ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 03:16 Uhr

Ansturm zum Cottbuser Karnevalsumzug

Das Drekauer Prinzenpaar Kerstin II. und Maik II.
Das Drekauer Prinzenpaar Kerstin II. und Maik II. FOTO: Hirche
Der Zug der fröhlichen Leute wird die Stadt am morgigen Sonntag zum 22. Mal in eine Narrenmetropole verwandeln. Doch hohe Sicherheitsauflagen haben dafür gesorgt, dass einige Traditionsvereine in diesem Jahr nicht mit dabei sind. Andrea Hilscher

Cottbus. Frank Czepok, Präsident des Karneval-Verbandes Lausitz und Urgestein der Lausitzer Narrenszene, hat es wie immer spannend gemacht. Bis zur letzten Minute hat er verhandelt und gebettelt, um die Finanzierung für den 22. Zug der fröhlichen Leute auf die Beine zu stellen. "In letzter Minute hat es dann geklappt", sagt er mit seiner charakteristischen Reibeisenstimme. "Die Stadt ist eingesprungen und schießt uns das Geld zu, das wir an das Technische Hilfswerk zahlen müssen."

Seit durch einen Unfall vor zwei Jahren zwölf Menschen während des Umzugs verletzt wurden, hat die Stadt die Sicherheitsauflagen für den Karnevalszug verschärft. Es sei dadurch deutlich schwieriger geworden, den Zug auf die Beine zu stellen, sagt Czepok. So hätten einige Traditionsvereine in diesem Jahr auf eine Teilnahme verzichtet, weil sie die strengen Auflagen nicht erfüllen können. Trotzdem wird am Sonntag der größte Umzug Ostdeutschlands durch die Stadt ziehen.

Rund 3000 Aktive haben sich bisher angemeldet. Sie werden in 165 Gruppen - ungefähr so viel wie im vergangenen Jahr - den etwa vier Kilometer langen Zug der fröhlichen Leute bilden. Rund 90 Fahrzeuge, acht Kutschen mit 18 Pferden und sechs Kapellen werden sich mittags auf Höhe der Franz-Mehring-Straße sammeln und dann durch die Innenstadt bis zum Viehmarkt ziehen. Dort wird um 16 Uhr das Festzelt eröffnet, mit Musik und närrischem Programm bis tief in die Nacht.

Am Rande des Zuges werden, wie schon in den Vorjahren, drei Bühnen aufgebaut. Der rbb überträgt am Sonntagnachmittag live vom Geschehen, abends wird die Aufzeichnung der Gala "Heut' steppt der Adler" aus der Stadthalle gesendet. Frank Czepok: "Dann wird Cottbus seinem Ruf als Karnevalsmetropole des Ostens einmal mehr gerecht."

Mit rund 80 000 Besuchern rechnet er am kommenden Sonntag. "Zahlen von 100 000 oder gar 150 000 sind utopisch, das schaffen wir nicht mehr." Er appelliert vor allem an die Cottbuser, das närrische Treiben nicht nur an den Bildschirmen zu verfolgen. "Es ist doch traurig, dass 75 Prozent aller Zuschauer am Straßenrand von außerhalb kommen. Wir müssten doch gerade für die Bewohner unserer Stadt interessant sein. Aber die scheinen lieber im Warmen zu hocken."

Froh sind die Veranstalter, dass sie es geschafft haben, genügend ehrenamtliche Helfer zu gewinnen, um die hohen Sicherheitsauflagen zu erfüllen. Für jedes Fahrzeug müssen vier Ordner gemeldet werden, die sich ans Alkoholverbot halten. "Bei 90 Fahrzeugen brauchen wir 360 Freiwillige, das ist schwer zu stemmen", gibt Karnevalist Czepok zu.

Auch die Einhaltung der übrigen Auflagen wird streng von der Dekra überwacht.

Selbstredend dürfen die Fahrer der verschiedenen Fahrzeuge - auch der Kutschen - während des Umzugs keinen Alkohol trinken. "Das Alkoholverbot gilt aber auch in der gesamten Führerkabine", erklärt Stadtsprecher Wieland Eschenburg.

Jeder Verein und jede Gruppe muss einen Zugverantwortlichen benennen, der durch eine weiße Schärpe gekennzeichnet wird und als Ansprechpartner für die Ordnungskräfte dient.

Die maximale Höhe für Fahrzeuge liegt bei vier Metern. Je Fahrzeugachse müssen von den Vereinen zwei ehrenamtliche Ordner eingesetzt werden.

Kraftfahrzeuge und Anhänger müssen rundum verkleidet sein, sodass ausgeschlossen ist, dass etwa Kinder zum Bonbonsuchen unter die Wagen krabbeln.

Gerade diese letzte Auflage bereitet vielen Teilnehmern Kopfzerbrechen, da sie viel Arbeit und Geld investieren müssen, um die Fahrzeuge - meist geliehene Traktoren - entsprechend auszurüsten.

Wieland Eschenburg: "Wir kennen natürlich die Sorgen der Karnevalisten und wissen, dass das Sicherheitskonzept nicht immer einfach umzusetzen ist." Aber eine Alternative zu den seit 2012 geltenden Vorschriften gebe es nicht.

"Wir müssen alles daran setzten, dass die aktiven Teilnehmer, die ehrenamtlichen Helfer und die Besucher am Straßenrand den Zug der fröhlichen Leute gut gelaunt und unbeschadet verfolgen können. Daher ist am Sicherheitskonzept nicht zu rütteln."

Zum Thema:
Beim Karnevalsumzug 2011 hatte sich ein schwerer Unfall ereignet. Die Aufbauten eines Motivwagens hatten sich an einer Kabelbrücke verfangen und waren umgestürzt. Zwölf Menschen wurden bei dem schweren Zwischenfall verletzt. Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind in diesem Jahr neben dem Technischen Hilfswerk, dem Roten Kreuz und der Freiwilligen Feuerwehr erstmals auch die Johanniter vor Ort. Frank Czepok: "Über diese Unterstützung sind wir sehr froh." Auch über die finanzielle Unterstützung vonseiten der Stadt sei der Karnevalsverband sehr glücklich.