| 18:43 Uhr

Abfischen in Klitten
Riesenwelse dürfen weiterleben

Stolz präsentieren Dietmar Schuster (r.) und Kai Mucke den soeben gefangenen Riesenwels. Der Fisch wird aber im Nachbarteich wieder ins Wasser gelassen.
Stolz präsentieren Dietmar Schuster (r.) und Kai Mucke den soeben gefangenen Riesenwels. Der Fisch wird aber im Nachbarteich wieder ins Wasser gelassen. FOTO: amz
Klitten. Klittener Maximiliansteich ist reif für die Ernte. Kormoran macht den Teichwirten das Überleben schwer.

Der Klittener Maximiliansteich ist reif für die Ernte. Beim Herbstfischzug sind die gewaltigen Welse die Attraktion des Tages. Dietmar Schuster und Kai Mucke dürfen eines der Prachtexemplare zum benachbarten Edelteich tragen. „Ich denke, um die 40 Kilogramm schwer und etwa 1,85 Meter lang ist der“, schätzt Fischer Dietmar Schuster mit Blick auf das Flossentier. Und es ist zwischen zehn und zwölf Jahren alt.Richtig an den Kragen geht es dem Riesenwels noch nicht.„Denn da geht noch was“, stellt Dietmar Bergmann, Seniorchef der Teichwirtschaft Klitten, aus langjähriger Erfahrung mit. Im nächsten sei dann aber wirklich Erntezeit. „Diese großen Welse sind unsere Attraktion“, erklärt der Fischer mit Leib und Seele. Mehr noch: „In diesem Jahr hat bei uns bislang noch niemand ein solches Exemplar geangelt.“ Den Rekord habe der 1,85 Meter lange Wels indes noch nicht ganz erreicht. Der bewege sich bei aktuell bei zwei Metern.

Ansonsten wertet Bergmann die jetzt zu Ende gehende Fischsaison als durchschnittlich. Der wechselhafte Sommer sei insbesondere für die Karpfen wenig optimal gewesen. Besser sei kontinentales Wetter, also längere trockene und warme Perioden. Die Klittener Fischer rechnen in diesem Jahr an ihren 27 Teichen mit einer Gesamtwasserfläche von rund 250 Hektar mit einem Gesamtertrag von 30 bis 40 Tonnen, etwa so viel wie zwölf Monate zuvor.

Der eigentliche Karpfen sei heute nicht mehr so gefragt. Begehrter seien Karpfen-Fischfilets, die sich weitgehend grätenfrei präsentieren. Zudem würden die Kunden auch öfter nach weiteren Fischarten, beispielsweise Schleien, Barschen und Hechten fragen. Den Großteil ihrer jährlichen Fischernte verkaufen die Klittener an größere Unternehmen in Norddeutschland. Übrigens: Die attraktiven Riesenwelse kommen von Natur aus nicht in den Lausitzer Teichen vor. Sie sind eher in den Flüssen beheimatet.

Sorgen bereitet den Fischern nach wie vor der Kormoran. Einer der gefräßigen Vögel vertilgt pro Tag bis zu ein halbes Kilogramm Fisch. Insbesondere bei den ein- bis zweijährigen Fischen, also dem Nachwuchs, schlagen die Kormorane ordentlich zu. Trotz diverser Vergrämungsmaßnahmen wie Selbstschussanlagen sowie direkte Abschüsse der Vögel bleibe das Problem akut, sagt Dietmar Bergmann.

Eine Patentlösung hat auch Maik Rogel, Ranger beim Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, nicht parat. Nur so viel: „Wir dulden keinerlei Neuansiedlungen von Kormoranen.“ Die Art sei heute längst nicht mehr so bedroht wie noch vor 30 Jahren. Das Schutzgebiet habe ein großes Interesse, dass die Teichwirtschaften, im Reservat gibt es etwa 15 Betriebe, dauerhaft überleben können. „Denn ohne die Fischer würden viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden“, sagt Rogel. Die Teiche wüchsen dann relativ schnell zu, verlandeten, und anschließend wäre es aus mit einer der typischsten Attraktionen der mittleren Lausitz. Zum Glück habe hierzulande noch keine Teichwirtschaft aufgeben müssen. Das sehe in anderen Gegenden Deutschland schon ganz anders aus.

Zum Fischerfest fehlen auch die beiden Wassermänner Gunter und Peter sowie die Nixe „Nicki“ nicht. Sie verteilen Süßigkeiten an die Kinder. Und Wassermann Gunter Sommer fährt die Kinder mit seinem Boot ein paar Runden über den Edelteich. Der gelernte Maschinist ist seit Jahren in der Umweltbildung des Fördervereins für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft tätig. „Das liegt mir mindestens genauso gut“, resümiert der 61-jährige Halbendorfer.

(amz)