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Alter Braunkohlenbau verunsichert Trebendorfer

Familie Kraink möchte von Vattenfall eine Unbedenklichkeitserklärung, dass auf dem Gebiet nichts passieren kann
Familie Kraink möchte von Vattenfall eine Unbedenklichkeitserklärung, dass auf dem Gebiet nichts passieren kann FOTO: Gabi Nitsche (WWR)
Trebendorf. „Ist es nun ein Löchlein oder ein Riesenloch? Das kommt mir alles sehr ominös vor. Seit Tagen kommt ein Lkw nach dem anderen mit Füllmaterial, das dann verpresst wird.“ Ariane Kraink gehört zu den Umsiedlern von Hinterberg, die im Bereich Kaupe ein neues Haus bauen. Im Herbst hatte es neben der Straße zum Wohngebiet einen Grundbruch gegeben – drei Meter tief und zwei Meter im Durchmesser. Von Gabi Nitsche

Krainks erklärten daraufhin ihre Bedenken gegenüber Vattenfall. Doch jetzt pocht die Familie auf eine Unbedenklichkeitserklärung. “Und die sollen alle Umsiedler, die auf Kaupe bauen, bekommen„, forderte Gemeinderätin Marina Kowalick am Mittwochabend bei der Ratsitzung. Hier hatte Ariane Kraink ihre Sorgen beim Namen genannt.

Vattenfall sieht keine Gefahr

“Die Verpressung erfolgt seit 14 Tagen - und das in Mengen, an die keiner dachte„, bestätigte Wolfgang Zech. Der Bergbau-Sachbearbeiter in der Gemeinde verwies auf Auskünfte des Unternehmens vom Mittwoch. “Seit Dienstag kommt das erste Verpresste an anderen Stellen wieder raus - das soll ein gutes Zeichen sein. Die Vattenfall-Leute sagen, die Baufelder sollen sicher sein„, berichtete er. Vattenfall hatte die Trebendorfer nach den ersten Erkundungsarbeiten informiert, dass “Gefahren für Menschen und Sachgüter von dem festgestellten Erdbruch nicht ausgehen„.

Das genügt den Trebendorfern nicht mehr, “sie sind verunsichert„, so Bürgermeisterin Kerstin Antonius. Sie will deshalb von den Fachleuten eine verlässliche Antwort, dass keiner in Trebendorf in Gefahr ist. Weder jetzt, noch in der Zukunft.

Der Erdbruch war am 17. September am Westrand der ehemaligen Tiefbaugrube “Gustav Adolph„ bemerkt worden - an der Verbindungsstraße von Trebendorf nach Halbendorf und nördlich des Bahnüberganges der Strecke Cottbus - Görlitz. Zu dieser Zeit fanden Erschließungsarbeiten für den Umsiedlungsstandort Trebendorf - Kaupe statt und der Kaupegraben wurde gebaut.

“Ein Bergbau ohne Rechtsnachfolger. Weder LMBV noch Vattenfall sind in der Pflicht. Die Verantwortung liegt beim Land Sachsen„, so Vattenfall-Sprecher Axel Happe gestern gegenüber der RUNDSCHAU. Vor 1990 sind hier bereits Sicherungsarbeiten durchgeführt worden. Im Auftrag des Sächsischen Oberbergamtes wurden die Grubenbaue vor wenigen Jahren nochmals verwahrt.

Der Tagesbruch vom September letzten Jahres lag laut Happe rund 80 Meter außerhalb der dokumentierten Grubenbaue. Im Auftrag des Sächsischen Oberbergamtes übernahm die Vattenfall Europe Mining AG die Sicherung des Tagesbruches.

“Zunächst wurde das Gebiet flächendeckend geophysikalisch untersucht. An Stellen, wo die Geophysik Hinweise auf mögliche Hohlräume lieferte, wurden anschließend Bohrungen niedergebracht.„ In Trebendorf spricht man von über 20 Bohrungen in einer Tiefe von 30 Metern, wobei die Kohle damals nur bis zu 12,5 Metern abgebaut worden sei.

Kontrollbohrungen

“Im Ergebnis dieser Erkundungskampagne ergaben sich drei Stellen, an denen Hohlräume gefunden wurden. Diese Hohlräume wurden bis Anfang dieser Woche durch BLZ Geotechnik Gommern verpresst. Dabei sind rund 500 Tonnen Braunkohlenasche in den Untergrund eingebracht worden„, erklärt Happe. Er kündigte an, dass in den nächsten Wochen durch Kontrollbohrungen nachgewiesen werden muss, dass die Hohlräume vollständig verpresst wurden. “Bei gegebenenfalls unvollständiger Verwahrung ist nochmals zu verpressen„, so der Sprecher. Die gesamten Arbeiten werden in einem Abschlussbericht dokumentiert. Dazu Happe: “Mit diesem Bericht wird der Nachweis erbracht, dass zukünftig von den untertägigen Grubenbauen keine Gefährdungen ausgehen.„

Vattenfall lässt diesen Abschlussbericht dann nicht in einer Schreibtischlade verschwinden. Der Bericht wird dem Sächsischen Oberbergamt übergeben und gemeinsam erörtert. Denn das Sächsische Oberbergamt als Rechtsträger entscheidet, ob die Abschlussdokumentation anerkannt wird oder noch weitergehende Kontrollen notwendig sind.

Bei der Erkundung des Erdbruchs wurde eine Bierflasche gefunden mit der Aufschrift “Societätsbrauerei Waldschlösschen Dresden„. Möglicherweise gab es ja schon früher hier einen Geländebruch, der einfach zugeschüttet wurde. Dabei hat wohl ein Helfer die Flasche fallen lassen. Die Vattenfall-Geologen wandten sich indes an die älteren Trebendorfer, ob sich jemand an einen derartigen Vorfall erinnern könne.

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