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| 17:26 Uhr

Verbraucherschutz
Alt und Jung tappen in Abzocke-Fallen

Judith Sibilla und Holger Hinze beraten Verbraucher in Weißwasser.
Judith Sibilla und Holger Hinze beraten Verbraucher in Weißwasser. FOTO: Gabi Nitsche
Weißwasser. Die Hilfe der Verbraucherberater in Weißwasser ist nach wie vor stark gefragt. Von Gabi Nitsche

Judith Sibilla und Holger Hinze von der Verbraucherzentrale Sachsen in Weißwasser können ein Lied singen von den Methoden der Betrüger und Abzocker. Diese würden auf immer dreister vorgehen, um den Bürgern in die Tasche zu greifen. Die Berater mahnen zur Vorsicht.

 Zum Beispiel seien Inkasso-Mahnungen immer wieder Anlass für Betroffene, sich Rat bei ihnen einzuholen. „Bei einigen Mahnungen ist ein Betrug offensichtlich, wenn das Geld nach Bulgarien, Rumänien, in die Türkei oder nach Griechenland überwiesen werden soll. Anderen liegt eine nachvollziehbare Forderung zugrunde, aber die Inkassogebühren sind unzulässig hoch“, erklärt die Leiterin der Verbraucherberatung in Weißwasser. Sie rät vorsichtig zu sein, wenn man angerufen wird und die Telefonnummer nicht kennt. Bevor man mit einer (falschen) Antwort in Teufels Küche komme, am besten gar nicht abheben.

Nicht nur in Weißwasser, sondern bundesweit, würden unseriöse Schlüsseldienst-Firmen in Not geratene Menschen gnadenlos abzocken. Judith Sibilla berichtet von einem Fall am letzten Heiligabend hier in der Region. Eine Frau hatte sich aus ihrer Wohnung ausgesperrt, musste 450 Euro an den Schlüsseldienst fürs Öffnen bezahlen. „Eine Summe, die bei einem Handwerker vor Ort nie und nimmer verlangt werden würde“, ist sich die Beraterin sicher. Es komme sogar vor, dass einige dieser, wie sie sagt, „windigen Firmen“ 1000 Euro für diesen „Service“ verlangen. Deren Telefonbucheinträge würden einen angeblichen Sitz vor Ort suggerieren, dabei seien diese meist in Nordrhein-Westfalen ansässig, so die Erfahrungen der Verbraucherzentrale in Sachsen. Auch Verbrauchern, die schnell im Internet nach so einer Hilfe suchen, werde der örtliche Bezug vorgegaukelt.  Weil dieses Vorgehen immer krasser werde, gibt es in Sachsen die „Initiative gegen Abzocke“, berichtet Judith Sibilla. Schirmherr ist Sachsens Justizminister. „Wir können immer wieder nur zur Vorsicht mahnen, erst nach dem Preis zu fragen, bevor die Tür geöffnet wird. Andersherum kann es sehr teuer werden.“ Sie und ihr Kollege empfehlen, sich die Telefonnummer eines wirklich ortsansässigen Schlüsseldienstes zu notieren oder im Handy zu speichern für den Notfall.

Die Liste der Abgezockten ist lang. „Und die Dunkelziffer bestimmt noch viel größer“, vermutet Judith Sibilla, wenn sie an Verbraucher denkt, die sich von „Vertretern“ etwas aufschwatzen lassen. So sei es nur einer aufmerksamen Nachbarin zu verdanken, dass die Verbraucherberater Verträge im Gesamtwert von 12 000 Euro lösen konnten, die eine ahnungslose hochbetagte Seniorin aus der Boxberger Ecke abschloss für Matratze, Topper und Co. sowie drei Lüfter und Staubsauger. Aber auch nicht nachvollziehbare Positionen auf Telefonrechnungen, ob Festnetz oder mobil, führen Verbraucher zu Judith Sibilla und Holger Heinze. „Ursachen waren häufig Forderungen von Drittanbietern, also Abo-Fallen, unlautere Auslandstelefonate und Anrufe bei 0900er-Nummern.“ Stichwort Erotikhotlines. Ein Minderjähriger hatte so für eine Rechnung über 420 Euro und eine aufgeregte Mutter gesorgt. „Ein Opi hatte so eine Nummer 17-mal angerufen ...“ Ununterbrochen verunsichern Pishing-Mails, Internet-Abo-Fallen oder ungewollte Web-Mitgliedschaften die Verbraucher. In den meisten Fällen konnten die Berater erfolgreich helfen.

Mehrere Dutzend Verbraucher in Weißwasser und Umgebung suchten Rat und Hilfe zu Rechnungen des inzwischen insolventen Unternehmensgeflecht Care Energy, berichtet Holger Heinze.