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| 03:06 Uhr

Anduschen in einer Erinnerungsstätte

Boxberg. Boxberg ist um einen Landschaftspark reicher. Das ehemalige Freibad ist dafür umgestaltet worden. Die Anlage bietet mehr als nur viel Grün, wie sich nun hoffentlich viele Gäste selbst überzeugen werden. Am Mittwoch ist die Anlage eröffnet worden. Regina Weiß

Die Chefin des Rates des Bezirkes musste Anfang der 80er-Jahre eingeschalten werden, um so manchen Materialposten abzunicken. "Fliesen waren wohl der größte Engpass", erinnert sich Boxbergs Bürgermeister Roland Trunsch (Freie Wähler) an die Zeit des Freibadbaus in Boxberg. Kraftwerksleiter Eckhard Dubslaff hatte sich vorangestellt, um das Projekt anzuschieben. 1976 war das gewesen. Am 31. Mai 1983 konnte das Bad schließlich eingeweiht werden. "Boxberg ist nun um ein Schmuckkästchen reicher", titelte damals die RUNDSCHAU.

Neueinweihung

"Heute haben wir nun wieder eine Neueinweihung", so Trunsch. Aus dem Gelände des Bades ist ein Landschaftspark geworden, eine Art Lichtung im Boxberger Kiefernwald. Eine würdige Erinnerungsstätte an ein Bad, dass Boxberg neben dem Kraftwerk weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht habe. 300 000 Besucher in den Anfangsjahren sind beredtes Beispiel dafür. Doch diese Zahl brach nach der Wende drastisch ein. Von 135 000 im Jahr 1992 blieben zehn Jahre später nur noch zehn Prozent. Dafür stiegen die Zuschusskosten enorm. Insgesamt flossen in zehn Jahren mehr als 3,2 Millionen D-Mark aus der Gemeindekasse ins Bad. Dieses konnte die Gemeinde nicht mehr halten. "Die Schließung war schmerzlich", erinnert Trunsch an den Ratsbeschluss von 2001. Fast 20 Jahre war es Schwimmbad: Nach der Saison 2002 war es vorbei.

Eine Träne im Knopfloch bleibe auch heute noch, geben Horst Jannack und Monika Urban vom Ortschaftsrat Boxberg zu. Im gleichen Atemzug sagen sie aber auch, dass das Bad so eine würdige Erinnerung erfährt. "Diese Meinung vertritt auch eine Vielzahl der Boxberger", weiß Jannack aus Gesprächen.

Dabei war lange Zeit gar nicht so richtig klar, was aus dem Bad werden würde. Alle Versuche, die stillgelegte Einrichtung einer sinnvollen Nachnutzung zuzuführen, blieben nämlich erfolglos. Hinzu kam, dass die Gemeinde auch die Entwicklung am Bärwalder See im Blick hatte. Parallelstrukturen sollten dort nicht aufgebaut werden.

2007 wurde schließlich ein studentischer Wettbewerb zur Umnutzung des Freibades ins Leben gerufen. Im Mai 2007 stand ein Sieger fest. Was folgte, war eine Machbarkeitsstudie zu Platz eins und zwei. Jetzt war klar, dass der zweitplatzierte Vorschlag den Vorstellungen am besten entsprach. "Brausen, Pumpen, Schleusen, Schäumer: ein Waschtag" lautete der Titel des Beitrages von Friedericke Lichtenthal und Claudia Schreckenbach von der TU Dresden.

Im Juli 2009 erfolgte der Planungsautrag an das Büro Rehwald Landschaftsarchitekten aus Dresden. Claudia Schreckenbach konnte als Mitarbeiterin die Umsetzung ihrer Wettbewerbsideen begleiten. "Es war ein außergewöhnliches Projekt und hat mir viel Spaß gemacht", sagte Claudia Schreckenbach bei der Eröffnung.

Arbeiten ab 2010

Als im August 2010 die endgültige Ausführungsvariante durch den Beschluss des Gemeinderates gefasst wurde - dabei ging es letztlich auch im die Kosten - waren die Abbrucharbeiten auf dem Gelände schon voll im Gange. Im Herbst 2010 erfolgte die Betonsanierung der Schwimmbecken. Die ursprüngliche Variante, die Fliesen zu erhalten, konnte nicht in die Tat umgesetzt werden. So wurde die Beckenrinne durch eine ortsansässige Metallbaufirma nachgebaut. Diese überarbeitet auch die Spielgeräte, den Sprungturm und baute den ehemaligen Schwimmmeisterturm nach. Der alte war nicht mehr zu retten gewesen.

Dort steht nun nicht mehr der Schwimmmeister, sondern kann sich der Gast selbst einen Überblick über das Gelände verschaffen. Das große Schwimmbecken hat einen Rasenboden erhalten, das kleine ist mit Sand gefüllt, so dass Fuß- und Volleyball gefrönt werden darf. "Radfahrer und Inlineskater können sich austoben", so Claudia Schreckenbach. Der Weg führt um das ehemalige Freibad und ist von dort an die anderen Strecken angebunden. Die Duschen kann man nach dem Sport zur Erfrischung nutzen. Die ehemaligen Durchschreitebecken haben nun eine drehbare Wasserspritze. Bänke und Tische laden zum Picknick ein. Nicht nur die Planer hoffen, dass die Anlage nun mit Leben erfüllt wird.

Dazu soll auch das Obstbaum-Suchspiel beitragen, das im Herbst gestartet werden kann, wenn auch die letzten Obstbäume gepflanzt sind. Neben 17 historischen Bäumen aus dem Tagebauvorfeld wurden 55 historische Obstbaumsorten (Apfel, Birne, Kirsche und Pflaumen) auf dem Areal gepflanzt. Da einige gestohlen wurden, macht sich eine Nachpflanzung erforderlich.

Später ist auch gewünscht, vom Obst zu kosten. Die alten Bäume aus dem Tagebauvorfeld jedenfalls haben schon Pflaumen getragen. Gemeinderätin Renate Schmidt hat daraus zur Einweihung einen leckeren Kuchen gezaubert.

Zum Thema:
Rund 750 000 Euro hat die Umgestaltung des Freibades gekostet. Zwei Drittel davon wurden durch das Bund-Länder-Programm Stadtumbau Ost gefördert.Neben Baufirmen haben auch die Mitarbeiter des Bauhofes Anteil an der Umgestaltung. Sie erledigten unter anderem die Fällarbeiten, den Bau der Trinkwasserleitung und den Abbau der Einfriedung. Außerdem pflanzten sie rund um das Badgelände rund 12 000 Kiefern, um eine geschlossene Waldkante zu bilden.