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Kultur
Von Entdeckergeist getrieben

Cornelia Wenzel, Kerstin Volker-Saad und Anke Albrecht  (v.l.n.r.) bei der Buchpräsentation in Bad Muskau. Foto: Regina Weiß
Cornelia Wenzel, Kerstin Volker-Saad und Anke Albrecht (v.l.n.r.) bei der Buchpräsentation in Bad Muskau. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Bad Muskau . Die Stiftung in Bad Muskau stellt neues Buch über die abenteuerliche Reise von Fürst Pückler durch Nubien und den Sudan vor. Von Regina Weiß

Schafe auf der Schloss­treppe in Bad Muskau – ist das vorstellbar? Man möchte den Kopf schütteln. Doch von der Hand zu weisen ist der Tausch mit den jetzt dort stehenden Löwen nicht. Wer das Buch „So reichlich bevölkert wie im Paradiese“ durchblättert, landet bei einem Zitat von Hermann Fürst zu Pückler-Muskau aus einem Brief an seine geschiedene Frau Lucie 1837. Hat er doch in der Wüste von Mesaourat zwei kolossale Sphinxe gefunden, die dichtwollige, weibliche Schnucken darstellen. Laut Pückler seien sie Zeichen des Regiments äthiopischer Königinnen gewesen. Pückler hofft, dass sie ihm von Mehemed Ali – dem damaligen Vizekönig im Land am Nil – geschenkt werden und er sie auf seiner Schlosstreppe aufstellen kann. Natürlich in Anspielung auf seine Schnucke Lucie.

Nach „Auf nach Ägypten!“, das 2013 im Auftrag der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau erschienen ist, folgt nun „So reichlich bevölkert wie im Paradiese“, mit dem die Stiftung weiter auf den Spuren des vormaligen Standesherrn wandelt. Konkret geht es um Nubien und den Sudan und die Jahreszahl 1837. Auch diesmal haben sich drei Frauen dem grünen Fürsten gewidmet. Die Ethnologin Kerstin Volker-Saad folgte den Spuren ganz konkret. Vier Reisen führten sie seit 2010 nach Afrika. Cornelia Wenzel, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung, kümmerte sich vor allem um die vielen Bebilderungen und die notwendigen Veröffentlichungsrechte der historischen Abbildungen. Dritte im Bunde ist Gestalterin Anke Albrecht, die das Ganze in die ent- und ansprechende Form brachte.

Band zwei, der an das Erstlingswerk anknüpft, war beschwerlicher. Ähnlich wie Pücklers Reise in diesem Abschnitt auch. „Wir hatten so manche Durststrecke“, gibt Kerstin Volker-Saad unumwunden zu. Ein Wust an Erkenntnissen musste auf die 68 Seiten passen. Zudem waren Akribie angesagt und der Wunsch, es so aufzubereiten, dass die Leser den Stationen von Pückler und Volker Saad gern folgen. Beide waren quasi vom Entdeckergeist getrieben. Pückler wollte die Quellen des Weißen Nils finden und sich damit sicherlich einen Namen machen. Um es vorweg zu nehmen: Es gelang ihm nicht. Kerstin Volker-Saad verifizierte das, was Pückler hinterließ – bis hin zu seinen Graffiti an Altertümern – , checkte Quellen, schaute sich vor Ort um, kam mit Wissenschaftlern ins Gespräch.

Der Universalinteressierte Pückler, so nennt ihn Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung, machte auf seinen 68 Stationen in Nubien und im Sudan Grenzerfahrungen. Dass in mehrerlei Hinsicht. So geht er bis an die Grenzen des Reichs von Mehmed Ali – dahin, wohin noch nicht viele Europäer gereist waren, begegnet Krokodilen und Löwen, bezwingt die Stromschnellen des Nils, liegt schwerkrank danieder. Wobei sich der Fürst aus dem fernen Muskau durchaus protegiert fühlen darf, wird er doch vom Vizekönig ausgestattet. An seinen Erlebnissen lässt er die Menschen in der fernen Heimat teilhaben, schreibt für die Zeitung und Bücher. Er beschreibt gut, sodass seine Zeilen auch später in wissenschaftlichen Werken übernommen werden. „Er reist, um zu schreiben und er schreibt, um zu reisen“, nennt Panning einen möglichen Antrieb. Gut findet er, dass mit diesem Werk Pückler in anderem Licht steht. „Wir haben ihn immer nur europäisch gesehen“, so Panning. Dabei sei die Zeit im Orient eine ganz wichtige gewesen. „Vielleicht war es sogar die schönste Zeit seines Lebens“, so Panning weiter.

Dieser Zeit will sich die Stiftung gemeinsam mit Kerstin Volker-Saad noch mehr widmen. Mehrere Bände sind konzipiert. Natürlich werde dann auch Machbuba in Erscheinung treten, das junge Mädchen, das Pückler in Karthum kaufte. „Es ist gut so, dass ich das noch nicht geschrieben habe. Es fehlt noch an weiteren Recherchen“, ist sich Kerstin Volker-Saad sicher.

Was alle Bücher eint – egal, wie viele es am Ende werden – es sollen Appetithappen sein für die Ausstellung über Pückler und Machbuba, die für die Pückler-Villa im Badepark geplant wird.