ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:53 Uhr

Tourismus
Auf Eiszeit-Spur in den Drachenbergen

Das Durchqueren der Senken, auch Gieser genannt, mit Höhenunterschieden von teilweise 25 Metern erfordert eine gewisse Kraftanstrengung. Mancherorts erinnert das Gelände ans Mittelgebirge.
Das Durchqueren der Senken, auch Gieser genannt, mit Höhenunterschieden von teilweise 25 Metern erfordert eine gewisse Kraftanstrengung. Mancherorts erinnert das Gelände ans Mittelgebirge. FOTO: Ingolf Tschätsch
Krauschwitz. Im Eiszeitdorf Krauschwitz sind während einer öffentlichen Wanderung drei neue Informationstafeln eingeweiht worden. Die Teilnehmer bekamen auf dem Geoerlebnispfad viel Wissenswertes über die Heimat vermittelt. Von Ingolf Tschätsch

Der Geoerlebnispfad Drachenberge im Eiszeitdorf Krauschwitz ist seit vorigem Freitag um drei Informationstafeln reicher. Diese wurden bei einer anderthalbstündigen Wanderung zur höchsten Erhebung im sächsischen Teil des Muskauer Faltenbogens enthüllt - dem 163 Meter hohen Drachenberg zwischen Krauschwitz und Weißwasser. Der Verein Krauschwitzer Neißeland und der Arbeitskreis Eiszeitdorf hatten zu dieser öffentlichen Tour im Rahmen der Geoparktage 2018 eingeladen. Rund 20 Teilnehmer begrüßte Rolf Seilberger vom Arbeitskreis am Treffpunkt der Wanderung, dem Gasthaus Zur Linde, in Krauschwitz. Unter ihnen befanden sich auch der Bürgermeister der Gemeinde, Rüdiger Mönch (Freie Wähler), die Polin Agnieszka Wojciechowska vom Landratsamt Görlitz sowie ihr Landsmann Krzysztof Czahajda. Als Mitarbeiter in der Geschäftsstelle Döbern des Unesco Global Geoparks, der sich auch auf einem Teil des Territoriums östlich der Neiße erstreckt, hat er die drei Infotafeln gestaltet.

Wie Rolf Seilberger bei der Eröffnung erklärte, sei buchstäblich noch in letzter Sekunde vor dem Einweihungstermin am Freitag über inhaltliche Aspekte und die künstlerische Umsetzung der drei Tafeln intensiv diskutiert worden. So wurden letzte Absprachen zwischen Förderverein Geopark Muskauer Faltenbogen und dem Neißeland-Verein sogar noch am Pfingstsonntag geführt, ehe die Entwürfe in den Druck gehen konnten.

Eine eindrucksvolle, von der Elster-Eiszeit vor 360 000 bis 340 000 Jahren geformte Landschaft empfing schließlich die Naturliebhaber auf Schusters Rappen. Nach knapp einem Kilometer Wanderung wurde die erste Tafel von Krzystof Czahajda und dem Krauschwitzer Geoparkführer Jürgen Göhler enthüllt, die sich mit den Giesern beschäftigt. Eine solche erste Senke mit rund 25 Meter Höhenunterschied hatten die Wanderer gerade durchquert, was bei dem einen oder anderen doch einige Kraftanstrengung kostete. Etwa zehn solcher Gieser als typischer Ausdruck der Braunkohleförderung früherer Zeiten existieren im Drachenberg-Gebiet, war zu erfahren.

Agnieszka Wojciechowska und Friedemann Tischer haben die Infotafel auf dem Drachenberg enthüllt. Sie enthält Informationen über die historische Braunkohlengrube Caroline II.
Agnieszka Wojciechowska und Friedemann Tischer haben die Infotafel auf dem Drachenberg enthüllt. Sie enthält Informationen über die historische Braunkohlengrube Caroline II. FOTO: Ingolf Tschätsch

Auf dem Drachenberg - auf dem es sogar ein Gipfelbuch gibt  - erwartete die Teilnehmer dann Tafel Nummer zwei. Sie unter dem Beifall der Anwesenden von ihrem weißen Tuch zu befreien, fiel als ehrenvolle Aufgabe Agnieszka Wojciechowska und dem Weißwasseraner Friedemann Tischer zu. Er, bekannter und leidenschaftlicher Waldeisenbahner, hatte übrigens im vorigen Jahr ein Buch zur Heimatgeschichte veröffentlicht, das sich dem Braunkohlenbergbau um Weißwasser und Muskau unter besonderer Berücksichtigung des Eisenbahnwesens widmet. Alles Wissenswerte speziell über die historische Braunkohlengrube Caroline II erfahren Interessenten auf dieser Tafel zwei. Beispielsweise, dass hier im Tiefbau in mehreren Sohlen bis zu 66 Meter unter der Erde und 50 Schächten der schwarze Bodenschatz gewonnen wurde. Im Jahr 1938 wurde mit 114 000 Tonnen ein Förderrekord aufgestellt. Die Grube Caroline II war bis 1959 in Betrieb.

Olaf Klein, der sich mit seinem Vierbeiner unter die Gruppe gemischt hatte, zeigte sich beeindruckt von dem, was er hörte und las. „Ich gehe in der Woche mit meinem Hund mehrmals diesen Geopfad entlang. Deshalb kenne ich die Gegend. Aber so eine geführte Wanderung wie heute ist doch etwas anderes, weil ich viel erklärt bekomme, was ich vorher nicht wusste. Der Geopark mit den Drachenbergen ist eine gute Ergänzung zum Muskauer Park. Diese Attraktion ist noch viel zu wenig bekannt“, resümierte der Krauschwitzer.

Neben den üblichen Tieren des Waldes wie Reh und Hirsch kommen in der 300 Hektar großen Gieserlandschaft der Drachenberge auch Ringelnatter, Siebenschläfer, Mittelspecht, Hirschkäfer und zunehmend auch der Waschbär vor. Diese und weitere Informationen vermittelt die dritte und letzte neue Tafel, die von den Wanderern angesteuert wurde und sie mit der Fauna und Flora des Gebietes vertraut macht. Gestiftet wurde sie laut Rolf Seilberger von Familie Seidel aus Krauschwitz, während die beiden ersten Tafeln durch Mittel der Stiftung Lausitzer Braunkohle (Leag) finanziert worden sind. Die Enthüllung der Nummer drei oblag Ingelore Göhler und Renate Seilberger.

Als die Gruppe nach anderthalb Stunden, in denen reichlich Schweiß floss, wieder am Ausgangspunkt, dem Gasthaus Zur Linde, eintraf, zeigten sich die Teilnehmer erfreut darüber, neues Wissen über die Heimat vermittelt bekommen zu haben. Dazu trugen nicht zuletzt die drei Informationstafeln bei. Vielleicht sind sie auch Anregung für andere, sich wieder mal auf die Spuren des Geopfades Drachenberge zu begeben.