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Angeklagter wollte "junge Jungs" sehen

Cottbus. Weil er 2012 kinderpornografische Fotos und Videos genossen und weiterverschickt hat, ist ein 50-jähriger Mann aus Essen jetzt vorm Cottbuser Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Zwar mussten sich Amtsrichterin, Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Schöffen kein Material anschauen – sämtliche Aufnahmen von sexual genötigten, missbrauchten und gefesselten Kindern waren gelöscht. Annett Igel-Allzeit

Aber der Staatsanwalt benötigte eine Viertelstunde, um eindeutige Dateinamen und Korrespondenzen des Angeklagten mit anderen Kinderpornografie-Vertreibern zu verlesen. "Schicke doch mal einen Jungen, nicht nur Girls", hatte "Manni" gefordert. Ein Fußballtrainer wollte erklären, wie er an Jungs rankommt. Nein, für vierjährige Mädchen interessierte er sich nicht, "junge Jungs - so zwischen elf und 14 Jahren - die schon ein bisschen Spaß daran haben" wollte er sehen. Sie quatschten immer erst ein bisschen, wollten herausfinden, ob sie einander vertrauen können und was der andere zu bieten hat. In einer Korrespondenz schrieb Manfred K. auch über seinen besten Freund, bei dem er in Cottbus wohnte. Der hat ihm den Computer so eingerichtet, dass er chatten kann, half beim Öffnen und Verschicken von Videos und Fotos. Er hatte ihn im Gefängnis kennengelernt.

Manfred K. saß mehrmals im Gefängnis. Drogenhandel, Beschaffungskriminalität, versuchter Betrug. Sein frühester Eintrag im Bundeszentralregister verweist auf eine Verurteilung im Jahr 1996: sexueller Missbrauch von Minderjährigen in 145 Fällen und in über 30 Fällen an Schutzbefohlenen. Sexuell auffällig war er danach viele Jahre nicht - stattdessen spritzte er sich Heroin. Seit zwei Jahren sei er sauber, aber noch in Suchttherapie.

Dass ihn die Gefängnisstrafen nie zu einem besseren Menschen machten, ist neben seinem Geständnis vorm Amtsgericht mit ein Grund dafür, dass die zwei Jahre Haft zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt werden. Er bekommt einen Bewährungshelfer und muss sich wegen seiner pädophilen Neigungen in eine Sexualtherapie begeben. "Für so etwas komme ich nicht wieder vors Gericht. Versprochen. Ich will kein Internet mehr", sagt er. Er helfe jetzt seinem 35-jährigen Sohn in Essen, auch von den Drogen wegzukommen. Sein bester Freund aus Cottbuser Zeiten sitzt übrigens in der Sicherungsverwahrung - er soll sich an einem Säugling vergangen haben.