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Abschied von der "Lebensfreude"

Weißwasser. Die Tage des Wandbild-Mosaiks "Lebensfreude" sind gezählt, zumindest an seinem alten Standort an der ehemaligen 5. Mittelschule. Das Kunstwerk wird zersägt und eingelagert. Eine Entscheidung, die sich der Stadtrat nicht leicht gemacht hat. Daniel Preikschat

Mato Nagel steht leicht betrübt vor dem farbenfrohen Wandbild mit den kühn geschwungenen Linien. Nur einen Steinwurf entfernt vom Abriss-Objekt, im Albert-Schweitzer-Ring, hat der Krauschwitzer seine Praxis. Ihm hat das Mosaik des Künstlers Georgios Wlachopoulos mit dem Titel "Lebensfreude" am Aula-Giebel der ehemaligen 5. Mittelschule immer gefallen.

Als er sah, dass die Schule abgerissen wird, suchte er das Gespräch mit der Stadt. Kaufen und nachnutzen wollte er die Aula. "Sie wäre für Schulungen geeignet gewesen", sagt er. Nagel hätte anbauen lassen müssen, weil dem Gebäude WC und zweiter Zugang fehlen. Auch die Bäume Richtung Straße der Jugend hätten weg gemusst, damit die Sichtachse frei wird. Leider, sagt der Arzt, sei er mit der Stadt nicht handelseinig geworden. "Die haben Preisvorstellungen! Da konnte ich leider nicht mitgehen."

Weil der einzige Interessent für das Objekt abgesprungen ist, blieben den Stadträten vorige Woche nur zwei Entscheidungsmöglichkeiten: Das Wandbild bleibt samt Giebelwand stehen, was inklusive statischer Ertüchtigung 71 400 Euro kosten würde. Oder das Keramikfliesen-Mosaik wird samt Stahlbetonwandplatten in Einzelteile zersägt und diese werden eingelagert. Die Kosten dafür: 23 263 Euro. Beide Varianten, so Baufachbereichsleiter Thomas Böse im Stadtrat, entsprächen den Auflagen des Denkmalschutzes. Vor allem Bernd Frommelt (KjiK) machte sich für den Erhalt des Kunstwerks am alten Standort stark. Bei einem Rückbau könnte das Mosaik beschädigt werden. Und einmal eingelagert, vergesse man es schnell. Im Übrigen hätte sich Bernd Frommelt die Diskussion früher gewünscht. Nicht erst, wenn die Mittelschule schon abgerissen wird. Auch Horst Mäder (Klartext) schien an dem Wandbild zu hängen und schlug vor, das Objekt zum Kauf anzubieten. So könnte man dort möglicherweise einen Handwerksbetrieb unterbringen.

Für die kostengünstigere Lösung sprachen sich Henry Kossack (CDU) und Hartmut Schirrock (Wir für Hier) aus. Die Rückbau-Variante sei nicht nur günstiger, sondern auch förderfähig, so Kossack. Schirrock verwies auf Tausende ähnlicher Wandbilder in der DDR. Alle zu erhalten, ginge nun mal nicht. "Man muss sich auch mal von Dingen trennen können."

Bernhard Waldau (CDU) sah das ähnlich. Das Interesse an dem Mosaik sei zuletzt nicht groß gewesen. So habe es niemanden gestört, als rundum wucherndes Grün es mehr und mehr den Blicken entzogen hatte.

Auf Antrag von Ingo Rosmej (Linke) stimmten die Abgeordneten schließlich über die Rückbau-Variante ab, die dann mit 18 Ja-Stimmen zu drei Nein-Stimmen grünes Licht bekam.