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| 16:04 Uhr

Muskauer Park
Arnims zurück im Muskauer Schloss

Thomas Graf von Arnim (r.) freut sich, dass die Stiftung seinen Vorfahren eine außerordentlich gelungene Ausstellung widmet. In der Vitrine liegen Fotoalben, die die Familie der Stiftung zur Verfügung gestellt hat.
Thomas Graf von Arnim (r.) freut sich, dass die Stiftung seinen Vorfahren eine außerordentlich gelungene Ausstellung widmet. In der Vitrine liegen Fotoalben, die die Familie der Stiftung zur Verfügung gestellt hat. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die neue Sonderausstellung ist fantastisch gelungen. So wird Geschichte lebendig, loben die ersten Besucher nach der Eröffnung. Von Regina Weiß

Wer schön sei will, muss leiden. Ganze Generationen hat dieser Spruch begleitet. Dass der Wunsch nach Schönheit aber auch großen materiellen Schaden verursachen kann und Geschichte macht, ist gleich zu Beginn der neuen Sonderausstellung „Die Grafen Arnim als Muskauer Standesherren“ im Neuen Schloss zu sehen. Die Brennschere zum Lockenmachen löste einen Brand aus, der das Schloss Holzendorf in Schutt und Asche legte. Laura, die damalige Ehefrau von Graf Traugott Hermann von Arnim, schockte das so sehr, dass sie erklärte, an jenem angestammten Ort nicht mehr leben zu können. Da fügte es sich, dass ein Gütermakler den Grafen auf Muskau aufmerksam machte, das von den Erben des Prinzen der Niederlande ebenda verkauft werden sollte. Also ohne Brennschere kein Umzug nach Muskau ...

„62:34 kann ein gutes Ergebnis im Basketball sein. Es ist aber auch  Vergleich der Jahre der von Arnims und Pückler in Muskau“, so Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park. Da sei es doch lohnenswert, die Arnim’sche Familiengeschichte auszuloten. Die Leistungen Pücklers seien unbestritten und seine Saga schon ein Selbstläufer. Nun werden die Lücken gefüllt, in dem man sich dem Leben und Leistungen der Familie von Arnim und später ab September dem Prinzen der Niederlande widmet.

„Nach 73 Jahren hält der Geist der von Arnims wieder Einzug in Muskau“, freut sich Cord Panning und lobt die exzellente Kooperation, die die Sonderausstellung erst möglich gemacht hat. Dazu gehört, dass die Familien von Arnim und Dohna ihre Archive öffneten, Leihgaben zur Verfügung stellten. Das gleiche taten private Sammler oder Museen. „So entstand eine unglaublich dichte Ausstellung, die beeindruckt“, so Panning. Das unterstreicht auch Thomas Graf von Arnim, der sich unglaublich freut, dass die Familiengeschichte nun in den Fokus rückt.

Drei Standesherren haben ganz unterschiedlich auf Muskau gewirkt. So steht Traugott fest verankert im deutschen Kaiserreich – als Verfechter der Kolonialpolitik und als erfolgreicher Unternehmer. Adolf, der letzte Grandseigneur in der Weimarer Republik, verkörpert mit seinem Lebensstil die Ablehnung des republikanischen Gesellschaftsentwurfs. Hermann schließlich erlebt Aufstieg und Untergang des Dritten Reichs, was seinen beiden Brüdern letztlich das Leben und ihn seinen Besitz kostet und das Ende der Standesherrschaft Muskau besiegelt, haben es die Ausstellungsmacher formuliert.

Das alles wird anhand von Bildern, Fotografien, vielen tollen Exponaten und Geschichtstafeln erzählt. „Ich finde so toll, dass wir hier regionale, deutsche und Familiengeschichte zusammen mit Kunst zeigen können“, sagt Regina Barufke von der Stiftung und eine der drei Kuratorinnen. Dazu gehört ihre Kollegin Astrid Roscher und die Kunsthistorikerin Agnete von Specht. Alle drei schwärmen von ihrer fantastischen Zusammenarbeit. Gelungen ist ihnen, Geschichte lebendig werden zu lassen. Da sieht man, was bei der Hochzeit von Alexander von Dohna-Schlobitten 1926 mit der Tochter Freda Antoinette Gräfin von Arnim-Muskau getafelt wurde, sieht die Schallplatte mit Aufnahmen der Arnim’schen Jagdhornbläser von 1935, ein hundert Jahre altes Brikett, Glas aus der Jämlitzer Hütte, den Frack des letzten Standesherren, ein Teil des vergrabenen Familiensilbers und vieles mehr. Das Schloss war schließlich Jahrzehnte Lebensort einer Familie, die geliebt hat und leiden musste.

1944 war die Standesherrschaft schuldenfrei. 1945 war das Schloss Ruine. Als der letzte Standesherr im Juli 1945 nach Muskau zurück kam, wurde er verhaftet und nur der Fürsprache des Bürgermeisters war es zu verdanken, dass er freikam. Thomas Graf von Arnim sah gemeinsam mit seiner Frau und den zwei ältesten Kindern 1984 erstmals Muskau, den Park und die Ruine. „Wie hat sich das Bild doch gewandelt. Schloss und Park sind so schön, wie sie es vorher nie waren!“, lobt der Gast aus München.

Übrigens sollten die Besucher der magischen Drei von Bad Muskau – drei Standesherren, drei Kuratorinnen, drei Erzählebenen in der Schau – treu bleiben. Drei Ausstellungsbesuche sind mindestens notwendig, um alle Fakten aufnehmen zu können. Dazu haben die Gäste bis zum 9. September täglich von 10 bis 18 Uhr Gelegenheit. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt zwei Euro.

Die drei Kuratorinnen der Ausstellung: Astrid Roscher, Dr. Agnete von Specht und Regina Barufke (v.l.n.r.).
Die drei Kuratorinnen der Ausstellung: Astrid Roscher, Dr. Agnete von Specht und Regina Barufke (v.l.n.r.). FOTO: Regina Weiß
Eine Reisekoffer samt Sekretär, eines der Originalausstellungsstücke.
Eine Reisekoffer samt Sekretär, eines der Originalausstellungsstücke. FOTO: Regina Weiß