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| 19:08 Uhr

Feuerwehr
Alles eine Frage der Motivation

Dass die Gablenzer ihre Handdruckspritze aktivieren müssen, das passiert nur bei besonderen Anlässen. Wie jüngst bei der 750-Jahr-Feier. Auf dem Kutschbock hatte auch Willi Paulick Platz genommen, der seit über 70 Jahren zu den Floriansjüngern zählt. Wenn gelöscht werden muss, dann leistet seit 1997 das Löschfahrzeug gute Dienste. Foto: Regina Weiß
Dass die Gablenzer ihre Handdruckspritze aktivieren müssen, das passiert nur bei besonderen Anlässen. Wie jüngst bei der 750-Jahr-Feier. Auf dem Kutschbock hatte auch Willi Paulick Platz genommen, der seit über 70 Jahren zu den Floriansjüngern zählt. Wenn gelöscht werden muss, dann leistet seit 1997 das Löschfahrzeug gute Dienste. Foto: Regina Weiß FOTO: Regina Weiß
Gablenz. Gablenz erhält 85 Prozent Förderung für neue Löschtechnik. Doch die daran geknüpften Bedingungen machen Wehrleiter Freddy Schmidtke arg zu schaffen. Von Gabi Nitsche

Freddy Schmidtke, der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Gablenz, ist in Sorge um seine Kameraden mit blick auf das, was diese erwartet im Zusammenhang mit neuer Löschtechnik. Die wird mit Fördermitteln angeschafft, weil Gablenz die notwendige Summe dafür nicht aufbringen kann.

Was haben die Gablenzer mit den Bad Muskauern darum gerungen, sich drei polnische Partner ins Boot geholt und waren dann im Frühjahr heilfroh, als die Zusage ins Haus trudelte: Aus dem deutsch-polnischen Fördertopf fließen 1,6 Millionen Euro. Aber das Geld gibt es nicht zum Nulltarif, die Beteiligten müssen dafür eine harte Gegenleistung liefern, wie Ausführungen von Schmidtke zu entnehmen war. Er hatte sich an Bürgermeister Dietmar Noack und den Rat gewandt und um Rat im wahrsten Sinne des Wortes gebeten. Rat, wie er seine Leute motivieren könne, alle Forderungen zu erfüllen. Und als der Gablenzer eins nach dem anderen aufzählte, saß die Runde da mit bedröppelten Gesichtern. Denn bevor  die neue innovative Löschtechnik im Gerätehaus steht, muss um das Kernstück, eine Druckluftschaumanlage mit einem 1000 -Liter-Wassertank – der Löschschaum wird im Fahrzeug hergestellt – das eigentliche Fahrzeug gebastelt werden, sagte Schmidtke. „Wir bekommen ja die Anlage nicht auf einem Handwagen weg. Und die Leistungsbeschreibung für das Fahrzeug müssen wir aufstellen.“

Freddy Schmidtke spricht von unzähligen Seiten, die durchzuarbeiten sind, um die Bestückung für das Löschfahrzeug ausfindig zu machen, die auf die Ansprüche und Aufgaben der Gablenzer Wehr zugeschnitten ist. Es gäbe für jedes Stück an dem Fahrzeug alternative Angebote. Das mache die Sache so schwer. Seine Schlussfolgerung: „Also müssen wir eine Arbeitsgruppe gründen, das über den Sommer hinbekommen und nach dem Sommer ausschreiben.“

Doch der Berg an Verpflichtungen ist damit noch längst nicht erklommen. Schmidtke zählt eine ganze Reihe von Schulungen und Übungen auf, dass dem Zuhörer schwindlig wird: mit Hunderten Schülern, mit den polnischen Kameraden, eine große Waldbrandübung … Die Liste mit den Daten dafür will kein Ende nehmen. „Und das meist samstags, weil wir ja eine ehrenamtliche Wehr sind.“

Der Wehrleiter macht deutlich, „all das muss geplant, organisiert und durchgeführt werden. Und jedes Mal müssen wir das Förderprojekt vorstellen und jedes Mal die Einsatztechnik wieder in Ordnung bringen.“

Die erste Schulung liegt schon hinter den Kameraden, die dafür nach Leknica fuhren. Danach standen theoretische und praktische Schulungen für 100 Kinder der Grundschule Bad Muskau an. Freddy Schmidtke bekennt: „Mit all dem haben wir nicht gerechnet.“ Wenn es da nicht die großartige Unterstützung der Kameraden in Kromlau und Bad Muskau gäbe, wäre das alles nicht zu schaffen, was in den nächsten anderthalb Jahren auf die Kameraden zukommt, „und das neben dem normalen Feuerwehralltag“.

Freddy Schmidtke nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich bin voller Stolz Wehrleiter einer gut funktionierenden Wehr. Aber ich kann es niemanden verdenken, wenn er Nein sagt. Wir sind 20 Aktive, drei davon über 60 und einige Schichtarbeiter.“ Die Ansage an Bürgermeister und Rat, die dann folgt, ist klar und deutlich: „Ich erwarte, ich erbitte, dass Ihr uns helft, zeitnah, und die Kameraden und mich motiviert.“

Dieser Aufwand sei ihm und dem Rat nicht bekannt gewesen, räumte Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) ein. „Wir wissen zwar, dass Übungen sein sollen, aber nicht in diesem Umfang. Ich dachte 85 Prozent Förderung ist eine gute Sache.“ Für die aufgestellten Regularien könne keiner der Partner etwas. Noack sicherte die Unterstützung zu. „Aber wenn ich sage, ich helfe praktisch, wäre ich keine Hilfe, weil ich davon keine Ahnung habe.“ Bad Muskau bekomme doch auch ein Löschfahrzeug, so der Hinweis. Doch das seien zwei ganz unterschiedliche, erwiderte Freddy Schmidtke. Für Gemeinderat Axel Paulik, der auch die Wehr im Ortsteil Kromlau führt, sei es überhaupt keine Frage zu helfen. Für Noack steht außer Zweifel, dass alles nichts hilft, „ich hab das komische Gefühl, wir müssen da durch“. Schmidtke habe auch nicht vor, die Sache zu zerreden, er bitte jedoch um Hilfe. „Wir brauchen Motivation!“ Noack kündigte an, mit der Wehr zu reden – „separat“. Bei allen Probleme scheint Freddy Schmidtke seine humorvolle Seite nicht eingebüßt zu haben, als er sagte: „Wir können froh sein, dass es nur fünf Partner sind … 85 Prozent Förderung ist wirklich eine super Chance.“