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| 02:50 Uhr

Alternative zum Großstadtstress

Für dieses Foto schlüpfte Kommwohnen-Mitarbeiterin Lisa Gutjahr in die Rolle des Nutzers einer Probewohnung.
Für dieses Foto schlüpfte Kommwohnen-Mitarbeiterin Lisa Gutjahr in die Rolle des Nutzers einer Probewohnung. FOTO: U. Menschner/ume1
Görlitz. Die Görlitzer Innenstadt bleibt als Wohnstandort attraktiv – besonders für die ältere Generation. Dies zeigt die dritte Auflage des Probewohnens. Uwe Menschner / ume1

Mittlerweile hat die wissenschaftliche Auswertung stattgefunden, die Ergebnisse wurden nun präsentiert.

Einfach mal eine Woche lang "für lau" wohnen - in einer attraktiven Umgebung und in einer Stadt, die als eine der schönsten in Deutschland gilt - wer würde da schon nein sagen? Auch bei der dritten Auflage des Görlitzer Probewohnens gab es weitaus mehr Bewerber, als letztlich Teilnehmer zugelassen werden konnten. "Wir trafen unsere Auswahl anhand von Kriterien, die ein möglichst breites Alters- und Sozialspektrum gewährleisteten", so Robert Knippschild. Er leitet das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Städtebau (IZS), welches das Probewohnen des Jahrgangs 2016 wissenschaftlich begleitet hat.

Die wichtigste Aussage lautet: Görlitz ist für alle Altersklassen attraktiv - besonders aber für die "Best Ager" über 50. 47 Prozent der 227 Teilnehmer an der dritten Auflage gehörten dieser Altersgruppe an. Ebenfalls auffällig: Ein überproportional großer Anteil kam aus Großstädten - allein 35 aus Berlin, aber auch 13 aus Dresden und jeweils acht aus Hamburg und Frankfurt/Main. "Görlitz - eine attraktive Alternative zum Großstadtstress" - so haben Robert Knippschild und seine Mitarbeiter auch folgerichtig ihre Studie überschrieben. Nicht weniger als 80 Prozent können sich generell vorstellen, nach Görlitz zu ziehen; 40 Prozent schätzen die Wohnsituation besser ein als in ihren Herkunftsstädten.

Was aber hat nun den Probewohnern in Görlitz besonders gut gefallen? "Als sehr positiv fielen die angenehme Atmosphäre der Stadt, die sehenswerte historische Altstadt und die Gastfreundschaft der Görlitzer ins Gewicht. Die vielseitigen kulturellen und gastronomischen Angebote der Stadt überraschten viele der Befragten, ebenso wie die Sauberkeit und das Gefühl der Sicherheit in Görlitz." Letzteres wiederum überraschte Robert Knippschild, erweist sich Görlitz doch regelmäßig in den Polizeistatistiken als Schwerpunkt der Kriminalität.

Und noch einen weiteren Aspekt empfindet der Institutsleiter als bemerkenswert: "Die Lage an der Grenze zu Polen wurde durchgehend als positiv und interessant bewertet." Weniger überrascht zeigt sich Arne Myckert, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen, die maßgeblich am Projekt beteiligt war: "Görlitz ist eine Stadt mit einer ausgeprägten Willkommenskultur. Das haben unsere Teilnehmer gespürt." Myckert ist es auch hauptsächlich, der an den Punkten, die als verbesserungsfähig benannt wurden, zu arbeiten hat: "Dazu zählen die Barrierefreiheit sowie die Ausstattung mit Balkonen und das Grün im Wohnumfeld."

Gegenwärtig sei an 50 Häusern der Einbau von Aufzügen im Gange, insgesamt habe sich die Zahl der Häuser mit diesem Angebot verzehnfacht: "Dennoch gibt es da noch viel zu tun." Etwa der Hälfte der Beteiligten ist es wichtig, mit dem eigenen Auto in die Nähe der Wohnung zu gelangen.

Was aber bleibt nach dem Probewohnen tatsächlich in Görlitz "hängen"? "Fünf Personen aus dem Kreis der Teilnehmer haben ihren Wohnsitz hierher verlegt", so Robert Knippschild. Dies entspricht etwa den Resultaten der vorherigen Auflagen. Eine vierte Auflage halten er, Arne Myckert und auch Hartmut Wilke, Leiter des Stadtentwicklungsamtes, für wünschenswert: "Nach dem Gründerzeitviertel und der Altstadt wäre es sehr interessant, auch einmal andere Stadtteile, wie die Südstadt, Rauschwalde oder das Neubaugebiet Königshufen einzubeziehen", erklärt letzterer. Dort, so Wilke, gebe es weit größere Probleme mit Leerstand als in der Innenstadt, "wo sich die Situation kontinuierlich verbessert." Man darf also gespannt sein ...