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| 02:59 Uhr

Anrainer-Kosten noch ungeklärt

Auch Joachim Schmidt entsorgt sein geklärtes Abwasser in den Bürgermeisterkanal, ein verrohrtes Grabensystem von neun verzweigten Trassen mit einer Gesamtlänge von etwa sieben Kilometern. Drei Trasssen müssen jetzt saniert werden.
Auch Joachim Schmidt entsorgt sein geklärtes Abwasser in den Bürgermeisterkanal, ein verrohrtes Grabensystem von neun verzweigten Trassen mit einer Gesamtlänge von etwa sieben Kilometern. Drei Trasssen müssen jetzt saniert werden. FOTO: Joachim Rehle/jor1
Groß Düben. Das Ergebnis einer Prüfung, in welchem Zustand sich die Trassen I, II und VI vom Bürgermeisterkanal in Groß Düben befinden und wie hoch der Sanierungsbedarf ist, liegt jetzt vor. Den Auftrag, das zu ermitteln, hatte das Ingenieurbüro Sawa GmbH aus Cottbus. Doch mit den konkreten Zahlen halten die Groß Dübener noch hinter verschlossenen Türen. Gabi Nitsche

Während der Ratssitzung vergangenen Donnerstag händigte Bürgermeister Helmut Krautz (SPD) dem zuständigen Amtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Schleife, Steffen Seidlich, eine Dokumentation des beauftragten Ingenieurbüros aus. In dem dicken Ordner steckt die Prioritätenliste für die Sanierung des Bürgermeisterkanals einschließlich Kostenschätzung. Ebenso enthalten sei eine Zusammenfassung von der erfolgten Kamerabefahrung der Trassen I, II und VI.

Seidlich stecke derzeit mitten in der Auswertung dieser Unterlagen und sei nicht legitimiert, Details oder gar Kostenschätzungen, was den Sanierungsbedarf angeht, bekannt zu geben, sagte er auf Nachfrage. Nach dem, was er dem Packen Papier aber bisher entnehmen konnte, sei es angeraten, sich mit den Sawa-Ingenieuren und dem Groß Dübener Bürgermeister zusammenzusetzen und sich zu verständigen. Denn die Zeit drängt, weist die Prioritätenliste doch einige Maßnahmen aus, die kurzfristig umzusetzen seien. Außerdem wolle sich Seidlich nicht mit dieser Zusammenfassung zufriedengeben. "Es gibt noch zwei Ordner mit den ausführlichen Ergebnissen der Kamerabefahrungen, die mir noch nicht ausgehändigt wurden", so Seidlich.

Bürgermeister Krautz will keine Schnellschüsse. Das betonte der Gemeindechef in der Ratssitzung. Bevor die betroffenen Bürger, die ihre Abwässer in diesen Kanal einleiten, die genauen Kosten erfahren, die auf sie zukommen, müssen noch verschiedene offene Fragen beantwortet werden, hieß es. Zum Beispiel die, so Krautz, wie Groß Düben mit den Themen Anschlusszwang oder kein Anschlusszwang sowie abflusslose Sammelgruben umgehen will. "Alles muss genau überlegt sein und sicher. Abwasser ist ein sensibles Thema", meinte Krautz. Seinen Worten nach rechne er mit Widersprüchen seitens der Einwohner im Ortsteil, die ihre Abwässer in den Bürgermeisterkanal einleiten.

Über eine Satzung soll die gesamte Problematik geregelt werden. Erst wenn alles klar sei, könne mit den Leuten geredet werden. Eine Einwohnerversammlung bereits jetzt durchzuführen, lehnte Krautz wiederholt ab. "Aber die Leute müssen wissen, dass es ohne deren finanzielle Beteiligung nicht funktioniert", sagte der Groß Dübener.

Das beginnt damit, dass die Anrainer der genannten drei Trassen erst einmal ihre eigene Kleinkläranlage umrüsten müssen. Denn sie sind verpflichtet, solche Bedingungen zu schaffen, dass nur biologisch gereinigtes Abwasser in den Bürgermeisterkanal eingeleitet wird. Diese Forderung hat das Land aufgemacht und als ersten Termin 2012 genannt. Groß Düben ließ bekanntlich diese Frist verstreichen. Die Konsequenz daraus waren Tausende Euro Abwasserumlage an das Land. Gezahlt wurde es aus der Gemeindekasse, also von den Steuern, die alle Bürger zahlen. Gerade bei jenen in beiden Ortsteilen, die ihre Abwässer schon immer ordnungsgemäß entsorgten, sorgte das für böses Blut.

Inzwischen setzte Sachsen Groß Düben für diesen Ortsteil eine neue Frist. Nun muss bis Juni 2014 alles erledigt sein. Also in gut einem Vierteljahr. Laut Information der Gemeinde Groß Düben hatte diese die Anrainer gefragt, bis wann diese umrüsten. Von 70 Grundstückseigentümern reagierten 34 auf das Schreiben. 24 signalisierten, ihre Kläranlage umzurüsten. Bei zehn bestehe noch Klärungsbedarf.

Neben diesen Kosten wird Groß Düben nicht umhin kommen, von diesen Anrainern, sofern deren Abwässer weiterhin in den Kanal fließen, eine Einleitungsgebühr zu verlangen und diese an den Sanierungskosten des Kanals zu beteiligen. Wie tief die Leute tatsächlich in die Tasche greifen müssen, steht noch nicht fest. Einwohner Lutz Hermann ist optimistisch. 80 Prozent der Straßenentwässerung fließe seiner Meinung nach auch in den Bürgermeisterkanal. Wenn geklärt ist, dass der Freistaat Sachsen als Straßenbaulastträger der S 130 durch Groß Düben mit zur Kasse gebeten wird, bleibe nicht mehr viel, wofür die Anrainer aufkommen müssten, schlussfolgerte Hermann. Ratsmitglied René Köppen bekräftigte diesen Standpunkt.

Um diese Frage geht es bei einem Gespräch vor Ort, welches Bürgermeister Helmut Krautz mit der Unteren Wasserbehörde im Landkreis vereinbart hat. "Die kommen raus, dann geht es um die weiteren Schritte und wie es bei der Beteiligung des Straßenlastträgers an Abwasseranlagen weiter geht."

In dieser Sache soll es Ende März auch ein Arbeitsfrühstück im Rechtsanwaltsbüro Petersen/Hardraht in Dresden geben, an dem Krautz teilnehme.