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Äpfel und Birnen übernehmen im Park die Hauptrolle

Bei der Sortenschau rechnen die Pomologen mit über 200 Obstsorten, die sie in der Orangerie zeigen wollen.
Bei der Sortenschau rechnen die Pomologen mit über 200 Obstsorten, die sie in der Orangerie zeigen wollen. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Die Ausstellung 2016 war echt sehenswert. 308 Kernobstsorten (vorwiegend Äpfel, dazu noch einige Birnen- und Quittensorten) konnten bei den dritten Mitteleuropäischen Apfel- und Genusstagen im Muskauer Park in Augenschein genommen werden. Regina Weiß

In diesem Jahr werden es weniger sein. Grit Striese, Biologin und Landessprecherin des Pomologen-Vereins, rechnet trotzdem mit über 200 Sorten, die die Obstkundler zusammengetragen haben. Das ist schon etwas Besonderes, bei den Apfel- und Birnenausbeuten in den Gärten der Region.

Grit Striese kann davon derzeit ein Lied singen. "Minus 90 Prozent", sagt die Daubitzerin zur Ausbeute von den heimischen Bäumen. Seit 2012 betreibt sie ihre Apfelschmiede im Dorf. Da kann die Quittenernte die Bilanz nicht wirklich retten, auch wenn die Bäume teilweise brechend voll sind. Um Äpfel zu schmackhaftem Saft zu verarbeiten, fährt Grit Striese ins Brandenburgische. Nur streifenweise seien dort die Landschaften vom Ernteausfall betroffen oder eben auch nicht.

Aber zurück nach Sachsen. An der deutsch-polnischen Grenze versammeln sich Obstkundler ab dem heutigen Freitag, um Wissenszuwachs zu erfahren. "Es ist eine richtig gute Weiterbildung", erzählt Grit Striese. Denn Apfel ist nicht gleich Apfel. Und als wenn das nicht schon schwer genug wäre, sehen die Früchte einer Sorte immer mal anders aus. "Ich werde immer gefragt, wann ich endlich Sortenbestimmungen mache", erzählt Grit Striese. Dann erklärt sie, dass sie sich nun zehn Jahre mit dem Metier beschäftigt. "20 Jahre müssen es mindestens sein."

In diesem Jahr steht bei den Pomologen während der Tagung die Birne im Mittelpunkt. Das reicht von ihrer Geschichte bis zu ihren Krankheiten. Und zwischen den Referaten wird immer wieder geübt, die Sorten zu bestimmen. Dabei bleibt man längst nicht mehr in den Grenzen Deutschlands. So geht es um die Wiedergewinnung alter Obstbaumsorten auf einem Truppenübungsplatz in Sulecin (Zillenzig) oder den traditionellen Obstanbau an der unteren Weichsel in Polen. Auch im vergangenen Jahr haben Fachkollegen aus Polen und Tschechien die Tagung bereichert. "Und sie waren froh, dass wir ihnen bei der Sortenbestimmung behilflich sein konnten", erinnert sich Grit Striese.

Natürlich werden die Apfel- und Genusstage im Muskauer Park wieder mit Angeboten für die Öffentlichkeit verknüpft. Dabei gibt es am 30. September von 11 bis 18 Uhr auf dem Areal der historischen Baumschule auf der polnischen Parkseite einen Pflanzen- und Gemüsemarkt regionaler Gärtnereien und Baumschulen, wo auch Setzlinge alter Obstsorten verkauft werden. Daneben werden eine Führung durch die Obstbaumsammlung geboten, Verkaufsstände mit Handwerkserzeugnissen und hausgemachten Produkten sowie Musik, polnisches Essen und Getränke. Die polnischen Parkkollegen kündigen zudem das kreative Spiel "Wir konstruieren das Viadukt mit Bausteinen" an. Die Brücke kurz vor der Baumschule wird demnächst saniert.

Am 1. Oktober kann man von 10 bis 17 Uhr die Orangerie ansteuern, teilt die Stiftung Fürst-Pückler-Park mit. In der Zeit kann man Obstsorten fachmännisch bestimmen lassen oder einfach einen entspannten Sonntag mit kulinarischen Leckereien in historischer Umgebung verbringen. Experten des Pomologenvereins, wie Jan Bade und Klaus Schwartz, stehen für die kostenlose Bestimmung von mitgebrachten Apfel- und Birnensorten zur Verfügung. Herzhafte Spezialitäten, Kaffee und Kuchen hat die Obermühle Görlitz im Angebot, erntefrische Obstsäfte bietet die Apfelschmiede Striese an. Außerdem gibt es eine Auswahl an Likören und Destillaten, Ölen und Senfen der Hammermühle Bautzen sowie Naturseifen.

Im Pflanzensalon erwarten die Gäste Torten mit Rosenblüten und weitere Delikatessen aus der Manufaktur Bergler-Fischer. Zudem bietet die Baumschule Schwartz Zierpflanzen und Gehölze an, darunter auch alte Sorten von Obstgehölzen. Der Eintritt ist frei.

Zum Thema:
Seit 2016 wird eine Sächsische Obstsorte des Jahres gekürt. Die Wahl für das Jahr 2018 fiel auf Maibiers Parmäne. Dieser Apfel ist eine sächsische Regionalsorte, die vor 1860 in Moritzburg in einem Privatgarten gefunden wurde. Den Namen hat sie nach dem Gärtner erhalten, der sie bekannt gemacht hat. Im Umland der Landeshauptstadt gibt es heute noch Bäume in alten Streuobstwiesen. Die Sorte gilt als robust und wenig anspruchsvoll. Die Sorte eignet sich laut Pomologenverein wegen ihres guten, süß-säuerlichen Geschmacks und guten Aussehens als Tafelapfel.