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Achtung Zug! 175 Jahre Eisenbahn in Schlesien

Robert Scholz (1843-1926): Alter Görlitzer Bahnhof mit Erweiterungsbau, um 1900.
Robert Scholz (1843-1926): Alter Görlitzer Bahnhof mit Erweiterungsbau, um 1900. FOTO: Ratsarchiv Görlitz
Görlitz. Einjährige Sonderausstellung öffnet am 2. September im Schlesischen Museum in Görlitz. Mehrere Sonderpräsentationen sind zudem vorgesehen. red/br

Für die Geschichte der Eisenbahn in Schlesien ist 2017 ein bedeutsames Jahr mit mehreren Jubiläen. 1842 fuhr die erste Eisenbahn in Schlesien von Breslau nach Ohlau; 1847 wurde Görlitz an das sich rasch entwickelnde Eisenbahnnetz zwischen Schlesien und Sachsen angeschlossen und 1917 der heutige große Bahnhof eingeweiht, informiert Museumssprecherin Martina Pietsch.

Aus diesem Anlass zeige das Schlesische Museum Görlitz eine Ausstellung, in der die rasche Entwicklung des Eisenbahnnetzes in Schlesien und der damit verbundene Aufschwung in Industrie und Tourismus veranschaulicht werden. Mehr als 30 Leihgeber tragen dazu bei. Die Ausstellung lebt von reichem Bildmaterial und zahlreichen Modellen historischer Lokomotiven und Waggons in den Maßstäben von H0 bis 1:10. Sie präsentiert Bauteile und Gerätschaften aus dem Eisenbahnbetrieb, Uniformstücke aus verschiedenen Zeiten sowie Film- und Audiodokumente, Karten und Schriftstücke. Hauptattraktion der Ausstellung ist ein 18 Meter langes Architekturmodell der Görlitzer Bahnhofsanlage im Zustand von 1917, das erstmals in voller Größe präsentiert wird.

Die Schau führt den Besuchern den raschen Ausbau des Eisenbahnnetzes innerhalb Schlesiens vor Augen. Schnell war die Anbindung an Fernstreckenziele wie Berlin, Wien und Warschau hergestellt. Besonders im oberschlesischen Bergbau- und Hüttenrevier expandierte der Schienenverkehr. Wichtig waren aber auch die zahlreichen Nebenstrecken und Privatbahnen, die insbesondere im Riesengebirge und in der Grafschaft Glatz unter schwierigsten topografischen Bedingungen entstanden. Ihre Bedeutung für die Industrie, aber auch für den Tourismus, kann am Beispiel der "Zackenbahn" von Hirschberg nach Polaun in Böhmen aufgezeigt werden.

Vor allem werden in der Ausstellung das 170. und das 100. Jubiläum der Görlitzer Bahnhofsgebäude gewürdigt. Sie sind als Architekturmodelle und auf zahlreichen Fotos gegenwärtig. Darüber hinaus ist die nach 1847 in Görlitz wachsende und bis heute wirtschaftlich wichtige Waggonbauindustrie thematisiert. Hier wurden zahlreiche technische Innovationen entwickelt, unter anderem in den 1930er-Jahren der Schnelltriebwagen der "Fliegende Hamburger".

Die Ausstellung dokumentiert auch den Werdegang des Waggonbaus in Niesky, der heute europaweit eine Spitzenposition in der Güterwagenherstellung einnimmt, und des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes Lauban, das noch bis zum Jahr 2000 als polnisches Unternehmen fortexistierte.

Während der einjährigen Laufzeit der Ausstellung wird diese durch mehrere interessante Sonderpräsentationen ergänzt. Die erste beginnt am 15. Oktober und zeigt historische Fotografien vom Bau der Strecke Hirschberg - Löwenberg in den Jahren 1906 bis 1909. Die Aufnahmen stammen aus der Sammlung des Partnermuseums in Hirschberg, des Muzeum Karkonoskie w Jeleniej Górze.

Im Januar 2018 folgt die Präsentation einer beeindruckenden Sammlung von Waggonschildern aus ganz Europa, die das Muzeum Regionalne w Lubaniu (Regionalmuseum Lauban) als Leihgabe zur Verfügung stellt. Im Mai 2018 soll ein Modell der Zackenbahn, das alle Bahnhöfe von Niederschreiberhau bis Polaun darstellt, mit zeitweisem Fahrbetrieb zu erleben sein.

Schlesisches Museum zu Görlitz Görlitz, Schönhof, Brüderstraße 8 geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr Sonderöffnungszeiten an Feiertagen, während des Christkindelmarktes und im 1. Quartal

www.schlesisches-museum.de