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Apfelsortenschau in Schleife
Experte räumt in Schleife zuerst mit Apfel-Irrtum auf

Hier probiert Klaus Schwartz die Äpfel von Ute und Gottfried Namaschk. Es handelt sich um die Sorte „Galloway Pepping“.
Hier probiert Klaus Schwartz die Äpfel von Ute und Gottfried Namaschk. Es handelt sich um die Sorte „Galloway Pepping“. FOTO: amz
Schleife. Kirmesmarkt in Schleife mit 230 Apfelsorten.

Mehr als 30 000 Apfelsorten gibt es weltweit. Davon sind rund 2000 in Deutschland zu finden. Immerhin 230 verschiedene Apfelsorten, die meisten aus dem Landessortengarten Müncheberg bei Berlin, werden beim Schleifer Kirmesmarkt präsentiert.

Der Pomologe Klaus Schwartz aus Löbau bestimmt die von den Besuchern mitgebrachten Sorten. Er dreht und wendet die Äpfel in seinen Händen, betrachtet Stiele und Blüten-Überbleibsel, riecht. Bisweilen wird auch mal ein Stück verkostet. Zuerst aber räumt er mit einem Irrglauben auf: „Viele Menschen denken, im Herbst sind die Äpfel automatisch reif. Doch nicht wenige Sorten sind jetzt noch sehr sauer und erlangen erst in den nächsten Monaten ihre Genussreife.“ Ein Beispiel sei die Rote Sternrenette. Die knallrote Frucht schmecke im Oktober total sauer, ab dem Advent dagegen wunderbar mild und süßlich. Der Boskoop munde sogar erst im neuen Jahr. Nicht früher sei bei dieser Sorte die Säure abgebaut.

„Galloway Pepping“ heißt hingegen die Apfelsorte, die Gottfried und Ute Namaschk aus Weißkeißel dem Fachmann auf den Tisch legen. „Die sind von Nachbars Baum. Wir wollten schon immer mal wissen, was das für Früchte sind“, erklärt Gottfried Namaschk. In diesem Jahr hatten die Weißkeißeler nicht viel Glück mit den Äpfeln. Zwar seien die Blüten im Gegensatz zu den Kirschen durch die Spätfröste nicht erfroren, doch habe der nasse Sommer für faule Früchte und damit lange Gesichter gesorgt. Was dennoch brauchbar sei, werde im Keller eingelagert. „Die letzten Äpfel können wir dann im Mai essen“,sagt Ute Namaschk aus Erfahrung.

Ein riesiger Andrang herrscht am Stand von Heinz Lohr. Der Mühlroser hat verschiedene Apfel- und Birnensorten. „Die meisten Früchte habe ich durch Beziehungen in der Magdeburger Börde besorgt. In Sachsen und speziell in der Oberlausitz sieht es dieses Jahr wegen des Frostes nicht gut aus.“ Lohr weist auf sein eigenes kleines Jubiläum hin: „Vor genau 60 Jahren habe ich mit dem Obsthandel begonnen“, erinnert sich der heute 75-Jährige. Auf die Sorten komme es ihm dabei weniger an, vielmehr auf die Qualität der Früchte. „Sie müssen einfach schmecken“, lautet Lohrs Philosophie.

Sylvia Panoscha, die Leiterin des Sorbischen Kulturzentrums Schleife, ist heilfroh, dass in diesem Jahr das Wetter zum Kirmesmarkt so mitspielt. „Ich hatte schon gebangt, nachdem es an den vergangenen Wochenenden immer wieder regnete. Aber jetzt bin ich rundum zufrieden.“ Etwa 30 Händler sind zum 20. Kirmesmarkt gekommen.