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| 10:54 Uhr

Arsall-Gläser – beeindruckende Erzeugnisse im Jugendstil

Arsall-Gläser – beeindruckende Erzeugnisse im Jugendstil
Arsall-Gläser – beeindruckende Erzeugnisse im Jugendstil FOTO: Foto: privat
Weißwasser.. Für jene, die noch nichts von Arsall-Gläsern gehört haben: So sieht solch ein Glas aus. R.Keller

Im Glasmuseum sind faszinierende Gläser im Jugendstil zu bewundern, deren Geschichte sehr interessant ist:
1918 wurde für die Vereinigten Lausitzer Glaswerke AG (VLG, heute: Stölzle-Oberglas Lausitz GmbH) die Signatur „Arsall“ als geschütztes Warenzeichen eingetragen, welches diese bis 1938 besaßen. Arsall wurde von den VLG für farbige Überfanggläser mit überwiegend floralem Dekor im Stil der französisch-lothringischen Art Nouveau-Gläser verwendet.

Gute Verkaufschancen
Die Idee, solche Gläser zu einem so späten Zeitpunkt herzustellen, basierte sicher darauf, dass von den VLG für diese Erzeugnisse auf dem deutschen Markt noch immer gute Verkaufschancen gesehen wurden, obwohl der Jugendstil längst von neuen Trends überholt war.
Außerdem konnten mit diesen Gläsern währungsbeständige Devisen durch Export erworben werden. Die Herstellung der Arsall-Gläser begann gegen Ende des Jahres 1918. Künstlerischer Leiter der Abteilung wurde Nicolas Rigot, der sich, 1918 aus Münzthai (bei Lemberg in Elsaß-Lothringen) kommend, zusammen mit drei Brüdern seiner Frau (geb. Vette) in Weißwasser niederließ. Zuvor hatten Rigot und die Gebrüder Vette in den Verreries & Cristalleries de Saint-Louis in Münzthal (Argenthal) Kenntnisse zur Herstellung farbiger Überfanggläser mit geätztem Dekor erworben. Nach dem Tode von Rigot im Jahre 1924 übernahm Wilhelm Krause die künstlerische Leitung.
In der Abteilung waren mindestens acht Mitarbeiter beschäftigt. Als Hüttenmeister der Arsall-Werkstatt wirkte Ludwig Vette, während Johann Baptiste Vette, Eugen Vette und Anton Woczikowski als Glasmachermeister tätig waren. An der Herstellung der Gläser vor der Veredlung waren weiterhin Paul Bittner, Ernst Büttner, Ewald Büttner, Franz Strobel und Max Schuster beteiligt. Die Ätzung der Dekore soll hauptsächlich unter der Leitung von Paul Muche, der als Experte auf diesem Gebiet galt, ausgeführt worden sein. Die Arsall-Gläser besitzen in der Mehrzahl eine aus dem Überfang herausgeätzten Signatur „Arsall“ . Seltener tritt auch eine negativ geätzte Signatur auf.

Typisch: zweifacher Überfang
Typisch ist für die Arsall-Gläser ein zweifacher Überfang auf farblosem, hellgrünem oder rosafarbenem Grundglas, aus dem das Dekor herausgeätzt wurde. Bevorzugte Farbvarianten des Außenüberfanges sind Violett oder Rotbraun mit Grün.
Dabei wurden diese Überfänge in den verschiedensten Farbnuancen verwendet, wobei sehr unterschiedliche Effekte entstanden. Einige Gläser besitzen auch Innenüberfänge, dabei dominieren Rosa und Gelb. Durch Ätzung wurden die Innenüberfänge mattiert oder nur partiell beibehalten. Es wurden auch Gläser mit nur einem Überfang als billigere Variante hergestellt.
In der Mehrzahl sind die Dekore der Arsall-Gläser matte Reliefe, die aus den Überfangschichten herausgeätzt wurden. Seltener ist auch die Kombination von matten und durch Säurepolitur blanken Reliefteilen anzutreffen. Florale Motive dominieren als Dekoration. Dabei wurde nach dem Beispiel der französischen Glashersteller der Art Nouveau der größte Teil der mitteleuropäischen Flora für Gestaltungszwecke genutzt. Die auch zu findenden Fluss- und Waldlandschaften beziehen ihre Wirkung aus dem Kontrast zwischen heller Grundfläche und dunklem, in scharfen Konturen ausgeätztem Überfang. Typisch ist dabei die Staffelung in Vorder-, Mittel- und Hintergrund, wobei im Vordergrund Buschwerk und ein oder zwei große Bäume dominieren. Als Hintergrund sind in der Mehrzahl Hügel bzw. Bergketten benutzt worden.

Besitzer auch Familie Arnim?
Durch eine Fotografie, die um 1925 entstanden ist, kann bewiesen werden, dass auch - allerdings relativ selten - sehr große Gefäße bis zu einer Höhe von 80 oder 90 Zentimeter hergestellt wurden. Einige dieser Stücke sollen sich im Besitz der Familie von Arnim in Bad Muskau befunden haben, die aber aller Wahrscheinlichkeit nach 1945, als das Neue Schloss infolge von Kriegshandlungen ausbrannte, vernichtet wurden.

Geschenk für Ägypter-König
Auch der ägyptische König Fuad soll eine größere Anzahl von Vasen mit Jagdmotiven und einer Höhe von zirka 80 Zentimeter bestellt haben. Ihm war bei seinem Deutschlandbesuch auf dem Bahnhof in Weißwasser eine Arsall-Tischlampe mit ägyptischen Landschaften als Ehrengeschenk überreicht worden.
Leider lassen sich alle Einzelheiten im Zusammenhang mit der Arsall-Glasherstellung (die gegen Ende 1929 eingestellt wurde) nicht mehr genau klären, da im Zweiten Weltkrieg das Firmenarchiv der VLG verloren ging.
Im März dieses Jahres werden im Rahmen einer Sonderausstellung im Glasmuseum Weißwasser Arsall-Gläser präsentiert.
Dort werden auch Gläser in der Art „Arsall“ zu sehen sein, die Gotthard Petrick aus Weißwasser nach neuer Technologie herstellt.
Um diese Ausstellung repräsentativ gestalten zu können, werden noch Arsall-Gläser aus dem Besitz von Privatpersonen gesucht, die während der Ausstellung in Form von Leihgaben gezeigt werden sollen. Hierzu wird gebeten, mit Frau Woite oder Herrn May vom Glasmuseum Kontakt aufzunehmen (Telefon 03576/20 40 00).