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Ansturm auf dem Truppenübungsplatz

Wie gebannt verfolgten die Besucher den Start des Transport-Hubschraubers CH 53, der einen Wassertank über dem Übungsplatz entleerte.
Wie gebannt verfolgten die Besucher den Start des Transport-Hubschraubers CH 53, der einen Wassertank über dem Übungsplatz entleerte. FOTO: amz1
Haide. Der vierte Tag der offenen Tür auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz war ein riesiger Erfolg. Mehr als 8350 Besucher kamen auf das Bundeswehrgelände. amz1

Nur aller drei Jahre öffnet die Bundeswehr mit einem Tag der offenen Tür ihren Truppenübungsplatz Oberlausitz in Haide für Besucher. Und das Interesse daran ist ungebrochen riesig. Mehr als 8350 Menschen kamen am vergangenen Samstag auf das Gelände - ein neuer Besucherrekord.

Auf einer anderthalb Kilometer langen Festmeile wurden Vorführungen und ein buntes Programm geboten, das insgesamt fast 400 Helfer von Militär über Polizei und Feuerwehr, Technischem Hilfswerk bis zum Bundesforst und diversen Naturschutzorganisationen vorbereitet hatten.

Höhepunkt für viele Besucher ist die Besichtigung der Technik. Denn wann hat "Otto Normalbürger" schon mal die Möglichkeit, einen Militär-Hubschrauber oder einen Panzer von innen zu besichtigen? Als Julian Schulz aus dem Leopard-2-Panzer klettert, strahlt der Sechsjährige übers ganze Gesicht. "Echt viel Platz darin. Und am besten ist die Kanone", sagt der Steppke, der mit Vater Sebastian Schulz aus Groß Kölzig auf den Truppenübungsplatz gekommen ist. Mehr noch: "Ich will mal zur Armee, so wie Papa." Tatsächlich ist Sebastian Schulz bei der Luftwaffe im anhaltinischen Holzdorf stationiert. "Mit solch einem Panzer bin ich auch schon mal gefahren", erzählt er.

Um die Militärtechnik geht es auch bei Familie Metaschk. Ralf Metaschk hat seine beiden Töchter Henriette und Friederike mitgebracht. "Der Panzer ist ein bisschen unheimlich, aber trotzdem spannend", gibt die siebenjährige Henriette zu. "Das muss man mal aus der Nähe gesehen haben", so Papa Ralf Metaschk aus Wittichenau.

Die Bundeswehr hat mit ihren Partnern jede Menge militärisches und rettungstechnisches Gerät aufgefahren. Beispielsweise einen Transporthubschrauber mit der Bezeichnung "CH 53". Bis zu fünf Tonnen Material kann das Fluggerät problemlos transportieren. Die Kinder von der Guttauer Jugendfeuerwehr, die einen Blick in den Bauch des "Hubis" werfen dürfen, kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus.

Natürlich fehlt an diesem Tag auch die Feuerwehr nicht. Der Truppenübungsplatz Oberlausitz verfügt über eine eigene Wehr mit insgesamt 60 Kameraden, wie Truppmann Jonny Lieske berichtet. Nach Angaben von Wehrleiter Dietmar Schattel müssen seine Jungs an manchen Tagen bis zu achtmal ausrücken, weil es irgendwo brennt, meist durch Munition verursacht. Da kommen pro Jahr schon mal zwischen 600 und 700 Einsätze zusammen.

Einen weiteren Höhepunkt des Tages der offenen Tür bildet das Modell des Übungsplatzes. Mehrere Kräfte des Bundesforstamtes Lausitz haben es etwa im Maßstab 1:5 innerhalb von nur drei Tagen in einer Militärhalle gebaut. Aus Sand, Zweigen, Baumstämmen und mit Tierpräparaten sind der Tagebau Reichwalde mit Außenhalde und Spree erkennbar. Nach Angaben vom Leiter des Bundesforstamtes, Franz Graf von Plettenberg, betreut seine Behörde insgesamt 34 000 Hektar Wald, davon knapp die Hälfte auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz.

Als Organisationschef des Tages der offenen Tür fungiert indes Hauptmann Gunder Kubissa. Bereits im November 2016 habe er mit seinen Leuten mit ersten Vorbereitungen begonnen. Alles aufgebaut worden sei dann innerhalb von nur wenigen Tagen. Tatsächlich loben die meisten Besucher die professionelle Organisation. Alles ist leicht erreichbar und bestens ausgeschildert.

Platzkommandant René Pierschel erläutert, dass derzeit 40 Soldaten und 250 Angestellte zum Stammpersonal auf dem Truppenübungsplatz gehören, der mit 17 450 Hektar der drittgrößte in Deutschland ist.

Ein besonderer Gast auf dem Truppenübungsplatz war am Samstag der stellvertretende Botschafter von Singapur, Mr.Lee Boon Beng. Denn sogar die Truppen seines Heimatlandes nutzen das Gelände in der Oberlausitz seit nunmehr zwei Jahren für ihr Training. "Unsere Soldaten haben hier beste Bedingungen für das Panzertraining", so der südostasiatische Gast.