| 12:47 Uhr

Bad Muskau
Als der Wald wieder Park wurde

Parkdirektor Cord Panning (l.) im Gespräch mit den Gartenexperten Andrzej Michalowski (M.) und Dr. Klaus von Krosigk beim 18. Schlossgespräch in Bad Muskau.
Parkdirektor Cord Panning (l.) im Gespräch mit den Gartenexperten Andrzej Michalowski (M.) und Dr. Klaus von Krosigk beim 18. Schlossgespräch in Bad Muskau. FOTO: amz
Bad Muskau. Beim 18. Muskauer Schlossgespräch erinnert sich Denkmalpfleger Prof. Andrzej Michalowski an den Wiederaufbau der Pückleranlagen in Polen nach 1990.

Am 3. Oktober 1990 ist die deutsche Einheit vollzogen worden. Am gleichen Tag entstand die Idee, den Muskauer Park für die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes anzumelden. Als geistiger Vater für dieses Vorhaben, das 2004 Wirklichkeit wurde, fungiert der polnische Denkmalschützer und Kunsthistoriker Prof. Andrzej Michalowski. Gute 27 Jahre später hat sich der Experte im Rahmen des 18. Muskauer Schlossgespräches an jene bewegte Zeit der Anfänge erinnert.

Der Muskauer Park anno 1989/1990: Während im deutschen Teil rund um die Schlossruine zahlreiche Gäste flanieren, führt der wesentlich größere polnische Parkteil ein absolutes Schattendasein. Im Laufe der Jahrzehnte hat der Wald mehr und mehr Besitz vom Ensemble östlich der Neiße ergriffen. Kein Wunder, bewirtschaften doch die polnischen Förster diese Flächen. Holzertrag statt Sichtachsen heißt damals die Devise. Bereits zu kommunistischen Zeiten, so erinnert sich Andrzej Michalowski, habe er kulturhistorisch wertvolle Stätten in den früheren deutschen Ostgebieten besucht. Doch gerade der Muskauer Park besaß aufgrund seiner Lage unmittelbar an der Grenze zu Deutschland einen besonders schweren Stand. „Das Ensemble befand sich in der absoluten Peripherie, weit weg von Warschau“, erzählt Michalowski, der in seiner Dienstzeit zahlreiche hochkarätige Parkanlagen Polens betreut hatte. „Zudem lagen alle wesentlichen, zum Park gehörenden Gebäude auf deutscher Seite. Wir stießen damals auf enorme psychische Barrieren.“ Die Leute hätten sich gefragt, warum man ausgerechnet diesem „Wald“ besondere Aufmerksamkeit schenken solle. „Wir haben glücklicherweise ein Umdenken erreicht“, resümiert Andrzej Michalowski.

Noch zu Zeiten der Volksrepublik Polen seien der Denkmalpfleger und seine Leute bei Vor-Ort-Besuchen durchaus auf helfende Köpfe und Hände getroffen. Doch sei damals die Angst groß gewesen. Man habe sich bei allen Aktionen immer im entsprechenden Warschauer Ministerium absichern wollen. Der Bürgermeister des Parkstädtchens Leknica/Lugknitz habe indes Mut bewiesen. Denn im Zuge der politischen Wende ist der Pücklerstein, der auf einem Platz im Neißeort stand, zu seinem heutigen Standort im Park geschafft worden. Zudem wurde der Schriftzug „Zu Ehren der Roten Armee“ entfernt und die Originalinschrift wieder hergestellt. Im Jahr 1991 erfolgte die Wiedereinweihung.

„Mit Andrzej Michalowski hat der Muskauer Park nach 1990 eine Renaissance erlebt“, weiß Parkdirektor Cord Panning. Dank vieler Helfer sei das Ensemble dem Wald entrissen und in einen echten Park zurückverwandelt worden. Zunächst galt es, die historischen Sichtachsen wieder herzustellen. Ebenso musste grundsätzlich Ordnung geschaffen werden. Anders gesagt: „Wir mussten ein Signal setzen, dass es endlich losgeht“, so Michalowski.

Auf deutscher Seite sei die Entwicklung gewissermaßen ähnlich verlaufen, merkt der Berliner Gartenhistoriker Dr. Klaus von Krosigk an. Als Mitglied der Denkmal-Organisation der UNESCO (ICOMOS-IFLA) hatte auch er maßgeblichen Anteil am Weltkulturerbe-Status, der dem Parkensemble beiderseits der Neiße im Jahr 2004 verliehen worden war. Zwar habe sich zur Wende der Parkteil rund um die Schlossruine in einem ordentlichen Zustand befunden. Doch sowohl Bade- als auch Bergpark waren mehr oder weniger aus dem Bewusstsein der Leute verschwunden. So galt es, diese wesentlichen Bestandteile wiederzubeleben. Dass sei ein gutes Vierteljahrhundert später im Großen und Ganzen gelungen.

Wie es nun mit dem Muskauer Park weitergehen könnte? „Ich denke, wir haben dem Ensemble seinen ursprünglichen Rang wiedergegeben, den Fürst von Pückler ihm verliehen hatte“, erklärt Andrzej Michalowski. Allerdings werde heutzutage wohl noch zu wenig propagiert, was es für ein Juwel in Muskau gibt. Die Parkprotagonisten sollten sich dennoch darauf vorbereiten, dass die Popularität der grünen Oase massiv steigen werde. „Dann geht es darum, die Besucher gut zu verteilen“, so Michalowski. Gut sei es, dass es zusätzliche Höhepunkte wie eben den Badepark gibt. Apropos Badepark: Cord Panning kündigt an, dass dort im kommenden Jahr eine besondere Bank aufgestellt werden soll. Dafür würden noch Spendengelder benötigt. Zumindest während des 18. Schlossgespräches hat es in der Kasse ziemlich oft geklingelt.

(amz)