - die Menschen identifizieren sich mit ihrer Region und sind auch gern bereit zu helfen. Wenn man orientierungslos an einem Wegweiser steht, kommt garantiert jemand vorbei und gibt bereitwillig Auskunft.„

Bis Jan und Hannah in Heldra eintreffen, haben sie garantiert viele Blogseiten mit Text und Fotos von ihren Reisebegegnungen gefüllt. Nachzulesen sind sie im Internet unter www.Einheitswandern.de.

ume1