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| 01:24 Uhr

Als der Meister-Thron zu wanken begann

Der folgende Beitrag ist uns freundlicherweise vom Herausgeber des Buches „Das Eishockeywunder aus Weißwasser“ (geschrieben von Herbert Tschätsch) zur Verfügung gestellt worden.


„Wir wollen Kurt Stürmer wiedersehen!“ Der tausendfache Ruf auf den Rängen des Kunsteisstadions galt jenem Sportler, der längst seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel gehängt hatte. Was war geschehen„
An jenem denkwürdigen Winterabend in den sechziger Jahren geriet der Thron des bislang unbesiegbaren DDR-Meisters ins Wanken. Nur ein Sieg gegen Dynamo Berlin führte zum erneuten Titel. Auch Kurts Trainer und einstiger Mannschaftskamerad Wolfgang Blümel erwog seine Rückkehr zur Mannschaft. Ein vermittelndes Gespräch ergab die Zustimmung des sympathischen Sportlers mit dem Kommentar: „Ich werde in dieser Situation meine Mannschaft nicht im Stich lassen trotz Trainingsrückstands.“
Sein Comeback wurde belohnt. Er stürmte wie in seinen besten Tagen, schoss Tore und trug damit wesentlich zum erneuten Meisterschaftssieg bei - von Tausenden Lausitzer Fans gefeiert.
Zieht man in seiner Eishockey-Laufbahn Bilanz, so kann sie sich durchaus sehen lassen. Zwölf DDR-Meistertitel und 62 Länderspiele in der Nationalmannschaft stehen bei ihm zu Buche. So wie seine Mannschaftskameraden begann er schon in früher Kindheit mit den ersten Eislaufschritten auf dem Braunsteich. Seine ersten Sporen verdiente er sich in der Schlesischen Auswahl zusammen mit Wolfgang Blümel bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Wien. Mit der Einberufung zur Wehrmacht ließen die Nazis bei ihm Blütenträume platzen. Zurückgekehrt aus englischer Kriegsgefangenschaft verlief für ihn der Neubeginn nicht so wie erhofft. Sein Schnelligkeitsdefizit ließ bei den Verantwortlichen Zweifel aufkommen, ob er jemals den Anschluss an die erste Mannschaft findet. Jedoch sein unermüdlicher Trainingsfleiß befähigte ihn zum exzellenten Techniker und ausgezeichneten Kombinationsspieler, der ihn von nun a n für seine Mannschaft unentbehrlich machte.
Als 1953 die damalige Chemie-Mannschaft ihre Zugehörigkeit zur Sportvereinigung Dynamo vertraglich unterzeichnete, zog es Kurt Stürmer vor, weiterhin als Glasmacher im Spezialglaswerk „Einheit“ Glühlampen aus der geschmolzenen Glasmasse zu produzieren. Diese Entscheidung, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen, war für ihn eine zusätzliche Belastung.
Seine nationale und internationale Erfolgsbilanz zeigt sich in den beeindruckenden Leistungen gegen den Deutschen Meister Preußen Krefeld, an den Pokalsiegen um den „Marvin-Cup“ im schweizerischen Chaux de Fonds und „Pavoni-Cup“ im italienischen Bozen und besonders gegen die schwedischen, finnischen und tschechischen Spitzenmannschaften.
Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn in den sechziger Jahren war er an der Seite des legendären Günter Leh nigk bemüht, den talentierten Nachwuchs als Übungsleiter zu fördern. Des öfteren stand er auch am Schleifbock, um seinen Jungen den richtigen Schlittschuhschliff beizubringen. In seiner Freizeit widmete er sich ganz seinem neu erbauten Einfamilienhaus und seinem Garten, wo er im engsten Kreis seiner Familie ein wenig Ruhe und Entspannung fand. Was machte den sympathischen Sportler Kurt Stürmer außer seiner sportlichen Leistung bei seinen Fans so populär und beliebt“ „Es war vor allem seine Bescheidenheit, Beständigkeit und sein guter Kontakt zum Publikum“ , so seine Freunde.