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| 18:28 Uhr

Fischerfest ohne Fischzug in Rietschen
Anstatt Karpfen gibt es Pilze und Birnen

Pilze in 129 Arten sind am Stand des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zu bestaunen. Peter Ulbrich (r.) steht als einer der Berater der Ausstellung zur Verfügung.
Pilze in 129 Arten sind am Stand des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft zu bestaunen. Peter Ulbrich (r.) steht als einer der Berater der Ausstellung zur Verfügung. FOTO: Ingolf Tschätsch
RIETSCHEN. Der Erlichthof Rietschen erlebt zum 25. Natur- und Fischerfest am Sonnabend einen Besucheransturm - auch ohne das beliebte Abfischen.

Ausnahmezustand am Sonnabend auf dem Erlichthof Rietschen: Menschenmassen, Parkplätze, die aus allen Nähten platzen.  „Das liegt am schönen Wetter“, meint ein Verkehrshelfer. „Beim letzten Mal waren weniger hier“, sagt ein älterer Mann zu seiner Frau. Marktleiterin Sabine Wiering freut natürlich der enorme Zuspruch für dieses 25. Natur- und Fischerfest.

„Wir brauchen viele Besucher. Denken Sie nur an die Kosten, die uns bei einer solchen Größenordnung entstehen. 65 Stände sind heute auf dem Platz zu finden.    Wir haben beim Rahmenprogramm auch an die Kinder gedacht und keine Mühe gescheut, um ihnen beispielsweise Bogenschießen, Pferdereiten und den Bau von Fackeln anzubieten“, begründet die Marktleiterin.

Ralph Werner von der Fischzucht Rietschen GmbH hat gerade einen Karpfen am Wickel. In diesem Jahr sind die Flossentiere insgesamt etwas kleiner, sollen aber sogar noch besser schmecken. Auf das Abfischen mussten die Besucher dieses Mal leider verzichten. Es fiel der Trockenheit zum Opfer.
Ralph Werner von der Fischzucht Rietschen GmbH hat gerade einen Karpfen am Wickel. In diesem Jahr sind die Flossentiere insgesamt etwas kleiner, sollen aber sogar noch besser schmecken. Auf das Abfischen mussten die Besucher dieses Mal leider verzichten. Es fiel der Trockenheit zum Opfer. FOTO: Ingolf Tschätsch

Ein Stück hinter dem Eingang - sozusagen in der „Einflugschneise“ - präsentiert Heinz Lohr aus Mühlrose herrliche Äpfel und Birnen. Er habe früher viele Jahre beim Großhandel gearbeitet, kenne noch so einige aus der Branche und nutze diese Kontakte, wie er erzählt. „Und als Rentner macht mir das Verkaufen Spaß, ich will unter Leute“, fügt der umtriebige Senior hinzu. Zwölf Äpfel- und drei Birnensorten hat Lohr an seinem Stand ausgelegt, der immer wieder von Besuchern umlagert wird.

Gerade ist es Peggy Ottlinger aus Bautzen, die mit ihrem Partner und dem 15-jährigen Sohn Clemens nach passenden Vitaminspendern sucht. Schon zeigt sich das Verkaufstalent des Mühlrosers, der besonders bei seinen Birnen zur Höchstform aufläuft und dabei nicht müde wird, die Sorte mit dem Namen Xenia anzupreisen. Sie ist sehr groß und sieht beinahe wie eine Quitte aus, wie eine Frau treffend bemerkt. Xenia klingt irgendwie ausländisch. „Nein, stammt aus der Magdeburger Börde“, klärt Lohr auf. „Die müssen Sie nehmen, Sie werden überrascht sein. Davon geben Sie nichts ab, die essen Sie selbst auf“,  animiert der Händler Frau Ottlinger und die anderen. Sein Werben zeigt bei der Bautzenerin Wirkung - sie kauft nicht nur Xenia, sondern gleich alle drei Birnensorten.

„Wir sind nicht das erste Mal auf dem Erlichthof. Heute sind wir eigentlich aber nur wegen Clemens hergekommen. Er ist Angler und wollte unbedingt das Abfischen miterleben. Schade, dass es nicht stattfindet. Dabei haben wir noch früh im Internet nachgeschaut und keinen Hinweis darauf gefunden, dass nicht abgefischt wird“, zeigt sich das Trio enttäuscht. Anstatt Karpfen also Birnen. Vielleicht hilft die süße Xenia Clemens wenigstens ein bisschen über den Schmerz hinweg.

Ja, auf das Schauspiel, wie die Männer mit ihren Wathosen, im Wasser stehend, die Netze mit den Schuppentieren einholen müssen die Besucher dieses Mal leider verzichten. Der Dienstwiesenteich musste bereits im Sommer wegen Wassermangels notabgefischt werden. Der Grund: die lang anhaltende Trockenheit. Aber Karpfen und andere kiementragende Artgenossen sind dennoch am Stand der Fischzucht Rietschen GmbH zu sehen und vor allem zu schmecken. Gerade holt Ralph Werner einen solchen Cyprinus carpio aus dem Wasserbehälter, tötet ihn und nimmt ihn aus. Ein ganz ansehnlicher Bursche. „Dieser dürfte so 2,5 Kilogramm haben. In diesem Jahr sind sie in der Regel nur zwischen 1,5 und 2,5 Kilogramm. 2,5 Kilo jedoch seltener. In anderen, besseren Jahren liegt ihr Gewicht zwischen drei und 3,5 Kilogramm“, erklärt der Fischer. Obwohl etwas kleiner, sollen sie um so besser schmecken, urteilen Feinschmecker.

Ein Stück weiter am Stand des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft lockt eine andere Spezies, die für Gaumenfreuden sorgt - Pilze. Was, wo gibt es Pilze bei dieser Trockenheit? „Was glauben Sie, was Sie hier sehen?“, entgegnet Peter Ulbrich, einer der Standbetreuer der Ausstellung. Und gleich 129 Arten.

 Kulturgenuss gibt es bei diesem 25. Natur- und Fischerfest natürlich auch. Inmitten des Menschengewimmels steht „Hatzebliemel“ alias Ulli Teichert aus Weißwasser und entlockt seiner Drehorgel wohlklingende Töne. An anderer Stelle wiederum ist es das Dresdener Trio „TAM TAM“ mit brassig und schräger Musik und später auf der kleinen Freilichtbühne die Weißwasseraner Oldie- und Country-Band „Vergissmeinnicht“.