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Dankeschön
Auf Dankeschön-Tour am Heiligabend

Landrat Bernd Lange (l.) und Landtagsabgeordtner Lothar Bienst (2.v.r.) überbringen in der Notaufnahme des Krankenhauses Weißwasser ein symbolisches Dankeschön.
Landrat Bernd Lange (l.) und Landtagsabgeordtner Lothar Bienst (2.v.r.) überbringen in der Notaufnahme des Krankenhauses Weißwasser ein symbolisches Dankeschön. FOTO: Regina Weiß / LR
Weißwasser. Landrat Bernd Lange und Mitarbeiter der Görlitzer Kreisverwaltung schauen am und vor dem Fest bei 25 Einrichtungen vorbei.

Den letzten Schlaf in den Augen hüpfen die Mädchen und Jungen neugierig über den Flur. Es ist (noch) nicht der Weihnachtsmann, der bei ihnen vorbeischaut. Kurz bevor sich Landrat Bernd Lange (CDU) und CDU-Landtagsabgeordneter Lothar Bienst im Kinder-, Jugend- und Familienhaus ­StattRand gGmbH am Morgen des Heiligabend im Haus verabschieden, schauen sie bei den Minis vorbei. Acht Stepkes werden dort über Weihnachten im Haus an der Muskauer Straße bleiben. Eine junge Mutti sowie Jugendliche aus der Wohngruppe beziehungsweise der Inobhutnahmestelle fahren Weihnachten auch nicht nach Hause. Fünf Mitarbeiter umsorgen sie jeweils. Ihnen gebührt bei der so genannten Stollentour des Landrates ein besonderes Dankeschön, „denn sie wären ja Weihnachten auch lieber zu Hause in ihren Familien“, so Lange.

Doch die Kinder und Jugendlichen, die im StattRand wohnen, sind ja nicht von ungefähr dort. Oft haben sie eine Odyssee an Hilfemaßnahmen hinter sich. Gehen in Pflegefamilien, werden von Eltern  zurückgeklagt, wieder rausgenommen und so weiter und so weiter. Wohin das führen kann, macht Mandy Köhler, Geschäftsführerin der Hauses, an einem Beispiel in einer Außenwohngruppe fest. Dort braucht es fünf Mitarbeiter, um zwei Kinder rund um die Uhr zu betreuen. Die Rede ist von Aggressivität gegen Dinge und Menschen. Wenn es dann um die Diskussion um Kostensätze für die Betreuung geht, dann reiße der engagierten Frau auch schon mal die Hutschnur. Sie sieht perspektivisch nur eine Lösung: Es müsse viel schneller und intensiver eingegriffen werden. Dann habe man auch eine Chance, die Eltern zu motivieren, sich zu ändern, um ihre Kinder wieder zu sich nach Hause zu holen. Landrat Bernd Lange und Lothar Bienst hören gut zu, denn seit Jahrzehnten treibt das Thema Hilfe zur Erziehung den Landkreis um. Die Zahlen wachsen, die Kosten ebenso. Lange weiß, um die Arbeit, die sich hinter den Zahlen verbirgt. „Das Dankeschön ist ehrlich gemeint“, sagt er bei der kurzen Gesprächsrunde.

Doch nicht nur die menschlichen Schicksale und der Kostenfaktor treibt Mandy Köhler um. Größte Herausforderung in den vielen Jahren, die sie das Haus leitet, war 2017 die Personalausstattung. Kindergärten werben beispielsweise Fachkräfte ab, andere wollen nicht in Schichten oder eben an Feiertagen arbeiten. „Wie überall“, stellen Lange und Bienst ernüchternd unisono fest.

Nächste Station der Stollentour ist das Haus am Hain. Über 50 Männer und Frauen werden dort über die Feiertage betreut. Nur die wenigsten sind soweit, dass sie ihre Angehörigen besuchen können. Am Nachmittag gibt es deshalb eine kleine Weihnachtsfeier beim Sozialteam.

Dann heißt es, ab ins Krankenhaus Weißwasser. Dort verspricht Lange bei seiner Stippvisite in der Notaufnahme, sich für den Erhalt des Hauses einzusetzen. „Es ist wichtig für die Versorgung“, so sein Kommentar. In der Notaufnahmen haben unter anderem die Schwestern Jule Knobel, Marleen Stackebrandt und Schülerin Marlies Teisler Dienst. Die Notaufnahme war schon vor Heiligabend gefordert. Da passieren Verletzungen bei der Festvorbereitung oder Gäste, die in Weißwasser ihre Lieben besuchen, landen plötzlich im Krankenhaus. „Freud und Leid liegen auch Weihnachten nah beieinander. Da wird hier in der Notaufnahme so manche Träne vergossen“, sagt Marleen Stackebrandt.

Polizeikommissar Christoph Krost gehört zur Schicht, die Heiligabend Dienst im Polizeirevier tut. Er ist einer von sechs Kollegen. Zur Nachtschicht kommen die nächsten sechs. Alle haben einen Wunsch, es möge ruhig bleiben. Denn manchmal kann auch zu viel Harmonie unterm Weihnachtsbaum umschlagen. Den Kollegen sagt Dieter Peschel, Leiter des Bauamtes des Kreises, danke. Auch hier gibt es Stollen und Kaffee. Aber nicht nur das. Karin Krahl, stellvertretende Revierleiterin und Chefin des Streifendienstes, ist vorbeigekommen, um Kartoffelsalat und Würstchen zu bringen. Das Essen komme immer gut an, sicherlich auch, weil das Rezept von der Tante, über die Omas an die Gablenzerin gut erprobt weitergegeben wurde. Ein lukullisches Dankeschön für die Diensthabenden.

Wie alle Reviere in Sachsen hoffen auch die Weißwasseraner, dass die Einstellungskampagne für die Polizei sich in der hiesigen Region auszahlt, um den Personalbestand zu halten, wenn Kollegen in Rente gehen. Denn das Autodiebe dasselbe tun, davon ist nicht wirklich auszugehen. Und gerade das Thema beschäftigt auch die Polizei stark.

Die Stollentour gehört seit Jahren zum Jahresendrepertoire von  Bernd Lange sowie dem Dezernenten Thomas Gampe, den Amtsleitern Heike Zettwitz und Dieter Peschel. Diesmal waren sie in 25  Einrichtungen vor Ort.

Dieter Peschel überreicht Stollen und Kaffee an Christoph Krost im Polizeirevier.
Dieter Peschel überreicht Stollen und Kaffee an Christoph Krost im Polizeirevier. FOTO: Regina Weiß / LR