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| 10:47 Uhr

Aus dem Gericht
„Mach dich auf was gefasst! Heute Nacht wirst du vergast“

Weißwasser/Krauschwitz. Ein Krauschwitzer hat seiner eigenen Mutter gedroht. Dafür muss er sich vor Gericht verantworten. Von Marlies Tieke

Dass ein heute 53-Jähriger nach seiner Mutter einen massiven Schneeschieber und einen Plastekorb voll mit Kleiderbügeln geworfen hat, diese außerdem mit Fäusten traktiert und an den Haaren gezogen hat, hätte eigentlich schon für eine Anklage gereicht. Aber der Krauschwitzer, der nun in Weißwasser vor Gericht saß, hat noch einen oben drauf gesetzt: Er drohte seiner Mutter, sie zu vergasen.  Paul Z.* ist deshalb vom Amtsgericht Weißwasser zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, ausgesetzt zur Bewährung für zwei Jahre, verurteilt worden.

Während die Mutter Hilde Z.* vor dem Saal auf ihre Aussage als Zeugin wartet, gibt der Vorsitzende Richter Martin Hinrichs dem Angeklagten die Möglichkeit, sich zu dem Tatvorwurf zu äußern. Laut Aussage seines Verteidigers ist für ihn die Geschichte „Schnee von gestern“. Mutter und Sohn vertragen sich wieder, waren sogar gemeinsam im Urlaub, berichtet er.

Der Angeklagte selbst, der eigentlich in Berlin wohnt und nur gelegentlich nach Krauschwitz zu seiner Mutter kommt, gibt zu, dass er im Mai 2017 dort gewütet hat und den Schneeschieber nur weg, nicht aber nach der Mutter geworfen habe. Seine  Ausraster begründet er mit einem Zuckerschock, der wenige Tage danach zu einer Einweisung in eine Klinik geführt habe. Schon mehrere Wochen  zuvor habe er sich unwohl gefühlt, bis dahin aber nichts von dieser Erkrankung gewusst. Mittlerweile sei er gut eingestellt und solche Ausraster seien seitdem auch nicht mehr vorgekommen. Die Staatsanwältin hält ihm allerdings vor, dass es bekannt ist, dass er cholerisch sei und es nicht das erste Mal gewesen sei, dass er sich deshalb verantworten muss.

Das bestätigt seine Mutter in ihrer Zeugenaussage. „Na ja, es ist nicht einfach mit ihm, weil er sich schnell aufregt“, schildert sie dem Gericht. Deshalb sei sie schon öfter zu Nachbarn geflüchtet, weil sie sich nicht anders zu helfen wisse. An jenem Maitag, es war kurz nach ihrem Geburtstag, saß sie gegen Mittag in ihrem Arbeitszimmer, als der Sohn rein kam. Er habe gleich wieder begonnen, an der Ausstattung des Zimmers zu nörgeln und was darin alles geändert und rausgeworfen werden müsse. „Als ich ihm sagte, ‚das geht nicht’, wurde er wütend, warf das für ihn bereit gestellte Essen vom Tisch und rannte raus“, beschreibt Frau  Z. ihre Erinnerungen an diesen Tag.

Sie sei ihm dann gefolgt und sah ihn an der Garage stehen. Dort nahm der Sohn den Schneeschieber und warf ihn in ihre Richtung, genau wie den Korb voller Kleiderbügel, der dort abgestellt war. Wenn sie nicht zur Seite gegangen wäre, hätten sie beide Dinge sicher getroffen, ist sie sich sicher. Danach sei sie zunächst in den Wald geflüchtet und anschließend zu ihrer Nachbarin. Gegen 15 Uhr ging sie nach Hause zurück.

Doch als der Sohn sie sah, ging er „gleich auf mich los. Da bin ich in mein Schlafzimmer geflüchtet“, so die Zeugin weiter. Dort schlug er auf die Mutter ein, die sich schützend die Bettdecke über den Kopf gezogen hatte. Wütend habe er sie an den Haaren aus dem Bett gezogen und weiter auf sie eingeschlagen. Erneut flüchtete sie sich zur Nachbarin.

Der Hausarzt stellte am nächsten Tag ein Schädelhirntrauma, Oberschenkel- und Kopfprellungen sowie eine Prellung der rechten Nierenregion fest. Auf Nachfragen des Richters erklärt Frau Z., dass alles verheilt sei. Zur Bedrohung befragt, erfährt das Gericht, dass der Sohn nur zwei Tage später in den späten Abendstunden seine Mutter mit den Worten: „Du kannst dich auf was gefasst machen. Mach alles zu. Heute Nacht wirst du vergast“, gedroht hat. Voller Angst hat sie die Nacht in einem Gasthaus verbracht.

Der Angeklagte Z. erhielt die Möglichkeit des letzten Wortes. Aus seiner Sicht hatte er niemals die Absicht, seine Mutter zu verletzen. Und solche Wutausbrüche, „die kommen doch überall mal vor“.

Diese letzten Worte, die Richter Martin Hinrichs zu denken gegeben haben, ließen keine Geldstrafe in diesem Fall zu, so wie es die Verteidigung gefordert hatte. Deshalb folgte er dem Antrag der Staatsanwaltschaft und  verurteilte den 53-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind. Als Bewährungsauflage hat er unter anderem 60 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

*Name geändert