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| 14:23 Uhr

Panzertransport Richtung Polen
Alles bereit für die US-Truppen in der Lausitz

 Timothy Eydelnant (M), Generalkonsul der USA für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig begrüßt in der Clausewitz-Kaserne in Burg (sachsen-Anhalt) Soldaten der US Armee. Die Soldaten haben dort in der vergangenen Woche den Aufenthalt mehrerer Hundert Soldaten mit ihren Fahrzeugen vorbereitet.
Timothy Eydelnant (M), Generalkonsul der USA für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig begrüßt in der Clausewitz-Kaserne in Burg (sachsen-Anhalt) Soldaten der US Armee. Die Soldaten haben dort in der vergangenen Woche den Aufenthalt mehrerer Hundert Soldaten mit ihren Fahrzeugen vorbereitet. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Weißwasser/Dresden/Burg. Die Panzer kommen. In den kommenden Tagen verlegt die US-Armee wieder eine Panzer-Brigade durch die Lausitz. In Weißkeißel ist alles für den Empfang vorbereitet. Von Bodo Baumert und Christian Köhler

Vorwiegend nachts werden sie unterwegs sein. In fünf Fahrzeug-Konvois verlegt die US-Armee in dieser Woche eine Panzerbrigade quer durch Deutschland. Von Antwerpen, wo die Truppen in der vergangenen Woche per Schiff gelandet sind, geht es über Nordrhein-Westfalen. Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen nach Polen. Dort soll die 1. gepanzerte Brigade der 1. Infanterie Division routinemäßig eine Panzer-Einheit ablösen, die im Rahmen des Programms „Atlantic Resolve“ ihren Dienst zwischen Estland und Rumänien versehen hat.

Die USA haben sich verpflichtet, ihre osteuropäischen Nato-Partner mit den Truppen – zu denen auch Logistiker und Kampfhubschrauer gehören – zu unterstützen. Allerdings sind die Kampfeinheiten im Rahmen von „Atlantic Resolve“ nicht fest stationiert sondern dauernd in Bewegung, um an Übungen mit Partner-Armeen teilzunehmen. Die Übungen finden in den baltischen Staaten und Polen, zum Teil auch in Rumänien und Bulgarien statt. Ein Teil wird zudem auf deutschen Truppenübungsplätzen wie Grafenwöhr in Bayern abgehalten. Alle neun Monate werden die Truppen komplett ausgetauscht.

Der mittlerweile vierte Austausch ist nun im vollen Gange. Am Truppenübungsplatz Weißkeißel, wo die Konvois der Amerikaner in dieser Woche Station machen werden, sind die Vorbereitungen abgeschlossen.

Am Montag hat der Generalkonsul der USA, Timothy Eydelnant, im Weißwasseraner Rathaus über die Truppenbewegungen informiert. Seinen Angaben zufolge werden in diesem Zusammenhang zwischen Donnerstag und Montag knapp 3500 US-Soldaten Station am Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP) machen. Um den Verkehr so wenig wie möglich zu behindern, werden die Konvois vor allem nachts fahren. Tagsüber werden sich dann die Soldaten auf dem Gelände des TÜP aufhalten und rasten. Wie TÜP-Kommandant René Pierschel erklärt, bedeute das für die Bundeswehr viel Arbeit. „Es wird ein hartes Stück Arbeit, aber wir haben bereits in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir die Versorgung der US-Truppen bewerkstelligen können.“

 US-Militärfahrzeuge aus Brandenburgs Straßen. Seit 2017 findet regelmäßig solche Truppenverlegungen durch die Lausitz statt.
US-Militärfahrzeuge aus Brandenburgs Straßen. Seit 2017 findet regelmäßig solche Truppenverlegungen durch die Lausitz statt. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger

Hintergrund des Treffens in Weißwasser zwischen dem US-Generalkonsul und Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) ist es einerseits, Kooperationen mit der Stadtverwaltung und den USA auf den Weg zu bringen sowie Transparenz in Sachen US-Truppenbewegungen herzustellen. Während der vergangenen Verlegungen, so Timothy Eydelnant, habe es massive Kritik gegeben, dass dies etwa nicht im Vorhinein der Bevölkerung mitgeteilt wurde. Das soll sich künftig ändern.

