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Anrainern graut's vorm Sommer

Dicht an dicht stehen Enten, aufgenommen am 22.02.2017 auf einer Geflügelfarm in Saint Aubin (Frankreich). Die Keulung der Tiere gehört zu einer Maßnahme, mit der die Ausbreitung der Vogelgrippe eingedämmt werden soll. Insgesamt wurd die Tötung von 360.000 Enten vom Landwirtschaftsministerium angeordnet. Foto: Bob Edme/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Dicht an dicht stehen Enten, aufgenommen am 22.02.2017 auf einer Geflügelfarm in Saint Aubin (Frankreich). Die Keulung der Tiere gehört zu einer Maßnahme, mit der die Ausbreitung der Vogelgrippe eingedämmt werden soll. Insgesamt wurd die Tötung von 360.000 Enten vom Landwirtschaftsministerium angeordnet. Foto: Bob Edme/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Bob Edme (AP)
Groß Düben. Es ist fast schon ein Jahr her, dass die Groß Dübener bei einer Anwohnerversammlung zum Thema Entenmast Dampf abgelassen haben. Seitdem haben sie das Gefühl, dass sich nichts bewegt hat – höchstens hinter verschlossenen Türen und nicht zu ihren Gunsten. REgina Weiss und Gabi Nitsche

Deshalb untermauern Reinhard Masula, Jana Nagorka und Ronny Fiedler im Beisein der RUNDSCHAU ihre schon im letzten Jahr getroffene Forderung: Die Entenmast-Anlage muss geschlossen werden. Denn Frühjahr und Sommer stehen vor der Tür, und den Anwohnern schwant nichts Gutes. Ihre Befürchtung: Gestank ohne Ende.

Selbst in den kalten Wintertagen blieben sie von den intensiven Ausdünstungen der Anlage beziehungsweise deren Abfallprodukten nicht verschont. "Ein ekliger Verwesungsgeruch lag in der Luft", spricht Gemeinderat und Gastwirt Köppen klare Worte. Ein Geruch, der Gäste vertreiben kann.

Genau diesem, dem Geruch, sollte ein Gutachten auf die Spur kommen. Im jüngsten Amtsblatt sind Auszüge daraus veröffentlicht worden. Weil das laut Landratsamt Bürgermeister Helmut Krautz (parteilos) als ersten Schritt so wollte, hielt sich die Behörde hinsichtlich RUNDSCHAU-Anfragen zurück. Das sei mit dem Bürgermeister so abgesprochen, hieß es. Absprachen und Gemauschel befürchten die Anwohner, was die Anlage betrifft. Denn das Ergebnis des Gutachtens sei zuerst mit dem Anlagenbetreiber besprochen worden.

Die Anwohner erfuhren nichts oder nur das, was Bürgermeister und Gemeinderat Thomas Storp bei einem Gespräch in der Fachbehörde in Löbau im Dorf erläutert wurde. Nun soll plötzlich eine Verquickung von Geruchsverursachern Schuld an dem Dilemma in Groß Düben sein. "Die führen uns doch an der Nase herum", ereifert sich Reinhard Masula. Auch, dass es auf Nachfragen zum Gutachten keine ordentlichen Antworten gebe, macht Jana Nagorka ärgerlich.

Sie wie alle anderen fordern, dass ihnen das Ergebnis der Untersuchung in einer Beratung erklärt wird. "Das hätte schon längst passieren müssen", so Jana Nagorka. Und sie schickt noch hinterher: "Mir graust vor dem Sommer."

Thomas Storp gab auch in der jüngsten Ratssitzung nicht klein bei. "Die Leute sollten zeitnah etwas erhalten, aber nur einer erhielt ein Schreiben." An Helmut Krautz gerichtet, erinnerte Storp: "Die haben uns beiden versprochen, dass die Anwohner das erhalten. Nichts. Und die letzte E-Mail von denen - mein Scholli", machte sich Storp Luft, ohne näher auf den Inhalt einzugehen. Für ihn steht fest, dass sich der Gemeindechef und er die Fahrt nach Löbau hätten schenken können.

Krautz ergeht es nicht anders, sagte er am Tag darauf am RUNDSCHAU-Telefon. "Wir sind permanent am Thema dran. Aber es wird wohl so weitergehen, denn die Behörde sieht keinen Grund, die Anlage zu schließen." Wie Storp im Rat erläuterte, brauche es eine bestimmte Flächengröße, um den Mist der Anlage auszubringen. "Diese Fläche hat der Betreiber aber nicht ausreichend. Das habe ich denen im Landratsamt auch nachgewiesen." Krautz sagt, die Gemeinde weise die Behörde immer wieder darauf hin. . .

Letztlich habe das Gutachten aufgezeigt, dass nur eine komplexe Modernisierung aller Ställe und Außenanlagen wirkliche Verbesserungen bringen würden. Die Investitionskosten werden als "enorm" bezeichnet. Unabhängig davon würde Groß Düben einem Neubau nicht zustimmen, erklärte Krautz.

Übrigens beschäftigt der Gestank aus der privat geführten Mastanlage nicht nur die Groß Dübener. Je nachdem, wo der Mist verkippt wird, haben ihn nun auch andere in der Nase. Zum Beispiel die Randlage Schleife hatte etwas davon. Besonders schlimm, dass auch Mist nahe des Friedhofes in Groß Düben abgelagert worden ist.

Über solche Sachen können die Betroffenen schon fast resigniert den Kopf schütteln. Denn Konsequenzen sind aus ihrer Sicht Fehlanzeige.

Zum Thema:
Nachts sind die Belästigungen am stärksten, weil Klappen in der Anlage geöffnet werden? Nein. Die Lüftungsanlage sei an den Wärmebedarf der Tiere und an die Außentemperaturen gekoppelt.Überbelegte Ställe? Das hat sich bei Begehungen und den jeweils vor Ausstallungen erfolgten Kontrollen der Behörde nicht bestätigt.Kadaver liegt herum? Kadaver lagern ordnungsgemäß und werden regelmäßig abgeholt.Ausgebrachter Mist lagert auf dem Feld und bringt Probleme? Das Zwischenlager ist für maximal ein halbes Jahr erlaubt. Das Ausbringen zu kontrollieren, obliegt dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie.In Auswertung des Geruchsgutachtens mit dem Betreiber wurden Sofort- und mittelfristige Maßnahmen angeordnet: bauliche Lücke zwischen den Aufzuchtställen schließen; Grube für Waschwasser mit künstlicher Schwimmschicht abdecken; Außenfestmistlager im Anlagenbereich entfällt. Der Anlagenbetreiber hat gegenüber der Behörde angekündigt, sein Betreiberkonzept auf zertifizierte Öko-Mast umzustellen. Jeweils zwei Monate im Jahr, vorzugsweise im Sommer, soll die Mast ausgesetzt werden. Das würde direkt emissionsmindernd wirken. Die Bepflanzung um die Anlage soll fortgesetzt werden. Der Betreiber sei an einem Stallneubau interessiert. Eine Reduzierung der Tierplätze kommt aus wirtschaftlichen Gründen für ihn nicht infrage.