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| 16:10 Uhr

Für Allergiker keine schöne Sache
Ambrosia nervt Anwohner am Neiße-Deich in Sagar

 Die Ambrosie am Neiße-Deich in Sagar bedeckt inzwischen eine große Fläche.
Die Ambrosie am Neiße-Deich in Sagar bedeckt inzwischen eine große Fläche. FOTO: Privat
Sagar. Maßnahmen der Naturschutzbehörde bezeichnet der Landkreis als ausreichend. Das sehen Anlieger anders. Von Christian Köhler

Familie Mickan aus Sagar ist genervt. Am neuen Deich zur Neiße hin breitet sich nämlich Ambrosie aus. „Ich habe die Naturschutzbehörde kontaktiert“, erzählt Hans-Jürgen Mickan, „und die haben mir gesagt, die kümmern sich drum.“ Und das haben sie, erzählt der Sagarsche. Anfang der Woche sei auf dem neuen Damm gemäht worden. „Das ist unglaublich, denn dadurch bekämpft man die Ausbreitung der giftigen Pflanze nicht“, sagt Mickan.

Auf seinem Grundstück habe er die Pflanze ebenfalls – „aber wir ziehen sie raus, sodass sie sich nicht verbreiten oder vermehren kann.“ Er ärgert sich darüber, dass ihm niemand zuhört. Denn durch die Mähaktion seien wieder viele Samen in Richtung seines Grundstückes geflogen. „Ich warte nur darauf, dass Ambrosia wieder bei mir wächst“, erzählt Hans-Jürgen Mickan. Ferner tummeln sich an der Neiße viele Touristen, Radfahrer und Spaziergänger. „Für die ist die Pflanze doch gefährlich“, meint Mickan.

Gesundheitliche Gefährdung amtlich bestätigt

Tatsächlich bestätigt das Gesundheitsam die gesundheitliche Gefährdung, „insbesondere für Menschen mit bestehender allergischer Disposition“, erklärt Franziska Glaubitz vom Landratsamt Görlitz. Bei der Beifuß-Ambrosie handelt es sich um eine eingeschleppte, einjährige Pflanze, deren Pollen bei Allergikern starke Reaktionen hervorrufen können. Bei sensiblen Personen kann beim Anfassen der Pflanze auch eine Hautreaktion erfolgen. „Es handelt sich jedoch nicht um eine Giftpflanze“, betont die Kreissprecherin.

Auch die Landestalsperrenverwaltung, die den Deich in diesem Jahr fertiggestellt hat, hat bereits im vergangenen erste Vorkommen der Beifußblättrigen Ambrosie auf dem Deich festgestellt und mit den zuständigen Behörden, also der Landesdirektion Sachsen sowie der oberen Naturschutzbehörde Kontakt aufgenommen. „Nach Aussage der ökologischen Baubegleitung ist der Verbreitung mit regelmäßiger Mahd zu begegnen, damit die Pflanzen nicht zur Blüte reifen und keine Pollen gebildet werden“, erklärt Britta Andreas von der Landestalsperrenverwaltung in Bautzen.

Zweimalige Mahd sei ausreichend

FOTO: privat

Durch die zweimalige Mahd der Deichfläche schien das Problem 2018 bewältigt zu sein. „Als 2019 ein erneutes Ambrosia-Vorkommen festgestellt wurde, wurde die Mahd umgehend veranlasst“, erklärt Britta Andreas. Die Vegetation im betroffenen Bereich werde weiterhin beobachtet. Wenn erforderlich wird die Anzahl der Pflegegänge erhöht.

„Aufgrund der geschilderten Umstände sind die ergriffenen Maßnahmen jedoch aus naturschutzfachlicher Sicht ausreichend“, erklärt Franziska Glaubitz vom Landkreis Görlitz auf Nachfrage. Es bestehe daher kein weiterer Handlungsbedarf, „weil an dieser Stelle von der Beifuß-Ambrosie keine weiteren Gefahren für Natur und Landschaft zu erwarten sind“, heißt es aus dem Landratsamt.

Auftreten der Ambrosie sei vorübergehend

Das Auftreten auf dem neu aufgeschütteten Damm werde generell als eher vorübergehend eingeschätzt. Die dauerhafte Begrünung des Dammes und die Bildung einer geschlossenen Vegetationsdecke werde ferner der einjährigen Pflanze zukünftig kaum noch Wuchsraum bieten, da sie zunehmend von heimischen Pflanzen zurückgedrängt wird.

Während das Bundesamt für Naturschutz und das Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz empfehlen, bei kleinen Vorkommen der Beifuß-Ambrosie, beispielsweise im Hausgartenbereich, die Pflanze herauszureißen, sei dies jedoch in größeren Flächen nicht zu handhaben. „An Hochwasserschutzanlagen ist die Bekämpfung der Vorkommen mit üblichen Bewirtschaftungsmaßnahmen, wie der Mahd, angebracht“, erklärt Franziska Glaubitz.

Hans-Jürgen Mickan unterdessen wird das kaum helfen. „Ich beobachte die Sache weiter“, verspricht er.