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Millionenprojekt
Am Montag beginnt der Probelauf

Am Bärwalder See könnte künftig das Trinkwasser für rund 35 000 Abnehmer in der Region gewonnen werden.
Am Bärwalder See könnte künftig das Trinkwasser für rund 35 000 Abnehmer in der Region gewonnen werden. FOTO: LMBV/Radke
Weißkeißel/Boxberg. Die Untersuchungen für Trinkwassergewinnung am Bärwalder See gehen weiter ins Detail. Von Regina Weiß

Wissen Sie, was Isohypsen sind? Geläufig sind vielleicht Isobaren. Derweil Letztere Linien gleichen Luftdrucks sind, sind Erstgenannte Linien gleichen Wasserstandes im Erdreich. Und die sind wichtig, wo es um die Beschaffung von Trinkwasser geht. Nicht nur die Isohypsen haben der Wasserzweckverband (WZV) Mittlere Neiße-Schöps und die Fachleute aus Dresden im Blick, wenn es um die Uferfiltratfassung am Bärwalder See geht.

Diese mögliche neue Trinkwasserfassung wird weiterhin akribisch untersucht. „Bei der Planungsstufe eins sind wir fast fertig“, hören Donnerstagabend die Gemeinderäte von Weißkeißel. Dort ist Petra Brünner, die Geschäftsführerin des WZV, zu Gast. Dessen Mitglieder haben sich entschlossen, die Gemeinderäte aus dem Verbandsgebiet zu informieren. In Weißkeißel ist es die gesamte Ratsrunde, die auf den aktuellen Stand gebracht wird, anderswo sind es Ausschuss-Mitglieder.

„Die Menge des Wassers ist da“, kann Petra Brünner zur allgemeinen Beruhigung verkünden. Eine wichtige Info, schließlich geht es um die Zukunft, konkret um bezahlbares Wasser für rund 35 000 Einwohner und zahlreiche Industriebetriebe nach dem Ende der Wasserversorgung aus Schwarze Pumpe.

Zur Planungsstufe eins gehört der Bau von vier Grundwassermess-Stellen und einem Brunnen am Bärwalder See unweit des Radweges. „Am Montag starten die Pumpversuche“, kündigt Petra Brünner an. Zwei Wochen lang werden 150 Kubikmeter je Stunde an die Erdoberfläche geholt und über eine Leitung in den Bärwalder See gefördert. In dieser Zeit der maximalen Entnahme werde genau geguckt, wie sich der Grundwasserstand entwickelt und ob er zum berechneten Modell passt.

Die Planungsstufe zwei, die bis Mitte 2018 abgearbeitet wird, ist nicht weniger anspruchsvoll. Da muss unter anderem betrachtet werden, welche Auswirkungen die Wasserentnahme für Natur und Tourismus haben. Reichlich Konfliktpotenzial, ahnt Petra Brünner.

Denn der Bärwalder See darf als Speicherbecken die Staulamelle von 123 Meter über Normalnull nicht unterschreiten. „Denn sonst wäre die touristische Nutzung verboten, und das ist ein K.o.-Kriterium“, erklärt die Fachfrau.

Parallel zu diesem Probelauf und den Untersuchungen arbeitet der Wasserzweckverband an der Ausschreibung der Ingenieurleistungen für die Brunnengalerie und das notwendige Wasserwerk. Denn diese muss bei der Investitionssumme europaweit erfolgen. Dennoch will man  keine Zeit vergeuden.

Noch in diesem Monat erhalten Studenten an der Universität in Dresden den Auftrag ein Modellwasserwerk zu erstellen. Eines, das den modernen Anforderungen für die Wasserwirtschaft Genüge tut, das aber auch energetisch auf dem aktuellen Stand ist. Das Pilotprojekt ist nach Ansicht von Petra Brünner wichtig, um bei den Ausschreibungen den Vergleich zu haben, ob das Angebot wirklich passend ist.

Dabei muss nicht wirklich ein neues Wasserwerk gebaut werden. Denn das in Boxberg ist ja noch da. „Es muss nur ertüchtigt werden“, erklärt Petra Brünner. Positiv sei zudem, dass das mögliche neue Wasser aus den Tiefen am Ufer des Bärwalder Sees eine bessere Qualität hat, als das jetzige aus Schwarze Pumpe. Dieses habe zum Beispiel einen hohen Eisenanteil, was einer besonderen Aufbereitung bedarf. Diese könnte dann wegfallen. Außerdem weise das Wasser aus der Uferfiltratfassung eine geringere Härte auf.

Läuft alles nach Konzept, dann sollte die Planung für die neue Trinkwasserfassung bis Mitte 2019 stehen. Ab Ende 2019 könnte dann gebaut werden, erklärt Petra Brünner der RUNDSCHAU auf Nachfrage.

Aber bis dahin muss noch eine ganz wichtige Frage geklärt werden, die nach dem Geld. Nach wie vor stehe der Beschluss des Verbandes, dass das Trinkwasser nach der Investition nicht mehr als fünf Cent pro Kubikmeter teurer werden darf. Das umfasse die sogenannten Sowiesokosten. Heißt: Das ist Geld, das der WZV auch in mögliche Wasserwerke investiert hätte, wären sie nicht zum Teil aufgrund des Tagebaubetriebes und seiner Einflüsse außer Betrieb gegangen.

Rund fünf bis sechs Millionen Euro kostet das Vorhaben nach derzeitigen Schätzungen. Die bergbaubedingten Mehrkosten sollen über Paragraf-III-Mittel getragen werden, so weit die Absprache mit dem Umweltministerium in Dresden. Allerdings ist der Finanzierungsschlüssel noch nicht festgelegt. „Darum geht es im nächsten Jahr“, so Petra Brünner. Sie weiß, dass sie dabei acht Bürger- sowie einen Oberbürgermeister aus dem Verbandsgebiet hinter sich hat. „Sie ziehen alle an einem Strang.“

Hier wird der Trinkwasserbrunnen am Bärwalder See gebohrt, der am Montag in Probebetrieb geht.
Hier wird der Trinkwasserbrunnen am Bärwalder See gebohrt, der am Montag in Probebetrieb geht. FOTO: Petra Brünner