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| 14:32 Uhr

Muskauer Park
Abschied vom Park-Baumeister

 Norbert Seibt schwingt den Spaten für die neue Winterlinde an der Karpfenbrücke. Er scheidet am Donnerstag aus seinem Berufsleben aus. Der Wiederaufbau der Gebäude im Muskauer Park gehörte zu seinen Aufgaben.
Norbert Seibt schwingt den Spaten für die neue Winterlinde an der Karpfenbrücke. Er scheidet am Donnerstag aus seinem Berufsleben aus. Der Wiederaufbau der Gebäude im Muskauer Park gehörte zu seinen Aufgaben. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau . Norbert Seibt hat 27 Jahre lang die Gebäude im Muskauer Park mit verändert. Von Regina Weiß

Da ist sogar das Schwanenpaar auf dem Schlossteich neugierig. Was passiert da Mittwochvormittag neben der Karpfenbrücke? Norbert Seibt, der sonst immer mit Akten voller Baupläne unterm Arm zum Stiftungsrat oder anderen Beratungen im Muskauer Park anrückte, schwingt erst die Maurerkelle und dann den Spaten. Beides sind Utensilien unterschiedlichster Berufsgruppen, die hier im Muskauer Park in den vergangenen Jahrzehnten ihre Handschrift hinterlassen haben. Zu diesem Personenkreis zählt  hat auch Nobert Seibt.

Er ist der Bautzener Niederlassungsleiter des Staatsbetriebs Immobilien- und Bauaufgaben (SIB/vormals Staatshochbauamt) und von Berufs wegen sehr mit dem Muskauer Park verbunden. Ab Donnerstag ist er im Ruhestand. Durch die Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau sowie weitere Wegbegleiter ist er am Mittwoch verabschiedet worden. Symbolisch darf Seibt aus diesem Anlass einen Baum setzen. „Bisher wurde nur wenigen Lebenden zu Teil, einen Baum an so prominenter Stelle zu pflanzen“, erklärt Parkleiter Cord Panning. Seibt sei auf deutscher Seite erst der zweite nach dem 2012 verstorbenen Stiftungsratsvorsitzenden Karl-Heinz Carl. Doch der eine wie der andere haben sich um den Muskauer Park sehr verdient gemacht. Und so kann Norbert Seibt die Winterlinde schwungvoll mit Erde versorgen. Sie ist ein Kind des Muskauer Bestandes. Rund zehn Jahre ist sie gewachsen und wird nun an eine Stelle gesetzt, wo ihre Vorfahrin wahrscheinlich noch unter Pücklers Anleitung in die Erde gekommen ist. Doch im letzten Sommer hat es  Probleme mit den Wurzeln gegeben, sodass der große Baum aus Sicherheitsgründen weichen musste.

Nun soll also die neue Winterlinde an der Karpfenbrücke groß und stark werden. Deren Sanierung war eine der ersten Maßnahmen, die der Staatsbetrieb und damit Norbert Seibt vor 27 Jahren in Angriff genommen haben. „1992 bin ich das erste Mal hier in Muskau gewesen. Und ich war nicht wirklich erstaunt, wie die Gebäude hier aussahen. So sahen sie ja überall aus“, erinnert er sich. „Beim Muskauer Schloss hatte man sich auch daran gewöhnt, dass es eine Ruine war“, so Seibt weiter.

Es gab also viel zu tun und schon war man mittendrin im Bauen. Die Sanierung der Orangerie war die erste größere Baumaßnahme, die ab 1993 in Angriff genommen wurde. Danach kam schon der Bau der Doppelbrücke. „Das war mein allererster Architektenwettbewerb, den ich damals mitbetreut habe.“ Neben der Bauausführung war es aber auch darum gegangen, zwei Länder über die Neiße anzunähern. „Auch wenn einige dachten, wir treffen uns mit der Bücke nie in der Mitte, haben wir es geschafft.“ Seitdem weiß Seibt auch, das die Bürokratie sowohl in Polen als auch in Deutschland gleich stark ist. Eine Herausforderung, die gemeistert werden konnte. Viele weitere sollten folgen.

„Ich habe wirklich ein ausgefülltes Berufsleben gehabt und Bad Muskau gehört dazu“, sagt er. Dem Park werde er weiter gewogen bleiben. „Ich kann das dann mit ganz anderen Augen genießen und muss nicht immer daran denken, was noch gemacht werden muss.“

Am 1. Februar übernimmt Jaroslaw Golaszewski die Leitung der SIB Niederlassung Bautzen. Er ist ausgebildeter Diplom-Ingenieur für Architektur. Die SIB Niederlassung Bautzen hat derzeit 84 Beschäftigte und betreut die Einrichtungen und Behörden des Freistaates Sachsen innerhalb der Landkreise Bautzen und Görlitz sowie in Teilen des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Unter die Zuständigkeit der Niederlassung fallen auch Baumaßnahmen des Bundes und Dritter.