„Es ist keine aggressive Politik, sondern eine glaubwürdige Abschreckung“, so der Konsul gegenüber Pressevertretern in Weißwasser.

 Januar 2017. Ein Zug mit US-Panzern rollt durch Guben. Auch diesmal wird ein Großteil des schweren Materials wieder über die Schiene verlegt.
Januar 2017. Ein Zug mit US-Panzern rollt durch Guben. Auch diesmal wird ein Großteil des schweren Materials wieder über die Schiene verlegt. FOTO: Norman Neubauer

In der vergangenen Woche war Generalkonsul Eydelnant bereits in Burg in Sachsen-Anhalt. Auch dort sollen die Konvois Station machen. Los geht es ab Mittwoch, voraussichtlich bis Sonntag. Dann sollen die Soldaten ihre erste Stützpunkte in Zagan und anderen polnischen Kasernen erreicht haben.

Den Großteil des schweren Kriegsgerätes werden Beobachter entlang der Fahrstrecke auf der A2 und A13 allerdings nicht zu sehen bekommen. Panzer und andere Kettenfahrzeuge rollen per Zug durch Deutschland. Erfahrungsgemäß wird die Route auch hier wieder durch die Lausitz führen.

Insgesamt besteht der Kampfverband aus 3500 Soldaten, 500 Kettenfahrzeugen, darunter rund 200 Panzern, und 1500 weiteren Fahrzeugen. 26 Züge sind nötig, um das gesamte Material zu verlegen.

Warum der ganze Aufwand? Für die US-Armee ist die Truppenrotation auch eine Übung. Seit Jahren bemüht sich die Nato, ihre Fähigkeiten zur Truppenverlegung durch Europa zu verbessern. Dazu wurden teils neue Hauptquartiere gegründet. Auch die US-Armee hat im Zuge von „Atlantic Resolve“ eine Zentrale bei Poznan eingerichtet.

Großmanöver wie das im vergangenen Jahr an der Ostsee abgehaltene „Trident Juncture“ sollen die Zusammenarbeit der nationalen Armeen verbessern. Auch an den jährlichen Saber-Übungen nehmen US-Truppen in Osteuropa teil.

 Januar 2017: Brandenburger Linke empfingen die US-Truppen mit wenig freundlichen Bannern.
Januar 2017: Brandenburger Linke empfingen die US-Truppen mit wenig freundlichen Bannern. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger

"Atlantic Resolve" (Atlantische Entschlossenheit) läuft seit 2015. Seit dem Nato-Gipfel von Warschau 2016 haben die Bemühungen deutlich zugenommen. „Die vorgerückte Präsenz der US-Truppen in Osteuropa erhöht die Fähigkeit der Nato, auf jede Art von Krise ist Europa zu reagieren“, erklärte Brent M. Williams, Presseoffizier der Operation "Atlantic Resolve", gegenüber der RUNDSCHAU.Die erste Truppenverlegung durch die Lausitz hatte Anfang 2017 für einigen Wirbel gesorgt.

Ausgetauscht werden auch die in Osteuropa stationierten Kampfhubschrauber. diese werden in dieser Woche in Zeebrugge in Belgien anlanden und dann ebenfalls per Zug verlegt werden.

Sobald die neuen Truppen ihre Zielorte erreicht haben, beginnt für ihre Vorgänger der Rücktransport in die Heimat. Dieser soll nach Auskunft der US-Armee komplett über die Schiene erfolgen. Weitere Konvois auf Lausitzer Straßen sind also in den kommenden Wochen nicht zu erwarten.