Von Christian Köhler

Dass der Bahnhof in Weißwasser ein eher trostloses Dasein fristet, ist hinlänglich bekannt. Wenn aber die ihm innewohnende Touri-Info und auch das DB-Service-Center schließt, wird möglicherweise auch das Konzept nach dessen Sanierung nicht aufgehen. Davon jedenfalls ist Stadtvereinschef Frank Schwarzkopf überzeugt. Er hat sich alarmierend nun an die RUNDSCHAU sowie an mehrere Landtags- und Bundestagsabgeordnete gewandt: „Wenn nichts passiert, schließen wir im Laufe des Jahres“, sagt er.

Dabei hat der Stadtverein vor vielen Jahren die Betreibung der Touri-Info vom damaligen Förderverein „Muskauer Heide“ übernommen und seither viel Kraft, Geld und ehrenamtliches Engagement hineingesteckt, damit es sie bis heute überhaupt noch gibt. „Wir haben 2015 auch das DB-Reisecenter im Bahnhof übernommen, weil es die Einwohner der Stadt so gewollt haben“, sagt Schwarzkopf. Nun aber stehen beide auf der Kippe, „denn durch die Haushaltslage der Stadt haben wir 2018 keinerlei Zuschüsse erhalten und wer weiß, was 2019 kommt“, so der Stadtvereinschef. Dieser Tage nämlich steht die Erstellung eines Spargutachtens an, was der Landkreis von Weißwasser fordert, bevor überhaupt ein Haushalt aufgestellt werden kann. „Wir werden dabei alles auf den Prüfstand stellen“, kündigt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) an. Jenes Prozedere ist im vergangenen Jahr bereits gescheitert, weil sich Rathaus und Stadtrat nicht auf Sparziele und letztlich auf einen genehmigungsfähigen Haushalt einigen konnten. In der Folge musste die Stadt mit einem Notetat operieren und durfte nur Pflichtausgaben tätigen.

Weil damit Zuschüsse an den Stadtverein weggebrochen sind, „mussten wir reagieren“, so Frank Schwarzkopf. So sind bereits die Öffnungszeiten der Touri-Info auf dienstags, mittwochs und donnerstags reduziert worden. Darüber hinaus werde vermehrt der Dienst im Ehrenamt angedacht – etwa die Besetzung der Touri oder die Präsentation der Stadt auf Tourismusmessen wie jüngst auf der Reisemesse in Cottbus. „Die Reisemesse in Dresden Anfang des Jahres konnten wir schon gar nicht absichern“, so der Stadtvereinschef und betont: „Mehr reduzieren geht einfach nicht.“ Er fordert schlicht mehr finanzielle Mittel, „damit wir Planungssicherheit haben und qualifiziertes Personal einstellen können“.

Schließlich sei es doch kein Zustand, so Schwarzkopf weiter, dass Rentner im Ehrenamt eine wichtige Aufgabe für die Stadt übernehmen müssten. Zumal der Stadtverein mit seiner Touri-Info als einziger Anbieter im Altkreis Weißwasser Veranstaltungstickets für namhafte Anbieter sowie für die Lausitzer RUNDSCHAU verkauft. „Wer sonst soll dies leisten?“, fragt Schwarzkopf. Er sagt: „Wenn der Stadtrat nicht hinter uns steht und es nicht gewollt ist, dass Weißwasser eine Touri-Info hat, dann muss ich das akzeptieren. So wie jetzt aber kann es nicht weitergehen.“ Ändere sich nichts, schließt die Touri-Info Mitte des Jahres, teilt der Stadtverein mit. Den Stadträten müsse aber klar sein, „wenn wir bleiben sollen, wird es Geld kosten.“

In Sachen Fahrkartenverkauf für die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft, dem Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) oder die Deutsche Bahn stehen in diesem Jahr Vertragsverhandlungen für die kommenden drei Jahre an. „Ohne Planungssicherheit kann man keine Verträge eingehen“, so Schwarzkopf. Kommt man auch hier zu keiner Lösung, werde das DB-Reisecenter Ende des Jahres geschlossen.

Als bislang einziger Politiker, so Frank Schwarzkopf, hat sich SPD-Landtagsabgeordneter Thomas Baum auf das Schreiben des Stadtvereins gemeldet. „Es ist wichtig, dass hier eine Lösung gefunden wird“, sagt er auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Der Abgeordnete aus Bad Muskau wolle sich des Problems in Weißwasser annehmen. „Es gibt einige Ideen, wie geholfen werden kann“, sagt er, „aber versprechen kann ich momentan noch nichts.“