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Alles singt zum Jubiläum

Inge Milek (2.v.r.) wird von Hannelore Koschkar und ihren Sangesschwestern und -brüdern als Kassenwartin in den Ruhestand verabschiedet.
Inge Milek (2.v.r.) wird von Hannelore Koschkar und ihren Sangesschwestern und -brüdern als Kassenwartin in den Ruhestand verabschiedet. FOTO: Regina Weiß
Krauschwitz. "Wo man singt, da lass' dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder." Das Zitat wird dem Dichter Johann Gottfried Seume zugeschrieben. Regina Weiß

Wahre Worte auch mehr als 200 Jahre nach seinem Tode. Der heutige Beweis dafür ist definitiv der Gemischte Volkschor Eintracht Bad Muskau. Die Frauen und Männer sind nicht nur gut in ihrem Fach, sondern humorvoll noch dazu, wie die Jahreshauptversammlung in dieser Woche im Krauschwitzer Gasthaus "Zur Linde" widerspiegelt. Dort wird nicht nur Bilanz über das Geschaffene gezogen, Danke gesagt und gesungen natürlich, sondern auch viel gelacht. Man merkt sofort - hier sitzt eine eingeschworene Truppe beisammen.

Die wöchentlichen Proben werden so sehr herbeigesehnt, dass es in denselben manchmal an der nötigen Disziplin mangelt, wird ganz selbstkritisch festgestellt. Man singt zwar gern, aber noch lieber erzählt man sich die neuesten Neuigkeiten. Wohin mit der Neugier oder dem Wissen? Eine Art Chorstammtisch - egal, ob wöchentlich oder monatlich, könnte die Lösung sein. Die Idee wurde bei der Versammlung jetzt mal auf den Tisch gepackt.

Dort stehen für alle sichtbar der Frühling in Form einiger Blumensträuße und ein großer Präsentkorb. Die Blumen gibt es neben herzlichen Dankesworten von der Vorsitzenden Hannelore Koschkar für die, die sich im Chor in ihrem jeweiligen Aufgabengebiet einbringen. Das große Geschenk und ein vielfaches Danke geht an Inge Milek. Sie ist sozusagen das Urgestein des Chores. 1947 ist sie eingetreten. Ihr Großvater war Bass-Sänger im Chor und hat die junge Frau zum Ensemble gebracht. Seitdem ist sie nicht nur dem Gemischten Volkschor als Sängerin treu geblieben, sondern hat mehr als 40 Jahre die Finanzen des Vereins verantwortet.

Ohne Geld geht auch bei der Sangesgemeinschaft nichts. "Wir haben gut gewirtschaftet", kann die Bad Muskauerin einschätzen. Sie tut es ein letztes Mal. Mit 84 Jahren gibt sie nun die Verantwortung und ihren Posten im Vorstand ab. Dem Chor hält sie aber weiter die Treue. "Er ist für mich wie eine zweite Heimat", sagt die Seniorin. Mit einem Augenzwinkern erklärt sie, so lange sie ihre Sangesschwestern beim Singen nicht anstoßen, macht sie weiter: "Noch kann ich singen."

Auch wenn sich die Stimme über viele Jahre verändert hat. Mittlerweile ist Inge Milek beim Alt angekommen. Stolz und froh ist sie, dass sich das musikalische Gen in ihrer Familie fortgesetzt hat. Urenkelin Cassyopaya hat das jüngste Weihnachtskonzert bereichert und möchte weiter mitmachen.

Schön, dass der Nachwuchs so zeitig ans Singen herangeführt wird. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Chor weitere Sängerinnen und vor allem Sänger braucht. Um sie in der Gemeinschaft sozusagen an die Hand zu nehmen, soll es künftig Sängerpatenschaften geben. Die Werbetrommel will man noch eifriger rühren. So sollen auch im Krauschwitzer Amtsblatt regelmäßig Beiträge über den Chor erscheinen. Vielleicht kann man die Veröffentlichungen mit jeweils einem Liedtext verknüpfen, um Leuten das Singen wieder näher zu bringen. Denn das komme im heutigen Deutschland leider viel zu kurz, finden die Chormitglieder. Der Krauschwitzer Bürgermeister Rüdiger Mönch (Freie Wähler), der Gast der Jahreshauptversammlung ist, sichert seine Unterstützung zu.

In Krauschwitz wird am 22. September übrigens auch das 140-jährige Bestehen des Chores gefeiert. Man beschenkt sich selbst, in dem man das macht, was man gern macht: Singen. Alles singt, lautet denn auch das Motto für die Jubiläumsveranstaltung. Vor allem die Gäste können sich jetzt schon sicher sein, mit eingebunden zu werden.

Zum Thema:
Der Chor hat 2016 38 Proben und 16 Auftritte in größerem und kleinerem Rahmen absolviert, so Hannelore Koschkar. Geprobt wird immer am Mittwoch in der Zeit von 19 bis 21 Uhr im Gasthaus "Zur Linde".Nach dem erfolgreichen Neujahrskonzert geht es mit den Frühlingskonzerten weiter: 26. März um 15 Uhr im Gasthaus "Zur Linde" und am 2. April um 16 Uhr im Kaffee König in Bad Muskau. www.volkschor-eintracht.de