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| 18:48 Uhr

Chef Arbeitsagentur Bautzen legt Zahlen vor
Arbeitsmarkt in Weißwasser ist robust

Thomas Berndt, Chef der Agentur für Arbeit Bautzen.
Thomas Berndt, Chef der Agentur für Arbeit Bautzen. FOTO: Christian Köhler
Weißwasser. Thomas Berndt, Chef des Agenturbezirkes, zeichnet positives Bild im Stadtrat in Weißwasser. Von Christian Köhler

„Ich habe mehrere gute Nachrichten für Sie mitgebracht“, richtet sich Thomas Berndt, Leiter der Agentur für Arbeit Bautzen, an die Weißwasseraner Stadträte. Er zeichnet in seinem Bericht zu aktuellen Entwicklungen und der derzeitigen Situation ein durchaus positives Bild des Arbeitsmarktes in und um Weißwasser. „In Weißwasser haben wir eine stabile Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent“, berichtet Berndt. Das sind in absoluten Zahlen 1557 Arbeitslose in Weißwasser. Seit 2006 habe sich die Quote immerhin nahezu halbiert. Zudem seien die Beschäftigungszahlen gestiegen: 2005 zählte man in der Stadt 5174 sozialversicherungspflichtige Jobs, Ende 2017 sind es laut Thomas Berndt 5588.

„In Weißwasser geht es, was die Beschäftigung angeht, bergauf – und zwar um 2,3 Prozent in den vergangenen Jahren.“ Die Beschäftigung als solche findet dabei hauptsächlich in drei Berufsgruppen statt: Den vordersten Platz belegen Gesundheits- und Sozialberufe (1722), gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe (715) und von Handels- und Handwerksberufen (708). Hatte es im Jahr 2005 noch monatlich durchschnittlich zwölf freie Stellen gegeben, sind es 58 im vergangenen Jahr gewesen. „Und das sind nur die, die bei uns registriert sind“, erklärt der Agenturchef. Hinzu kommen nämlich noch die, welche über private Arbeitsvermittlungen angeboten werden.

Eine positive Entwicklung konstatiert Thomas Berndt auch im Bereich der Aus- und Einpendler nach Weißwasser. Seit 2001 nämlich nehme die Zahl derer ab, die Weißwasser wegen der täglichen Arbeit verlassen: „Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir nicht sagen, aus welchen Orten die Menschen zu ihnen zum Arbeiten in die Stadt kommen, aber es sind derzeit 2253 allein aus dem Landkreis Görlitz“, so Berndt. Er schlussfolgert daraus, dass die Stadt durchaus ein attraktiver Arbeitsort geworden ist. Täglich würden laut Agentur 251 Beschäftigte aus Polen, 218 aus Brandenburg, 67 aus dem Kreis Bautzen oder 13 aus Dresden nach Weißwasser kommen. Allerdings müssen auch täglich Weißwasseraner in andere Orte zum Arbeiten: 1893 im Kreis Görlitz, 413 nach Spremberg, 198 nach Cottbus, 34 nach Bayern, 78 nach Berlin und 182 in den Kreis Bautzen.

Ein bisschen „Wasser in den Wein“ aber muss Thomas Berndt den Stadträten doch kippen: „Das Durchschnittseinkommen im Kreis ist am geringsten im deutschlandweiten Vergleich.“ Die Bedingungen, die Arbeitgeber im Norden des Kreises bieten, seien darüber hinaus alles andere als vorteilhaft: „Die Infrastruktur ist schlecht, die Region ist nicht gut zu erreichen“, so Berndt. Immer noch würden auf eine freie Arbeitsstelle durchschnittlich acht Arbeitslose kommen – „allerdings sind die nicht berufsspezifisch“. Heißt im Klartext: Es geht nur um Statistik. Nur weil es eine freie Arbeitsstelle gibt, heißt es nicht, dass es dafür auch entsprechend qualifizierte Arbeitskräfte gibt.

„Es gibt Berufe, da ist der Bedarf besonders akut“, so Thomas Berndt. Etwa gebe es kaum genügend Elektriker, in der Landwirtschaft fehlten 43 ausgebildete Fachkräfte. Entsprechend schlägt sich dies auf die Wartezeit nieder, die ein Arbeitgeber in Kauf nehmen muss, bis er einen passenden Arbeitnehmer findet: „Diese warten zwischen 108 und 255 Tagen“, erklärt der Agenturchef. Gerade im Bereich der Mechatroniker seien 255 Tage Wartezeit und mehr eher die Regel als die Ausnahme. „Und die Vakanzen steigen, denn junge Leute sind in der Region schwer zu finden“, zeigt Thomas Berndt die Entwicklung auf. Für die Agentur sowie auch für die Arbeitgeber sei das die Herausforderung der Zukunft, „um junge, gut ausgebildete Fachkräfte zu gewinnen“.

Um sich der Herausforderung zu stellen, wolle die Agentur noch enger mit dem Jobcenter zusammenarbeiten. Gerade im Bereich der Qualifizierung gehe es darum, verfügbare Arbeitskräfte auf neue Berufe einzustellen. Arbeitgeber lädt Thomas Berndt dazu ein, sich stärker mit der Agentur abzustimmen, Förderbedarfe, „die es für Unternehmen gibt, auch in Anspruch zu nehmen“.