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Anlagebetrug: Angeklagte kommen mit kleiner Geldstrafe davon

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Görlitz. Im Prozess um einen Anlagebetrug in Millionenhöhe sind am Mittwoch überraschende Urteile gesprochen worden. Die beiden Angeklagten, die Dutzende Menschen in der Oberlausitz um ihr Geld gebracht hatten, sollen selbst Opfer von Betrügern geworden sein. Bodo Baumert

Die beiden Angeklagten, ein 35 Jahre alter Student aus Berlin und ein 40 Jahre alter Leipziger Finanzwirt, standen vor der Wirtschaftskammer in Görlitz, weil sie nach Auffassung der Staatsanwaltschaft über ein Vertriebsnetz von 135 Vermittlern in Deutschland über 100 Anleger betrogen hatten, die meisten davon aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen. Die Anleger hatten im Vertrauen auf Renditen zwischen 0,7 und vier Prozent ihr Geld an die angeblich in London ansässigen und mit namhaften Investmenthäusern verbundenen Männer gegeben. Aus den Taten des Leipzigers sei den Anlegern ein Schaden von ungefähr 7,5 Millionen Euro entstanden, aus denen des Berliner Studenten ein solcher von ungefähr 2,1 Millionen Euro.

Im Prozess gab es dann aber eine unerwartete Wende. "Die Hauptverhandlung hat ergeben, dass die Angeklagten selbst durch diejenigen Personen, denen sie die Gelder der Anleger weiterleiteten, betrogen worden waren. Diese Personen, jeweils frühere Bankangestellte, sind jeweils zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden", berichtet Landgericht-Sprecher Jörg Küsgen.

Damit blieb nur noch der Vorwurf des "Betreibens von Bankgeschäften ohne Erlaubnis gemäß § 54 Kreditwesengesetz". Das Verfahren gegen den Leipziger Angeklagten wurde daraufhin mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung von 10 000 Euro eingestellt . Der Berliner Student kam mit einer Geldauflage von 500 Euro und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.