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| 17:00 Uhr

Aus dem Kreistag
Ärztegewinnung wird immer schwieriger

 Andreas Grahlemann, Chef des Krankenhausverbundes, sieht auf kleine Krankenhausstandorte schwierige Zeiten zukommen.
Andreas Grahlemann, Chef des Krankenhausverbundes, sieht auf kleine Krankenhausstandorte schwierige Zeiten zukommen. FOTO: Regina Weiß
Görlitz. Fast die Hälfte der Mediziner an den Krankenhäusern Weißwasser und Oberlausitzer Bergland kommt aus dem Ausland. Doch auch in ihren Heimatländern verbessern sich die Arbeitsbedingungen. Von Uwe Menschner

Die Krankenhauslandschaft im Landkreis Görlitz muss sich noch besser für die Anforderungen der Zukunft rüsten. Das fordert der Geschäftsführer der Gesundheitszentrum des Landkreises Görlitz GmbH, Andreas Grahlemann. Diese umfasst die Krankenhäuser Oberlausitzer Bergland (mit Standorten in Zittau und Ebersbach) und Weißwasser sowie mehrere Servicegesellschaften. Grahlemann beklagte während der jüngsten Sitzung des Görlitzer Kreistags, dass es bis heute nicht gelungen sei, schlagkräftige Strukturen bei den kommunalen Krankenhäusern herzustellen. „Wenn es uns nicht gelingt, sie unter eine Kappe zu bekommen, werden wir alle verlieren“, erklärte Grahlemann und betonte gleichzeitig, dass es sich dabei um seine „persönliche Meinung“ handele. Damit rührt der Geschäftsführer an eine Diskussion, die vor zehn Jahren geführt wurde und die Eingliederung des Städtischen Klinikums Görlitz in die (damals noch zu gründende) Holding des Landkreises zum Gegenstand hatte. In der Görlitzer Stadtgesellschaft hatte es damals heftige Proteste gegen eine mögliche Abgabe des Klinikums an den Landkreis gegeben.

Andreas Grahlemann sieht auf kleine Krankenhausstandorte schwierige Zeiten zukommen. „Nicht mehr ewig werden wir unser eigenes Ärztedefizit mit Kollegen aus den Ländern des Ostblocks ausgleichen können“, mahnte er mit Blick auf die gegenwärtige Struktur der Ärzteschaft in seinem Klinikverbund. Demnach kommen 98 von 207 Ärzten in Weißwasser, Zittau und Ebersbach aus dem Ausland, vor allem aus Polen und Tschechien, aber auch aus Albanien, Jemen, Syrien, Georgien und Kasachstan. „Uns ist bewusst, dass wir diese Ärzte den Patienten in ihren Ländern wegnehmen, wo sie ebenfalls dringend gebraucht würden“, so der Geschäftsführer der Landkreis-Krankenhausgesellschaft. Und: Auch in den Staaten des früheren Ostblocks verbesserten sich die Arbeitsbedingungen für die Ärzte, sodass das Abwerben künftig schwieriger werde. Bereits jetzt müsse die Gesellschaft jährlich circa 1,5 Millionen Euro für Honorarärzte ausgeben.

Eine weitere Kritik Grahlemanns richtete sich – ohne diese namentlich zu nennen – an die Adresse der Diakonissenanstalt Dresden mit ihrem Krankenhaus in Niesky: „Kleinste Krankenhäuser dienen als Satelliten, um Patienten unter dem Deckmantel von Zentren an Görlitz und Bautzen vorbei nach Dresden zu schicken.“ Wenn sich selbst die kleinen Krankenhäuser untereinander Konkurrenz machten, sei dies eine bedenkliche Entwicklung. „Was selbst BMW und Mercedes hinsichtlich des Elektroautos schaffen, müssen auch wir hinkriegen – nämlich zusammenzuarbeiten“, sagt Andreas Grahlemann.

Freilich überbrachte er in seinem Bericht nicht nur Besorgnis erregende Botschaften. So sieht der Geschäftsführer seine Gesellschaft – neben den beiden Kliniken gehören dazu zwei Medizinische Versorgungszentren, zwei Servicegesellschaften sowie die Krankenhausakademie – gut aufgestellt. „Mit der Aufnahme der fachlichen Weiterbildung von Pflegekräften durch die Akademie setzen wir einen weiteren wichtigen Baustein zur Sicherung unseres Fachkräftebedarfs“, betonte er. Überhaupt sei die Gründung der Akademie eine „gute Entscheidung“ gewesen. Die Zentralisierung der Querschnittsabteilungen in Zittau bringe hohe Effizienzgewinne. Und auch hinsichtlich der Investitionen sei man auf einem guten Weg: So wurde in Weißwasser die Notaufnahme saniert, im vierten Quartal gehe die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung an den Start. In Zittau liege der Schwerpunkt in einer autarken Energieversorgung für Küche und Technik.